Lese- und Hörtipp: Gegenaufklärung

Dieses Mal ein Tipp zu einem Buch, das ich in den letzten Wochen gelesen habe, “Gegenaufklärung”, herausgegeben von Alex Gruber und Philipp Lenhard, und zu einer Veranschlagung mit Alex Gruber, Tjark Kunstreich und Stefan Grigat, die ich witzigerweise gefunden habe, als ich meine Timeline “aufräumte”, also vor allem nach Leuten, denen ich folge, die mir aber nicht folgen, und bei denen ich keinen Grund sehe, ihnen trotz fehlender Gegenseitigkeit zu folgen. Dabei stieß ich auf einen Tweet “Gruber und Grigat schimpfen auf Queertheorie” und auf einen Link zu einem Mitschnitt einer Veranstaltung, von der ich schon in der Jungle World gelesen hatte: “Der unheimliche Erfolg der Judith Butler”.

Zu dem Buch habe ich jetzt einen Verriss gefunden: http://www.kritisch-lesen.de/rezension/es-sieht-duster-aus. Ehrlich gesagt, wenn ich das Buch nicht schon hätte, würde mich dieser Verriss neugierig machen. Jetzt kenne ich das Buch aber schon und kann stattdessen den Verriss beurteilen, wobei ich allerdings vor dem Problem stehe, dass ich zwar Verriss und Buch kenne, aber nur wenig von jener Theorie verstehe, welche im Buch kritisiert wird, nämlich der, die der Klappentext Postmoderne nennt. Andererseits kann ich mehrere Stellen finden, anhand derer es möglich wäre, den Verriss zu kritisieren, ohne das Buch selbst zu kennen. Weiterlesen

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Pot calls kettle black: keine Vergangenheitsaufarbeitungsweltmeister

Normalerweise werde ich sofort misstrauisch, wenn Deutsche (“normale” Deutsche oder PolitikerInnen) sich als Vergangenheitsaufarbeitungsweltmeister aufspielen und sich daraus dann einen Nationalstolz konstruieren. (Dann ziehe ich doch einen Nationalstolz, der auf den Leistungen der Fußballnationalmannschaft begründet ist, deutlich vor. Da weiß man wenigstens, dass es albern ist.) Aber in manchen Momenten merke ich, dass ich von diesem Nationalstolz eben doch selbst nicht frei bin, insbesondere wenn es um Japan geht. Ich vermute, dass Japan für viele Menschen das Lieblingsland ist, wenn es darum geht, ein Land zu finden, auf das man zeigen kann und sagen: “Warum immer wir? Wir haben doch schon so viel getan? Warum schaut niemand mal auf Japan?” Japan ist in gewisser Weise tatsächlich vergleichbar, weil sie eben “unsere” Verbündeten im Zweiten Weltkrieg waren und eben Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg und das Verbrechen eines Angriffskriegs diskutiert werden. Andererseits muss man sich auch klar machen, dass die jeweiligen Verbrechen sich in ihrer Größenordnung und auch in ihrer Qualität unterscheiden. Die deutschen Verbrechen, vor allem der Massenmord an den europäischen Juden mit dem Ziel, ein ganzes Volk auszurotten, war eben kein Kriegsverbrechen, sondern ein Verbrechen gegen die Menschheit, und es geschah unabhängig vom Krieg, wenn es auch ohne den Krieg nicht möglich gewesen wäre.

Andererseits haben sich manche Dinge seit 1945 eben doch verändert, etwa das Bemühen, Versöhnung mit den Nachbarn herzustellen. Es ist natürlich noch viel zu tun, und gerade diese Woche habe ich mich ziemlich über die Franzosenfeindschaft eines privaten Bekannten erschrocken, und dazu war ich auch überrascht, dass ein ansonsten sehr intelligenter junger Mensch noch nicht begriffen hat, dass es keinen Grund gibt, auf deutsche Anfangserfolge in den vergangenen beiden Weltkriegen stolz zu sein, sondern dass es einem peinlich sein muss (wenn man sich mit Deutschland identifiziert), dass Deutschland die beiden letzten Weltkriege angefangen hat, so dass sich alle anderen Länder gegen die deutsche Aggression zur Wehr setzten.

