Antisemitismus? Doch nicht in Deutschland!

Ursprünglich veröffentlicht auf Lizas Welt:

Antiisraelischer Aufmarsch in Essen, 18. Juli 2014

Nach den jüngsten terroristischen Anschlägen in Paris und Kopenhagen ist in der öffentlichen Debatte in Deutschland ein seltsam anmutendes Muster zu erkennen: Obwohl es sich bei den Tätern in beiden Fällen um radikale Muslime handelte und zu den Opfern jeweils Juden gehörten – die ermordet wurden, weil sie Juden waren –, gilt die Hauptsorge von Politik und Medien erstaunlicherweise nicht etwa dem Erstarken des Antisemitismus im Allgemeinen und des Judenhasses islamistischer Provenienz im Besonderen. Vielmehr hört man allenthalben Warnungen vor einem Wachsen der Islamfeindlichkeit und vor einem Generalverdacht gegen Muslime. Der Antisemitismus dagegen wird entweder unterschlagen oder wegdefiniert – beispielsweise dadurch, dass der spezifische Charakter der Attacke auf den koscheren Supermarkt in der französischen Hauptstadt verschwiegen wird, indem man so tut, als sei die Wahl des Angriffsziels reiner Zufall gewesen, und von einer »Geiselnahme« spricht, als hätte der Täter nicht »Ihr seid Juden, ihr werdet heute alle sterben« gerufen und…

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Satire kennzeichnen, aber richtig.

Ich habe eine Reihe interessanter Artikel als Lesezeichen abgespeichert, alle mit dem Plan, eines Tages einmal etwas dazu zu schreiben, und jetzt werde ich diesen Plan in die Tat umsetzen und diese Lesezeichen nach und nach aufräumen. Also erst einmal ein Artikel, der vor zehn Tagen auf meiner Twitter-Timeline diskutiert wurde: “Demogeld für Antifa“.

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Die Tat als Botschaft

Ein Artikel in der New York Times hat gestern bei mir den Impuls ausgelöst, etwas zu dem Attentat in Kopenhagen zu schreiben, oder besser gesagt, zum Umgang mancher Medien und Personen mit muslimischem Antisemitismus, womit ich den mit dem Islam begründeten Antisemitismus mancher, nicht aller Muslime meine. (Und in Diskussionen, ob deren Islamverständnis richtig oder falsch sei, werde ich mich nicht einlassen. Das müssen die Muslime unter sich ausmachen. Aber dass Anschläge auf Synagogen falsch sind, das kann ich beurteilen.)

Erst einmal der Link zum Artikel der NY-Times: http://www.nytimes.com/2015/02/15/world/europe/copenhagen-cafe-event-is-shattered-by-gunfire.html?smid=tw-nytimes&_r=1

Zur Ehrenrettung der NY Times möchte ich allerdings sagen, dass ich auch andere, bessere Artikel über die beiden Attentate gefunden habe. Und es geht auch nicht nur um das, was Samstag passiert ist.

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Kunterbunt im Nie-wieder-Land

Ursprünglich veröffentlicht auf Lizas Welt:

Eine bislang ungehaltene (Wider-)Rede, zu halten auf einer der zahlreichen Veranstaltungen für ein »buntes Land«.


VON CHRISTOPH LINGE

Während wir hier heute die Vision einer »bunten Stadt« beschwören, sitzt in Frankreich, dem europäischen Land mit der größten jüdischen Gemeinschaft, ein Gutteil von deren jüngerer Generation auf gepackten Koffern. Viele werden sagen, das werde schon wieder, es gebe doch reichlich Bemühungen, des grassierenden Antisemitismus Herr zu werden. Und in der Tat, es gibt sie, die Bilder von wehrhaften Soldaten vor Synagogen und jüdischen Schulen, in Frankreich wie in Belgien. Aber was heißt das? Zeigt das nicht vor allem, wie unmöglich ein selbstverständliches jüdisches Leben in Europa inzwischen geworden ist? Ein »gepackter Koffer« bedeutet heute ein Laptop, das Unidiplom und ein One-Way-Flugticket: Au revoir!

Die Eltern und vielleicht auch die Großeltern ziehen erfahrungsgemäß bald hinterher. Es könnte also viel schneller gehen, als viele hier sich das vorstellen. Was das für die beschworene…

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JE SUIS CHARLIE? IT’S A BIT LATE

Ursprünglich veröffentlicht auf Pandaemonium:

veilled

‘Je suis Charlie’. It’s a phrase in every newspaper, in every Twitter feed, on demonstrations in cities across Europe. The expressions of solidarity with those slain in the attack on the Charlie Hebdo offices are impressive. They are also too late. Had journalists and artists and political  activists taken a more robust view on free speech over the past 20 years then we may never have come to this.

Instead, they have helped create a new culture of self-censorship. Partly, it is a question of fear, an unwillingness to take the kind of risks that the editors of Charlie Hebdo courted, and for which they have paid such a heavy price. But fear is only part of the explanation. There has also developed over the past two decades a moral commitment to censorship, a belief that because we live in a plural society, so we must police public discourse about different…

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Kontext – einige Worte zur antioppression culture

In den letzten Wochen sind zwei Blogs vom Netz genommen worden, die ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Eines davon ist das von Karnele, der ich seit mehreren Jahren folge und die die meisten, die dies hier lesen, wahrscheinlich kennen. Es ist rechts in der Blogroll verlinkt. Das andere war ein Blog auf tumblr, das ich erst seit einigen Wochen las. Es gehörte zum sogenannten Fandom, in diesem Fall dem LGTBQ-Fandom von Naruto, und ich las es gern, weil es das Manga kritisierte (was bitter nötig ist) und weil es dies nicht in einem arroganten Ton tat, sondern das Blog eines Menschen war, der die Geschichte einerseits sehr mochte, aber andererseits auch einer Minority angehörte und es mit den Augen eines Mitglieds einer Minority las. Er war nicht “cool”, sondern verletztlich, und das mochte ich.

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“Je suis juive” zu schreiben, erscheint mir anmaßend

als nichtjüdische Deutsche, aber ich möchte meine Solidarität und mein Mitgefühl ausdrücken. “Je suis Charlie” erscheint mir aus diversen Gründen weniger problematisch, erstens natürlich wegen der (fehlenden) Vergangenheit, aber auch, weil klar ist, dass dieser Satz nur symbolisch gemeint ist: Er drückt Solidarität, nicht Identifikation aus. Niemand ist eine Zeitung. (Wenn ich sage, “je suis juive” könnte das jemand wörtlich nehmen, und das will ich nicht, weil es nicht stimmt.) Dennoch habe ich Probleme, mich einer Gruppenidentität wie “Charlie Hebdo” zuzugesellen, und so bin ich ohne Schild zur Kundgebung gegangen, die heute in Hannover stattgefunden hat.

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