Äußerlichkeiten ~ irgendwie jüdisch

Quelle: Äußerlichkeiten ~ irgendwie jüdisch

Leider werden keine ersten Absätze mehr hier gepostet, wenn ich etwas “reblogge”, daher ein paar Sätze, die euch hoffentlich neugierig machen:

Die Autorin weist darauf hin, dass man Nazis nicht an Äußerlichkeiten wie Springerstiefeln, Glatze oder Lonsdale-Shirt (heute wohl Thor-Steinar-Shirt) erkennt. Auch Senioren können braunen Mist absondern. (Mein Kommentar: Besonders Senioren und Seniorinnen können braunen Mist absondern. Und besonders darf man sie nicht in irgendeiner Weise auf die NS-Zeit oder auf irgendwelche Verbrechen ansprechen, auch nicht auf solche von Vater, Mutter oder sonstiger Verwandtschaft, dann werden sie nämlich aggressiv.) Aber diese Senioren sind der festen Überzeugung, nicht rechts zu sein. Sie tragen keine Springerstiefel, also können sie nicht rechts sein.

Außerdem enthält der Text ein paar Beispiele, wie victim-blaming unter Verwendung des Wortes “provozieren” betrieben wird.

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Gefühle respektieren – Irrationalität respektieren. Teil Zwei

Vorgestern schrieb ich über Situationen, in denen eine dritte Person den Kritiker oder die Kritiker bittet, die Kritik sein zu lassen, weil sie die Gefühle eines anderen Menschen verletze, ohne Rücksicht darauf, ob der Schmerz, den dieser andere Mensch fühlt, nicht in erster Linie daher rührt, dass er oder sie ein paar Ansichten oder Loyalitäten, die er oder sie längst hätte kritisch überprüfen müssen, immer noch für einen Teil der eigenen Loyalität hält. So ging es mir damals mit der Gruppenleiterin.

Noch abstruser wird es aber, wenn Menschen die Kritik eines anderen Menschen zurückweisen mit der Begründung, er habe ihre Gefühle verletzt. (Es geht hier nicht um grobe Unhöflichkeit oder um haltlose Vorwürfe, sondern um fundierte wohlbegründete Kritik, die dennoch zurückgeworfen wird.)

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Gefühle respektieren – Irrationalität respektieren

Die Frage, ob es moralisch Geboten sei, die Gefühle anderer Menschen zu respektieren, treibt mich ungefähr seit Januar um, also seit den Morden an der Redaktion von Charlie Hebdo und an den Menschen im jüdischen Supermarkt. Um die Debatte nicht noch einmal aufzurollen, hier ein Link zu einem Text von Alex Feuerherdt in der Jungle World: Bedroht von der Meinungsfreiheit.

Bei der damaligen Debatte ging es um religiöse Gefühle, wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, ob es wirklich um Religion geht. Religion stört ja niemanden, so lange niemand im Namen der Religion andere zu etwas zwingt, was sie nicht für richtig halten (oder von etwas abhält, was mit dem weltlichen Gesetz vereinbar ist.) Religion wird kritisiert, wenn sie diese Grenze überschreitet – und Kritik schließt lächerlich machen mit ein. Manche Dinge kann man nur in ihrer Absurdität vorführen, man muss sie nicht sorgfältig auseinandernehmen. Aber mein Eindruck ist, dass es in den Debatten um religiöse Gefühle nicht wirklich um Religion geht, sondern um Identität, dass also Menschen einen Teil ihrer Identität (und ihres Selbstwertgefühls) an die Zugehörigkeit zu einer Religion koppeln und sich anschließend verletzt fühlen, wenn man diese Religion kritisiert oder verspottet.

Aber eigentlich will ich nicht über Religion sprechen, sondern über andere Verletztheiten. “Verletze seine oder ihre Gefühle nicht!” ist ein Gebot, das mir nämlich nicht zuerst im Umgang mit religiösen Menschen, sondern im Umgang mit Altnazis auffiel, etwa im Umgang mit der Enkelin eines SS-Manns, die sich noch nie im Leben kritisch mit der Geschichte ihres Großvaters auseinandergesetzt hatte. “Verletze ihre Gefühle nicht!” wurde mir gesagt, und damit war gemeint: “Sie liebt ihren Großvater und hat positive Erinnerungen an ihn – stell das bitte nicht in Frage, indem du darauf beharrst, seine SS-Mitgliedschaft zu diskutieren.”

