Bullying

Vor ein paar Jahren habe ich mehr oder weniger Bücher zum Thema „Schoolyard Bullying“ entdeckt. Ich bevorzuge dieses Wort gegenüber dem deutschen Wort „Mobbing“, da ich glaube, dass es entscheidende Unterschiede zwischen dem Verhalten unter Schülern und dem unter Erwachsenen am Arbeitsplatz gibt. Vor allem glaube ich, dass Gewalt und offene Beleidigungen unter Schülern keine Rolle mehr spielen.
Ich habe immer gewusst, dass ich als Jugendliche das Opfer solcher Verhaltensweisen gewesen bin. In Büchern darüber zu lesen, und vor allem zu lesen, dass die Opfer in keiner Weise schuld daran sind, dass sie zu Opfern werden, hat mein Weltbild jedoch auf den Kopf gestellt.
Meine politischen Ansichten sind von dieser Erfahrung geprägt, und zwar mehr vor allem von dem Umbruch im Weltbild, und hoffentlich immer weniger von der Erfahrung des Bullying selbst. Ich werde in unregelmäßigen Abständen darüber schreiben.

Update 27. Oktober 2012

Es hat sich als schwieriger als geplant herausgestellt, etwas über dieses Thema zu schreiben. Es ist, glaube ich, einfacher, aktuell auf Geschehnisse im Netz zu reagieren als aus mir heraus einen langen Text zu schreiben. In der rechten Spalte findet ihr eine Liste der Tags, eines davon ist „Bullying“, also das einfach klicken.
Einen Punkt möchte ich aber erklären, und zwar meine strikte Ablehnung der Behauptung, es sei okay, wenn Menschen, die einer benachteiligten Gruppe angehören, Menschen, die einer privilegierten Gruppe angehören, nach Belieben beleidigen, beschimpfen oder sich zu Gruppen zusammentun und über ihr Blog hereinbrechen oder sie beschimpfende Blogartikel schreiben dürfen. Es war genau die Erklärung, mit der das Bullying mir gegenüber gerechtfertigt wurde, und zwar praktisch von allen Menschen um mich herum. Rassismus war damals noch kein großes Thema, aber das, was heute Klassismus heißt, wurde als Rechtfertigung benutzt: Ich müsse bedenken, die anderen seien neidisch, weil ich bessere Noten hatte und eine gewähltere Sprache sprach. Ich war halt das Mittelschichts- und Akademikerkind, da war es natürlich, dass die, die nicht so privilegiert waren, mir auf andere Weise zeigten, dass sie stärker waren.

Ich lernte also, dass es natürlich, verständlich, akzeptabel und irgendwie auch gerecht sei, wenn sich andere Jugendliche gegen mich wandten. Ich lernte, alles zu vermeiden, was vermeintlich das Bullying auslöste. Erst spät stieß ich auf Bücher, die sich mit dem Phänomen des Schoolyard Bullying beschäftigten, und diese machten mir klar, dass nichts an mir dsa Bullying ausgelöst hat, sondern dass es die Bullies waren, für die es wichtig war, sich durch Brutalität ihre Position in der Klasse zu sichern, und dass die Erwachsenen um mich herum versagt haben, indem sie das Bullying nicht stoppten, sondern erklärten.

Nichts rechtfertigt es, dass eine Zwölfjährige oder Vierzehnjährige von ihren Mitschülern schikaniert wird, auch nicht ihre Zugehörigkeit zu einer privilegierten Gruppe. Sie wird dadurch zum Sündenbock für das, was Menschen ihrer Gruppe angeblich getan haben, ohne dass sie selbst etwas dafür kann. Sie ist einfach ein besonders leichtes Opfer, jedenfalls ein leichteres Opfer als die, die wirklich etwas dafür können. (Ich erinnere mich noch an einen Deutschlehrer, für den das Bloßstellen von Schülern vor der ganzen Klasse eine Disziplinarmaßnahme war.)

Ja, und die gleiche Logik sehe ich hinter dem Anspruch, dass Menschen, die einer benachteiligten Gruppe angehören, gegenüber Menschen, die einer privilegierten Gruppe angehören, alle Regeln der Höflichkeit fallen lassen dürfen. Sie tun dies ohnehin nur dann, wenn sie sich aus irgendeinem Grund sicher sein können, dass ihnen dabei nichts passieren kann, und das ist nur der Fall, wenn die Person, die der privilegierten Gruppe angehört, aus irgendeinem Grund schwach und isoliert ist. Sie werden sich also nicht die mächtigsten Mitglieder der privilegierten Gruppe aussuchen, die aufgrund ihrer Macht auch imstande sind, die rassistischen oder sonstwie -istischen Strukturen zu verstärken und aufrecht zu erhalten, sondern die, die besonders ohnmächtig sind.

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