Jetzt ist Angela Merkel nach Japan gereist und hat Japan aufgefordert, sich um eine Versöhnung mit den Nachbarländern zu bemühen. Natürlich war dies nur ein ganz kleiner Teil ihrer Agenda. Weiterlesen

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Frauenrechte à la Uno

susanna14:

Normalerweise bin ich vorsichtig, wenn es darum geht, Antisemitismus außerhalb Deutschlands zu kritisieren. Als ich anfing, Texte zu lesen, die muslimischen Antisemitismus thematisierten, war ich misstrauisch: Geht es wirklich um Muslime, wenn Worte wie “Islamfaschismus” benutzt werden? Ist das nicht nur eine weitere Spielart der beliebten Ausflucht: “Warum immer wir? Warum schaut ihr nicht, was andere machen?” Seit den antiisraelischen Demonstrationen im letzten Sommer und seit den Attentaten auf Charlie Hebdo, den jüdischen Supermarkt, auf die Veranstaltung zur Pressefreiheit in Kopenhagen und auf die dortige Synagoge, ist diese Einstellung gekippt. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass ich mir meiner selbst sicherer geworden bin, dass ich aber auch die theoretischen Zusammenhänge besser durchschaue. Außerdem gibt neben der Abschiebung des Problems auf andere (“Muslime, nicht wir Biodeutsche, sind antisemitisch”), ja auch das umgekehrte Phänomen: Den eigenen Antisemitismus hinter muslimischem Antisemitismus beziehungsweise dem Eintreten für die Dritte Welt verstecken.

Ja, und dann taucht der untenstehende Artikel in meinem Postfach auf. (Ich wusste davon schon vorher, auf meiner tumblr-timeline war eine Meldung erschienen, die ich dort auch weitergeleitet habe.) Anscheinend ist Antisemitismus zu einem weltweiten Problem geworden. Jedes Thema lässt sich heutzutage instrumentalisieren, um Gegnerschaft gegen Israel kundzutun. Ich wünschte, die EU hätte wie die USA gegen die Resolution gestimmt. (Es wäre wichtig, zu analysieren, was auf der theoretischen Ebene geschehen ist, dass es so weit kommen konnte, und vor allem, warum die Linke, oder diejenigen, die sich für links halten, nicht merken, dass da etwas schief läuft und dass man protestieren müsste. Aber das schaffe ich nicht heute morgen.)

Ursprünglich veröffentlicht auf Lizas Welt:

Jahrestagung der UN-Frauenrechtskommission, New York, März 2015

Bei den Vereinten Nationen gibt es eine »Fachkommission für die rechtliche Stellung der Frau«, die »United Nations Commission on the Status of Women« (CSW). Sie existiert seit 1946 und gehört zum Wirtschafts- und Sozialrat der Uno, einem der sechs UN-Hauptorgane (zu denen beispielsweise auch die Generalversammlung, der Sicherheitsrat und der Internationale Gerichtshof zählen). Die Kommission hat sich die Geschlechtergerechtigkeit zum Ziel gesetzt, sie tritt für die universellen Rechte von Frauen ein und beobachtet, wie sich die diesbezügliche Lage in der Welt entwickelt. Einmal im Jahr tritt das derzeit 45 Mitglieder umfassende Gremium im UN-Hauptquartier in New York zusammen, um den Stand der Dinge zu resümieren, politische Schritte zu beraten, Resolutionen zu verabschieden und Programme zu beschließen. Es ist die höchste und wichtigste Einrichtung der Vereinten Nationen, was Frauenrechte betrifft.

