Mein ursprünglicher Anlass, über Judith Butler zu schreiben, war der, dass ich mich über Kommentatoren ärgerte, die teilweise in ziemlich harschen Worten die Menschen kritisieren, die sich gegen den Adorno-Preis für Judith Butler wenden, ohne dass sie verstanden hätten, worum es geht. Außerdem waren da andere Menschen, die meinten, mit Judith Butlers Verteidigung in der ZEIT und ihrem Angebot zur Verständigung in der FR müsse doch jetzt alles gut sein, und die Kritiker sollten jetzt docch endlich den Mund halten. Ich hatte den Eindruck, sie hätten nicht verstanden, worum es wirklich geht, und habe daher in Teil I erklärt, warum Judith Butlers Äußerungen wirklich kritikwürdig sind und warum Kritik an ihnen nicht mit dem Antisemitismuskeulenvorwurf niedergemacht werden sollte, und in Teil II warum mit Judith Butlers Verteidigungsreden nicht alles gut ist.
Allerdings ging es mir so, dass ich, als ich anfing, den Artikel zu schreiben, auch noch nicht das volle Ausmaß begriffen hatte. Es lässt sich, glaube ich, nur begreifen, wenn man sich die Videos zu der Veranstaltung ansieht, wo Judith Butlers Äußerungen zu Hamas und Hisbollah gefallen sind, und wenn man sich anschaut, wofür die BDS-Bewegung steht. (Zu beidem finden sich Links in Teil I.) Erst dann wird klar, dass Judith Butler in ihren Verteidigungsartikeln nicht die Wahrheit sagt, und dass der Kern des Problems, um den sich nicht nur Judith Butler, sondern auch ihre Kritiker herumdrücken, der ist, dass sie die Auflösung des Staates Israels als jüdischem Staat fordert. Es soll natürlich auf gewaltlose Weise geschehen, nicht mit Gewalt, wie sie von der Hamas vertreten wird, nichtsdestotrotz tritt sie für eine Ein-Staaten-Lösung ein und einen Staat, in dem Juden die Minderheit sind. Sie träumt von Gleichheit zwischen arabischen und jüdischen Bürgern dieses zukünftigen Staates, und fragt sich nicht, ob jüdische Bürger hoffen können, von der Polizei eines solchen Staates gegen Gewalt geschützt zu sein.
Auf der Veranstaltung im Jüdischen Museum in Berlin hat sie jetzt zumindest teilweise die Katze aus dem Sack gelassen. Ärgerlich ist ihre Unehrlichkeit in den Artikeln, die sie geschrieben hat. Es ist vor allem diese Unehrlichkeit und das Ausweichen auf die Gewaltfrage und die Antisemitismusvorwurfkeule, weswegen ich mich jetzt über Judith Butler ärgere. Über ihre Ein-Staaten-Lösung hätte man womöglich diskutieren und sie als unrealistisch zurückweisen können, und vielleicht wäre sie sogar ins Nachdenken gekommen. Aber die Unehrlichkeit hat bewirkt, dass diese Diskussion nicht stattgefunden hat.
Als ich begann, den Artikel zu schreiben, dachte ich: Ihre Äußerungen zu Hamas und Hisbollah sind dumm, aber sie entwerten nicht ihr philosophisches Werk, und den Adorno-Preis kann man ihr trotzdem geben. Jetzt hoffe ich, dass man ihn ihr wieder entzieht, so wie Lance Armstrong seine Tour-de-France-Siege und Theodor von Guttenberg sein Doktortitel entzogen wurde, einfach wegen dieser Unehrlichkeit.
Jetzt trotzdem noch ein paar ihrer VerteidigerInnen…
In der taz findet sich gleich eine ganze Sammlung von ihnen: Ist Judith Butler preiswürdig? Besonders ärgerlich ist Aleida Assman, die meint, das “Antisemitismus-Argument” verhindere, dass man über die Probleme spricht, die Judith Butler aufgeworfen hat. Naja, vielleicht auch nicht. Wenn die Kritiker nicht von jüdischem Selbsthass und Antisemitismus gesprochen hätten, sondern beharrlich verlangt hätten, dass Judith Butler etwas zu Hamas und Hisbollah, und vielleicht nocht wichtiger, zu “Boycott, Divestment, Sanctions” etwas sagt, dann hätte Judith Butler auch nicht den Antisemitismuskeulenvorwurf hervorholen können. Etwas naiv ist Felix Semmelroth, der meint, mit Judith Butlers “Klarstellung” hätte sich alles erledigt.