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Anmerkungen zum gerade rebloggten Text von Endolex:

Ich möchte aber noch ein paar Anmerkungen machen, und zwar vor allem erst einmal den Kommentar der Regierung mit verlinken:

Bundesregierung| Übergriffe in Heidenau: Bundesregierung verurteilt Gewalt

(Das Blog von Hajo Funke ist überhaupt sehr lesenswert, allerdings enthält es so viele Texte, dass man gar nicht alle lesen kann.

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Warum brennende Flüchtlingsheime keine ‘Schande für Deutschland’ sind

susanna14:

Dieses Mal veröffentliche ich einen Text von endolex…

Ursprünglich veröffentlicht auf endolex:

So charmant die Vorstellung sein mag, bei den gegen Flüchtlinge hetzenden Bürgern handele es sich vor allem um intellektuell und moralisch minderbemittelte Menschen, bei denen sämtliche demokratischen Integrationsversuche gescheitert seien: Diese Auffassung teile ich nicht. Sie ist ja nicht einmal ein ernsthafter Erklärungsversuch, sondern bloße Kapitulation vor dem scheinbar Unbegreiflichen, gepaart mit dem verständlichen Wunsch, sich selbst geistig soweit wie möglich von ‘diesen Leuten’ zu distanzieren.

‘Diese Leute’ sind aber kein unbeabsichtigter ‘Ausschuss’ einer ansonsten ach so menschenfreundlichen Gesellschaft. Sie sind die vorhersehbare Folge einer Weltordnung, die auf wirtschaftlichen Wettbewerb zwischen Nationalstaaten und Unternehmen aufbaut, dabei zwangsläufig auf Verlierernationen (und VerliererInnen innerhalb von Nationen) angewiesen ist, und, wenn es dann hart auf hart kommt,  den Beteiligten in diesem Spiel souveränes und rücksichtsloses Handeln verordnet.

Also ist es in ganz grundlegender Weise doch diese gegenwärtige Demokratie, welche per Nationalstaatsräson die Unterscheidung zwischen Ausländern und Staatsbürgern ins Recht setzt und mit Gewalt…

Original ansehen noch 85 Wörter

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U.K.Le Guin schreibt, was es bedeutet, in eine Südstaatenfamilie einzuheiraten

Schon wieder ein Lesetipp: Ursula K. Le Guin rezensiert das neue alte Buch von Harper Lee, “Go Set a Watchman”. Harper Lee ist die Autorin von “To Kill a Mockingbird”, und so viel ich verstanden habe, ist das neue Buch die erste Version des alten Buchs. Heute mittag habe ich beide Bücher im Buchladen gesehen.

A Personal Take on Go Set a Watchman

Außerdem hier noch ein Lesetipp, eine der interessantesten (aber auch etwas moralistischen) Kurzgeschichten der Autorin: The Ones Who Walk Away from Omelas

Der Abschnitt, der mich am meisten zum Nachdenken brachte, war der folgende:

So, the daughter returning home on a visit finds her father, her model of clear thinking and courageous honesty, is siding with the bigots; her boyfriend, her model of brotherly kindness, is siding with the bigots. What’s she to do?

The answer from outside is quick and easy: of course she rebels. She rises in wrath, denounces, disowns, and departs.

That’s what Scout (now Jean Louise, 26, on a two-weeks visit home from New York) almost does. It’s what I would have imagined her doing, and believed it absolutely necessary for her to do, before I married into a white Southern family and lived with them some years.

If you love and respect people who live in and obey the rules of such a society, and I loved my father and mother in law, and they deserved all my love and respect — if they love and respect you, as they did me — if you have family feeling or rational sense of decency, you do not and cannot arise in a halo of self-righteousness at every instance of race prejudice, denounce, disown, and depart. Depart where? You live there. These are your people. You are a member of this kind, upright, affectionate family. You live in this society with its tremendous, ingrained prejudices — racial, religious, and other.

You find how to evade showing approval of injustice, and how to avoid practising it, as well as you can. You meet the endless overt bigotry with silent non-acceptance, perhaps with a brief word or two reminding the bigot that not everyone shares, or admires, his opinons. Now and then, when Cousin Roy gets to ranting on about the niggers, and you’re about to leave the room because you’re feeling sick, your mother-in-law says very quietly, I don’t like such talk, Roy. And Roy shuts up.

