Zu meinem Nano-Projekt

In meinem vorherigen Blogpost habe ich schon beschrieben, was Nano ist. Jetzt kann ich ein wenig über mein diesjähriges Projekt schreiben. Es ist nämlich in zweierlei Hinsicht eine Premiere: Erstens ist es mein erster Roman, der sich nicht an Jugendliche richtet und nicht einmal von Jugendlichen handelt. Praktisch alle Figuren sind erwachsene Frauen. (Vielleicht werden im Lauf der Geschichte auch ein paar Männer dazukommen, aber in erster Linie handelt es sich um Konflikte zwischen Frauen, und zwar deswegen, weil die Handlung während eines künstlerischen Workshops auf einer Nordseeinsel spielt, und solche Kurse werden meistens nur von Frauen besucht. Also, nicht neidisch sein – es gibt keinen Grund dazu.)

Zweitens ist es das erste Projekt, bei dem ich, als ich am ersten November zur Tastatur griff, schon wusste, dass ich es nicht veröffentlichen werde. Normalerweise komme ich erst dann zu diesem Schluss, wenn der Entwurf schon mehrere Jahre in der Schublade liegt und ich denke: Wie konnte ich damals nur so etwas schreiben? Das ist ja voll Klischee? Wobei – meine längeren fanfictions mag ich immer noch, und den Text vom letzten Jahr muss ich zwar umschreiben, aber im großen und ganzen finde ich ihn immer noch okay. Ich muss allerdings mehr Distanz zur Ich-Erzählerin gewinnen. Dieses Jahr aber hatte ich von Anfang an ein schlechtes Gefühl, weil ich über eine Erfahrung schreiben würde, die nur kurz zurückliegt, weil ich ganz klar mich selbst in der Geschichte als Ich-Erzählerin positionieren würde, hoffentlich nicht in allzu idealisierter Variante, wie dies eine Vierzehnjährige tun würde, aber eben doch mit einer Ich-Erzählerin, die Positionen vertritt, die ich auch selbst für richtig halte und die auch sonst ein paar meiner Eigenheiten hat. Weiterlesen

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Nano 2014: ein paar Kommentare zur Schneeflockenmethode, erläutert am Beispiel meiner Versuche, SPSS22 und Linux zu kombinieren.

Wie letztes Jahr auch beteilige ich mich an “Nano“, einer Aktion, bei der es darum geht, innerhalb der dreißig Tage, die der November umfasst, einen Roman aus 50 000 Worten zu schreiben. Zu gewinnen gibt es nichts, außer dass man hinterher einen stark bearbeitungsbedürftigen ersten Entwurf eines Romans in den Händen hält.

50 000 Worte ergeben einen eher kurzen Roman, aber wenn man sie innerhalb eines Monats zusätzlich zu allen anderen Verpflichtungen schreiben soll, stellen sie eine Menge Arbeit dar. Zu schaffen ist dies nur dann, wenn man den inneren Kritiker, also jene Stimme, die ständig sagt: “Das taugt nichts, was du da schreibst”, während dieser Zeit in Urlaub schickt. Wenn man im Dezember den Roman zu überarbeiten beginnt, darf er gerne wiederkommen. Am besten ist es, wenn es gelingt, genau so schnell zu tippen, wie man denken kann. (Eine gute Sekretärin kann sogar schneller tippen, als die meisten Menschen denken können, aber so gut bin ich nicht.)

Die Ansichten, ob man planen soll oder nicht (und wenn ja, wie viel), gehen auseinander. Ich nutze schon seit Jahren die sogenannte Schneeflockenmethode von Randy Ingermanson, lasse die letzten Schritte aber weg. (Ich fange zu spät mit Plotten an und habe dann eben so viele Schritte, wie ich geschafft habe.) Bevor ich sie benutzte, ließ ich mich von einem Satz oder Gedanken zum nächsten Satz oder Gedanken führen. Ich entwickelte meine Geschichte linear, vom ersten Kapitel ausgehend, das dann aber nicht mehr zum Rest passte, wenn ich weiter gekommen war. Fertig wurde ich auch nicht. Die Schneeflocke hilft mir, meine Geschichte zu zähmen, so dass die Überarbeitung nur aus Feinarbeit besteht und ich nicht die gesamte Handlung umwerfen muss. Wenn ich hin und wieder die Reihenfolge zweier Szenen vertausche, ist das viel.