Hier eine Audiobeitrag von Klaus Englert in der Tagesschau: Porträt der Adorno-Preisträgerin Judith Butler Im Deutschlandfunk findet sich eine schriftliche Version: Warum die Vorwürfe gegen Judith Butler unfair sind
Anscheinend hat der Autor anscheinend nicht das Video gesehen, sonst hätte er nicht gesagt, dass sie angeblich Hamas und Hisbollah als fortschrittliche Kräfte bezeichnet hat. Butlers Bekenntnis zur Gewaltfreiheit entschuldigt nicht ihre politische Ahnungslosigkeit und ihre einseitige Parteinahme gegen Israel. (In einem Satz werden Selbstmordattentate erwähnt, aber dann geht es gleich wieder darum, dass Kritik an Israel zum Schweigen gebracht würde.)
Die Äußerung entstammt nicht der gegenwärtigen Debatte, sondern einem Buch, dass Judith Butler 2002, kurz nach ihren Adorno-Vorlesungen am Frankfurter Institut für Sozialforschung hielt. Damals kam keine Kritik des Zentralrats der Juden auf. Auch nicht ein Jahr zuvor, als der jüdische Philosoph Jacques Derrida, der ebenso scharf die israelische Siedlungspolitik kritisierte, den Adorno-Preis erhielt.
Aber damals waren eben auch ihre Äußerungen zu Hamas und Hisbollah noch nicht gefallen. Es besteht eben tatsächlich ein Unterschied, ob jemand die israelische Siedlungspolitik kritisiert oder wie Primo Levi die Massaker von Sabra und Shatila, oder ob jemand Hamas und Hisbollah legitimiert. Nicht bei jeder Kritik an Israel wird die “Antisemitismuskeule” geschwungen, sondern es wird zwischen verschiedenen Formen von Kritik unterschieden.
Und von Verantwortungsethik kann ich bei Butler wirklich nichts erkennen. Verantwortungsethik würde doch heißen, nach realistischen Lösungen für den Nahost-Konflikt zu finden.
Helmut Mayer in der FAZ: An den Körpern hängt zuletzt doch alles.
Da nützte kein Eingeständnis von Seiten Butlers, dass die mündliche Äußerung über Hamas und Hizbullah missverständlich ausgefallen war, und auch nicht der stichhaltige Hinweis darauf, dass sie jede Form der Gewalt ablehne (wozu man jederzeit ihre Texte konsultieren kann). Man war und blieb auf Seiten des Zentralrats fest entschlossen, in der Ehrung Judith Butlers einen Skandal zu sehen. Nach der im Kern recht einfachen Logik, die aus der Tatsache, dass sich die Beschuldigte nicht bedingungslos hinter Israel stellt, den Vorwurf des Israel-Hasses und antisemitischer Gesinnung gewinnt.
Anscheinend hält es der Autor nicht für möglich, dass Stephan Kramer die Erklärung von Judith Butler nicht für ausreichend hielt. Gewaltfreiheit reicht einfach nicht, und das Problem an Judith Butlers Äußerungen war nun wirklich nicht, dass sich Judith Butler nicht bedingungslos hinter Israel gestellt hat. Besonders erschreckt der folgende Satz: “Die Maßlosigkeit dieses Anwurfs, die man Stephan Kramer nicht einfach nachsehen sollte, einmal beiseitegesetzt” Ich wüsste gern, was der Autor mit dem Wort “nicht einfach nachsehen” meint.