Am vergangenen Freitag ist die 59. Jahressitzung der Frauenrechtskommission zu Ende gegangen. Und dabei ist auch eine Resolution angenommen worden…

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Sonnenfinsternis mit einfachsten Mitteln beobachten

Ich wusste zwar von der Sonnenfinsternis, war aber überhaupt nicht darauf vorbereitet, und erst als ich an verschiedenen Stellen las, dass Beobachtungsbrillen längst ausverkauft waren, begann ich, mir darüber Gedanken zu machen, ob ich die Finsternis beobachten wollte oder nicht. Gestern abend begann ich, über Alternativen nachzudenken, fand in meiner Wohnung eine alte Geschenkpapierrolle, las von jemandem, der eine Pringles-Packung benutzen wollte, und dachte daran, dies ebenfalls zu tun – ich fing also an, nachzudenken.

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Lesetipps: Ob das etwas mit dem Islam zu tun habe.

Ich möchte weiter die Linksammlung aufräumen, die sich bei mir nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo und den Jüdischen Supermarkt angesammelt hat. Dieses Mal möchte ich ein zweiteiliges Essay empfehlen, das ich auf http://www.publikative.org gefunden habe:

“Das hat nichts/etwas mit dem Islam zu tun”

“Das hat nichts/etwas mit dem Islam zu tun”: Was man damit tut

Es handelt sich um die differenziertesten Gedanken, die ich bisher zu dieser Frage gefunden habe. Das Essay antwortet weder mit einem klaren Ja noch mit einem klaren Nein, und vor allem vermeidet es die häufigsten Fallen, in die Menschen bei dieser Frage hineinfallen, vor allem verurteilt es nicht alle Muslime insgesamt, tut aber auch nicht so, als handele es sich bei den Attentätern um Einzelne, die mit anderen Muslimen nichts zu tun haben.

Mir ist beim Lesen und Nachdenken vor allem deutlich geworden, wie kontraproduktiv das Einfordern von Erklärungen, dass die Attentate nichts mit dem Islam zu tun hätten, eigentlich ist. Das erläutere ich hinter dem Cut – nach einer Zusammenfassung der Texte.

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Ein ernster Autor: Zum Tod von Terry Pratchett

Terry Pratchett ist gestorben, und ich denke daran, dass seine Bücher mir geholfen haben, eine der schrecklichsten Phasen meines Lebens nicht nur zu überstehen, sondern auch hinterher klüger zu sein als vorher. Er war viel mehr als ein witziger Autor.

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Antisemitismus? Doch nicht in Deutschland!

Ursprünglich veröffentlicht auf Lizas Welt:

Antiisraelischer Aufmarsch in Essen, 18. Juli 2014

Nach den jüngsten terroristischen Anschlägen in Paris und Kopenhagen ist in der öffentlichen Debatte in Deutschland ein seltsam anmutendes Muster zu erkennen: Obwohl es sich bei den Tätern in beiden Fällen um radikale Muslime handelte und zu den Opfern jeweils Juden gehörten – die ermordet wurden, weil sie Juden waren –, gilt die Hauptsorge von Politik und Medien erstaunlicherweise nicht etwa dem Erstarken des Antisemitismus im Allgemeinen und des Judenhasses islamistischer Provenienz im Besonderen. Vielmehr hört man allenthalben Warnungen vor einem Wachsen der Islamfeindlichkeit und vor einem Generalverdacht gegen Muslime. Der Antisemitismus dagegen wird entweder unterschlagen oder wegdefiniert – beispielsweise dadurch, dass der spezifische Charakter der Attacke auf den koscheren Supermarkt in der französischen Hauptstadt verschwiegen wird, indem man so tut, als sei die Wahl des Angriffsziels reiner Zufall gewesen, und von einer »Geiselnahme« spricht, als hätte der Täter nicht »Ihr seid Juden, ihr werdet heute alle sterben« gerufen und…

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