Aber ich frage mich, ob sie Recht hat.

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Fluchten ~ irgendwie jüdisch

Wieder ein Text, den ich gerne mit euch teilen möchte:

Fluchten ~ irgendwie jüdisch.

Im ersten Teil wird die Antwort auf die oft gestellte Frage gegeben, warum die Juden nicht “einfach” geflohen seien. Die Antwort ist: es war nicht einfach. Der Artikel erklärt warum.

Im zweiten Teil geht es um die Asyldebatte.

Noch ein paar Ergänzungen zum ersten Teil: Selbstverständlich sind Juden und Jüdinnen aus Deutschland geflohen. Es war aber eben nicht einfach, und nicht alle hatten die Möglichkeit, die Schwierigkeiten zu überwinden. Je länger man gewartet hat, desto schwieriger wurde es. Nach Kriegsbeginn wurde es natürlich noch komplizierter, und vor allem wurden viele Juden und Jüdinnen, die ins europäische Ausland geflohen waren, nun von den Deutschen eingeholt. Ein berühmtes Beispiel ist Hannah Arendt. Ein weiteres berühmtes Beispiel sind Anne Frank und ihre Familie.

Eine systematische Untersuchung habe ich nicht gelesen, aber immer wieder, wenn ich etwas über das Leben eines Menschen wissen will, der mich gerade interessiert, stoße ich auf solche Geschichten. Gerade vorgestern habe ich noch einmal die Geschichte der Flucht von Lise Meitner nachgelesen. Im Gegensatz zu vielen andern intelligenten Menschen merkte sie erst spät, wie gefährlich es war und wartete bis 1938 mit der Flucht. (Andere, zum Beispiel Emmy Noether erkannten bereits 1933 die Situation.) Die Geschichten weniger berühmter Menschen sind schwieriger herauszufinden, da wäre ich tatsächlich auf eine systematische Untersuchung von Historikern angewiesen.

Aber ehrlich gesagt, wenn ich höre, dass Menschen Fragen stellen wie die, von der der Originaltext berichtet, dann frage ich mich, ob diese absichtlich ihre Augen und Ohren verschließen.

 Edit: Ich habe noch einmal über Lise Meitner nachgedacht. Als junge Frau, also vor ziemlich langer Zeit, habe ich einmal eine Biografie von ihr gelesen, ich glaube von Charlotte Kerner. (Sie hat mehrere Biografien berühmter Frauen geschrieben.) In dieser Biografie las ich, dass Lise Meitner sich als österreichische Staatsbürgerin sicher fühlte. Erst nach dem Anschluss Österreichs floh sie. Ich weiß nicht, ob das so stimmt – damals hatte ich noch mehr Vertrauen in Bücher. Beim Lesen dachte ich damals: Sie musste doch sehen, wie es anderen Juden und Jüdinnen um sie herum erging – warum glaubte sie sich sicher, nur weil sie österreichische Staatsbürgerin war? Aber das ist wohl vom Ende her gedacht.

Im Internet habe ich herausfinden können, dass zwei niederländische Kollegen ihre Flucht unterstützt hatten. Dadurch, dass sie so lange gewartet hatte, konnte sie nur noch illegal ausreisen; es gelang aber. Sie gab sich als Touristin aus. Sie konnten ihr aber nicht wie gehofft, eine Stelle in Groningen verschaffen, so dass sie dann weiter nach Stockholm ging (was wohl ein Glück war ), wo sie eine Stelle bekam, aber Schwierigkeiten mit dem Institutsleiter hatte. (Ich habe jetzt die Wikipedia-Einträge in vier verschiedenen Sprachen gelesen, deutsch, englisch, französisch und niederländisch. Der niederländische ist am besten.) Man kann also auch aus der Geschichte einer gelungenen Flucht lernen, wie schwierig es war, zu fliehen.

Ich vermute, dass Menschen, die 1933 schon Karriere im akademischen Bereich gemacht hatten, einerseits schneller die Repressionen zu spüren bekamen als andere, insbesondere dass UniversitätsmitarbeiterInnen entlassen und Studierende zwangsexmatrikuliert wurden, so dass sie sich schon aus beruflichen Gründen zur Emigration veranlasst fanden, dass sie es aber durch internationale Kontakte zu KollegInnen auch leichter hatten, im Ausland Fuß zu fassen.

 

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