Hubert Winkels im Deutschlandfunk: Dankesrede gleicht Besinnungsaufsatz. Es geht wieder sehr viel darum, dass sie Gewalt ausschließt, und er wirft den Gegnern vor, dass sie dies nicht wahrhaben wollen. Hier ist nun der eigentliche Abschnitt zu dem Streit:
Na ja, dieser Streit war ein typisch deutscher Streit bis zu einem gewissen Grat. Sie hat, finde ich, mit viel Recht in einem wissenschaftlichen Bereich gearbeitet, sodass sie den Adorno-Preis bekommen hat. Nur hat sie als bekennende Linke 2006 auf die Frage, ob Hisbollah und Hamas antiimperialistisch seien, gesagt, dass der Antiimperialismus die globale Linke und Hamas und Hisbollah verbinde. Man kann das ja sagen oder nicht, sie sagt heute, es war eigentlich ein Fehler, das gesagt zu haben, aber darin steckt eigentlich gar kein Problem.
Das Problem steckt darin, dass die, die das hören, jetzt sagen, damit ist erstens die Hisbollah und Hamas eine linke Bewegung, und zweitens: links sein ist gut. Diesen Schluss macht sie aber in keiner Weise und jetzt distanziert sie sich. Sie hat ja gestern sich ausführlich dazu geäußert, mündlich und schriftlich – davon, dass sie sowohl Antiimperialismus mit links sein im Sinne von politisch gut sein identifizieren würde, sie streitet auch ab, dass es überhaupt eine Einheit wie globale Linke gibt -, geschweige denn, dass sie der Hisbollah und der Hamas diesen Punkt als wesentlichen Zug zubilligt, und distanziert sich ganz klar natürlich von deren Auslöschungsfantasien gegenüber Israel.
Ich fange mit dem letzten Satz an: Er ist pure Phantasie. Judith Butler hat sich von keinen Auslöschungsfantasien distanziert, und die gewaltfreien des BDS unterstützt sie. Zweitens ist es natürlich so, dass außer jüdischen Menschen vor allem Menschen, die sich selbst als links und progressiv bezeichnen (und “links” daher gut finden) ihr diesen Satz vorwerfen. Und wenn man ihren Satz im Zusammenhang mit der an sie gerichteten Frage sieht, bekommt man doch den Eindruck, dass “links” von ihr positiv gewertet wird. Für Menschen, die sich selbst als “links” empfinden, ist es natürlich wichtig, auch zu definieren, wer nicht dazu gehört, und welches die entscheidenden Kennzeichen sind. Außerdem: Das Video ist vorhanden, es ist im ZEIT-Artikel verlinkt, man kann Butlers Rechtfertigungen mit ihren damaligen Äußerungen vergleichen, sogar im Kontext.
Dann gibt es einen Artikel in der EMMA: Was bedeutet es, Frau zu sein und Jüdin?
Damit schließt sich der Kreis zur Adornopreis-Debatte. Die moralisierende Zurechtweisung des Zentralrats der Juden (festgemacht an einem aus dem Zusammenhang gerissenen Statement von Butler) entpuppt sich als Fortsetzung eines alten Konflikts. Klare Frontstellung gegen ambivalenzfähige Nachdenklichkeit: Es geht den Orthodoxen nicht, wie es zunächst den Anschein hat, um Butlers Bewertung von Hisbollah oder Hamas. Nicht ertragen wird die differenzierte Zurückweisung jederart von Identitätspolitik durch eine amerikanische Jüdin – auch wenn es um Israel geht. Denn vorgelegt hat Butler eine wohldurchdachte Theorie der möglichen Grenzen einer Identifikation, gerade auch von Juden, mit der Politik des Staates Israel. Sie geht mit der Identität „Jude“ also nicht anders um als mit der Identität als „Frau“.
„Eine Kritik an Israel ist nicht identisch mit einer Anfechtung der Existenz Israels, und sie ist auch nicht dasselbe wie eine antisemitische Haltung“, schrieb sie schon 2003. Nicht ohne auf die „kleine, aber dynamische Friedensbewegung in Israel selbst“ hinzuweisen, mit der sich ebenso solidarisiert wie mit FriedensaktivistInnen auf der palästinensischen Seite, die mit der israelischen Friedensbewegung zusammenarbeiten. Vor allem aber fordert Butler Raum für Argumente: Die Drohung mit der öffentlichen Wortkeule „antisemitisch“ sei eine subtile Form der Zensur.