Das größte Problem der Methode (die ich, wie gesagt, insgesamt sehr schätze) scheint mir darin zu bestehen, dass sie möglicherweise eine bestimmte Art von Geschichten erzeugt und dass diese Art von Geschichten gleichzeitig eine bestimmte Vorstellung von Menschen und davon, wie die Welt funktioniert, impliziert. Überspitzt würde ich es so zusammenfassen: Menschen haben Probleme, versuchen diese zu lösen und machen dabei Fehler, aber am Ende gelingt es ihnen, und sie haben etwas gelernt. Die andere Variante besteht darin, dass sie Ziele haben, diese zu erreichen versuchen, feststellen, dass dies nicht so einfach ist, wie sie es sich gedacht haben, dass sie möglicherweise ihre Ziele ändern müssen, und am Ende haben sie etwas gelernt. Weiterlesen

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Im Buchladen: Ein dem Alter entsprechendes feministisches Buch

Manchmal habe ich auch nette Erlebnisse mit wildfremden Menschen. In “meinem” Buchladen um die Ecke warte ich darauf, dranzukommen, und höre währenddessen der Frau zu, die vor mir dran ist. Es gibt Komplikationen bei einer Buchbestellung, weil sie erstens nicht die vollständigen Informationen hat und weil zweitens das Buch nur beim Verlag bestellbar ist. Die Frau redet, während der Buchhändler versucht, sich Notizen zu machen, und irgendwann sagt er: “Ich bin ein Mann, ich muss nicht multitaskingfähig sein.” Weiterlesen

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Nachtrag zum Referendum: Teilen oder Egoismus – weitere Unterschiede zwischen verschiedenen Nationalismen

Das Referendum ist nun mit einem Votum für den Verbleib im Vereinigten Königreich ausgegangen, und ein bisschen bedaure ich es, weil ich es für ein spannendes Experiment gehalten hätte. Ob es den Menschen besser oder schlechter gegangen wäre, weiß ich nicht, ich vermute, die wirtschaftliche Situation hätte sich nicht sehr verändert, weil die Wirtschaft mittlerweile international ist. Ob eine schottische Regierung eine bessere Sozialpolitik gemacht hätte als die Tories in London – okay, eine viel schlechtere Sozialpolitik ist auch nicht möglich.

Ich höre mir also die Kommentare im Radio an, und nachdem ich die Internationale Presseschau gehört habe, suche ich nach dem Original eines der Zitate:

But the battlefield is still full of resonant lessons. The win, though close, was decisive. It looks like a 54%-46% or thereabouts. That’s not as good as it looked like being a couple of months ago. But it’s a lot more decisive than the recent polls had hinted. Second, it was women who saved the union. In the polls, men were decisively in favour of yes. The yes campaign was in some sense a guy thing. Men wanted to make a break with the Scotland they inhabit. Women didn’t. Third, this was to a significant degree a class vote too. Richer Scotland stuck with the union — so no did very well in a lot of traditonal SNP areas. Poorer Scotland, Labour Scotland, slipped towards yes, handing Glasgow, Dundee and North Lanarkshire to the independence camp. Gordon Brown stopped the slippage from becoming a rout, perhaps, but the questions for Labour — and for left politics more broadly — are profound. (Quelle: Scotland votes no: the union has survived, but the questions for the left are profound)

Es lässt mich denken: Das ist der Grund, warum mir der schottische Nationalismus sympathischer ist als der flämische, der katalonische, obgleich ich ihm wie jeder Form von Nationalismus misstrauisch gegenüberstehe.
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Zweierlei Nationalismus?

Seit Jahren ist Nationalismus eines meiner Themen, und jetzt habe ich den schottischen Nationalismus ganz vergessen. Gestern sind zwei eher “theoretische” Artikel in meiner Twitter-Timeline gelandet – okay, “theoretisch” im Vergleich zu den Berichten im Deutschlandfunk und auf der Website der ARD, die eher journalistisch vorgehen, das Land bereisen und Menschen interviewen, ob sie für oder gegen die Unabhängigkeit stimmen werden und warum und warum nicht.

Außerdem ist ein Bild in meiner Timeline aufgetaucht, das die Regionen Europas zeigt, welche nach Unabhängigkeit streben: Unabhängigkeitsbewegungen in Europa. Preisfrage: Welche Unabhängigkeitsbewegung haben sie vergessen? Weiterlesen

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Ich war dabei: Centenary 1914-2014 (Urlaub, Teil 4)

Ich bin zurück vom Urlaub. Ich bin, mehr oder weniger, die Westfront entlang gefahren, das heißt, den umkämpften Teil der Westfront. Was ich gelernt habe: Lille ist eine Stadt ohne Buchläden.

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Ich war dabei: Centenary 1914-2014 (Urlaub, Teil 3)

Ich bin zurück vom Urlaub. Ich bin, mehr oder weniger, die Westfront entlang gefahren, das heißt, den umkämpften Teil der Westfront. Was ich gelernt habe: Der Chemin des Dames ist eine Straße, offiziell heißt sie D18CD. Sie ist zweispurig und läuft auf dem Rücken eines Höhenzugs entlang.

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