Der Vorwurf Butlers, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen, wird ohne Überprüfung übernommen. Der Kontext ist eine Veranstaltung, in der Parteinahme gegen Issrael allgemeiner Konsens ist. Nicht mehr die Kritik an Hamas und Hisbollah, sosndern die Identitätspolitik soll das eigentliche Problem sein. Es ist aber Judith Butler, die immer wieder von ihren konkreten Äußerungen ablenkt (schon 2010, als die Interviewerin wirklich nicht von Butlers Judentum sprach) und stattdessen von ihrer Identität als Jüdin spricht.
Nein, eine Kritik an israelischer Politik heißt nicht, dass man das Existenzrecht Israels angefochten wird. Anders sieht es aus, wenn Partei genommen wird für Gruppen, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen.
Dann ein Beitrag von Christian Schlüter in der FR: Ist Judith Butler Israel-Hasserin?
Der erste Abschnitt besteht aus einer Beschimpfung Kramers (besonders schön der Vergleich mit Alexander Dobrindt). Dann geht er auf die Vorwürfe gegen Butler ein:
Wer sich die Veranstaltung in Berkeley anschaut, wird bemerken, dass Butler keineswegs Stellung bezogen hat zu den politischen Zielen von Hamas und Hisbollah, sondern nur Begriffe aufgenommen hat, die in der Diskussion gefallen sind. Dabei hat sie zugestimmt, dass beide Organisationen als „soziale Bewegungen“ zu verstehen sind, die in gewisser Hinsicht auch der „globalen Linken“ zuzuordnen seien, und zwar als Perspektive der politischen Analyse.
Das Problem besteht eben genau darin, dass Judith Butler keine Stellung zu den politischen Zielen von Hamas und Hisbollah genommen hat, was aber notwendig wäre für die Frage, ob die beiden Organisationen links sind und ob man sie unterstützen kann.
Wieder in der FR: Eine nationale Angelegenheit.
Hier nur ein Satz: “Butler hat den FR-Lesern auseinandergesetzt, dass ihre Unterstützung der Kampagne „Boycott, Devistment and Sanctions“ (BDS) nicht von antiisraelischen Ressentiments geprägt ist, sondern von dem Interesse an einer friedlichen Koexistenz in Palästina.” Es wäre aber notwendig, nicht nur Judith Butlers Motive, sondern auch die Ziele der BDS-Kampangne zu untersuchen.
Stefan Rheinecke: Lob der Zwischentöne
Stephan Kramer wird als “Alexander Dobrindt des Zentralrats der Juden” beschimpft, ohne dass sich der Autor die Mühe gemacht hätte, sich über die Kampagne BDS zu informieren. Was er über diese Kampagne schreibt, ist eine grobe Verharmlosung:
Folgt man diesem Alexander Dobrindt der deutschen Juden, dann beteiligt sich, wer aus Protest gegen die völkerrechtswidrige Besatzung israelische Waren boykottiert, an der „Kriegsführung gegen Israel“. In dieser Polemik schrumpft der Unterschied, ob man Terror gegen israelische Zivilisten gutheißt oder keine Oliven aus der Westbank isst, fast zur Bedeutungslosigkeit.
Es geht nicht darum, dieses oder jenes Produkt als Privatmensch nicht zu kaufen. Es geht darum, eine Organisation zu unterstützen, die sich die gewaltfreie Auflösung Israels zum Ziel gesetzt hat.
Zum Abschluss noch zwei diffenzierte Kommentare:
Erklärung der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung zur Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler
Doch für sich selbst nimmt sie in Anspruch, eine Linksliberale zu sein; und genauer betrachtet sagte sie 2006, während der Podiumsdiskussion an der Universität Berkeley, dass selbst wenn beide Organisationen zur globalen Linken gerechnet würden, dies uns nicht davon abhalten sollte, nach anderen Optionen der Politik als Gewalt zu suchen. Nicht wenige von uns erachten die Äußerung dennoch als hochproblematisch und sehen Hamas und Hisbollah ausdrücklich nicht als Teil der globalen Linken. In der Sensibilierung im Umgang mit solchen identitären Zuschreibungen, sehen wir eine der wichtigsten Anregungen durch Butlers Arbeiten. Letztere, nicht einzelne Äußerungen sind für uns maßgeblich. Im zweiten Fall eines Boykotts argumentiert Judith Butler im Zusammenhang einer Kritik an US-amerikanisch-jüdischen Lobbys, die für eine bestimmte israelische Außenpolitik eintreten und plädiert für eine genaue Analyse dieser Zusammenhänge, um Verschwörungstheorien zu vermeiden. Den Boykott grenzt sie ausdrücklich auf solche wissenschaftliche Einrichtungen ein, die die von der israelischen Regierung geförderte Besatzungspolitik Palästinas nicht kritisieren. Viele von uns halten solche Boykottaufrufe für sehr problematisch, sind allerdings der Ansicht, dass Kritik möglich sein muss.
Immerhin hat es hier Differenzen innerhalb der Gruppe gegeben.
Und zuletzt der Kommentar von Micha Brumlik: Selbstbehauptung und Gerechtigkeit
Er kritisiert Kramer, sieht aber auch, wo Kramer recht hat:
Die Ursache dürfte die weiterhin ungebrochene Bereitschaft Butlers sein, wenn auch selektiv mit der gewaltfrei agierenden Boykottkampagne BDS zu kooperieren. Aller Gewaltfreiheit zum Trotz nämlich ziele diese Kampagne auf die Zerstörung Israels. Dass sich Butler von dieser Kampagne unter Vorbehalten distanziert habe, „macht“ so Kramer „ihre Komplizenschaft nicht viel besser. …
…Doch trifft sein politisches Gefühl durchaus etwas Richtiges: Tatsächlich trifft nämlich Butlers zweites Boykottziel beinahe die gesamte jüdisch-israelische Gesellschaft, denn: mit Ausnahme einiger nun wirklich linker Departments an israelischen Universitäten bzw. kleiner, besatzungskritischer NGOs wie „Breaking the Silence“, „New Israel Fund“ und „Skhorot“ (Erinnerungen – nämlich an zerstörte arabische Dörfer) sowie die „Rabbis for Human Rights“ dürfte es keine Institutionen des israelischen Staates und seiner Gesellschaft geben, die sich „eindeutig“, so Butlers sehr anspruchsvolles Kriterium, „gegen die Besetzung aussprechen.“
(Auch hier: Bitte lesen!)
Ich frage mich, warum so viele Menschen Judith Butler verteidigen und sich gegen die Menschen wenden, die sie kritisieren. Ich vermute, es liegt daran, dass Judith Butler eine von vielen verehrte Philosophin und Gendertheoretikerin is und dass sie nicht möchten, dass ihr Ansehen in den Schmutz gezogn wird. Daher sind sie dankbar, wenn die Angriffe gegen sie mit dem Hinweis auf einen pauschalen Antisemitismusverdachtsvorwurf zurückgewiesen werden können, ohne hinzusehen, ob es sich dieses Mal vielleicht nicht nur um diese oder jene Kritik an israelischer Politik handelt, sondern um Positionen, die den israelischen Staat gefährden können.
Ich wünschte, ich könnte noch sagen: Dass sie in diesem einen Fall Unsinn geredet hat, schmälert nicht die Bedeutung ihres Gesamtwerks. Die Art und Weise, wie sie sich verteidigt und dabei die Wahrheit verdreht, tut dies meiner Ansicht nach durchaus.
Nachtrag:
Am 15. September hat Judith Butler mit Micha Brumlik über Zionismus und Judentum diskutiert. Ich habe bisher drei Berichte gefunden:
taz: „Ethik der Diaspora“
Frankfurter Rundschau: Keine Tröten gegen Butler
Jerusalem Post: Berlin Jewish Museum event calls for Israel boycott
Mein Eindruck ist, dass nun die Katze aus dem Sack ist: Eine Ein-Staaten-Lösung, und das Ende Israels als jüdischer Staat. Ich bin neugierig, was jetzt passiert.