Ratschläge aus den Fünfzigern für junge Frauen aus den Zweitausendzehnern.

Was die Ereignisse in Köln selbst anbelangt, mag ich noch nichts sagen: Zu reflexhaft sind mir die Reaktionen beider Seiten. Die eine Seite weist die Schuld „Flüchtlingen“ und anderen Eingewanderten zu, die andere Seite wendet sich genau dagegen und weist darauf hin, dass auch deutsche Männer vergewaltigen. Informationen, die diesen Namen verdienen, sickern erst nach und nach durch, und im Moment ärgert mich vor allem, dass es zunächst Fehlinformationen etwa über als Taschendiebe bekannte Männer gab.

In der Zwischenzeit, weil ich während des Wochenendes in eine Diskussion mit Evolution-Christian und am Donnerstag in eine Diskussion mit @drehumdiebolzening  geraten bin, ein paar Bemerkungen zu den Ratschlägen, die OB Reker an junge Frauen gibt, die sich amüsieren wollen. Hier ist erst einmal ein Link zur Pressekonferenz auf Youtube

und hier ein Link zu einem Interview im ZDF:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/2639602

Ärgerlich an der Pressekonferenz ist vor allem, wie viele Informationen sich hinterher als falsch herausgestellt haben. Aber zu diesem Thema sammle ich noch Links und Gedanken und warte ab, bis wir wirklich etwas Substantielles wissen.

Die entscheidenden Fragen zum Thema, welche Tipps die OB jungen Frauen geben würde, damit sie sicher sind, finden sich erstens um Minute 4.48 und zweitens zu Minute 9.10:

Um Minute 4.48 hakt eine Journalistin der taz nach, weil sie gehört hat, dass zum Maßnahmenkatalog auch gehören soll, dass Stadt und Polizei Frauen, die sich an gefährdeten Orten aufhalten oder aufhalten werden, informiert werden sollen, wie sich verhalten sollen.

Reker erklärt, dass es Verhaltenshinweise gebe, wie sich Frauen und Mädchen, die sich in solche Situationen begeben oder mit solchen Situationen konfrontiert werden, sich sicherer fühlen können, so dass sie sich gut vorbereitet und ohne Unsicherheitsgefühl ins Karnevalsgeschehen begeben können: Vor allem muss Menschen aus anderen Kulturen (Nicht-Kölnern?) deutlich gemacht werden, dass die Zuwendung, die zum Karneval gehört nicht als Einladung verstanden werden darf.

Eine weitere Journalistin hakt um Minute 9.10 nach und fragt, wie sich junge Frauen schützen können, da sie keine Vorstellungen habe. Frau Reker antwortet, dass man eine Armlänge Abstand halten könne und keine Nähe zu Personen suchen solle, die man nicht kennt und zu denen man kein Vertrauensverhältnis hat, und ansonsten solle man in der eigenen Gruppe bleiben und sich nicht trennen lassen.

Geradezu angenehm ist im Vergleich dazu der Hinweis ihres Kollegen, der Hinweise für Dritte gibt, dass diese nicht wegschauen, sondern helfen sollen, und der Polizeipräsident erklärt, dass die jungen Frauen Fremde um Hilfe bitten und dabei konkrete Menschen ansprechen sollen. (Jetzt sollen also Fremde doch helfen können und nicht einfach feindlich gesonnen sein.)

In der Süddeutschen wird behauptet, diese Ratschläge seien durch den bald folgenden Shitstorm aus dem Zusammenhang gerissen worden: Eine Armlänge Empörung. Das stimmt insofern, als sich Frau Rekers Vorschläge nicht auf die Situation am Bahnhof bezogen, sondern allgemein auf gefährliche Situationen, etwa den Karneval. (Dass der Karneval eine potentielle Gefahrenzone für Frauen und Mädchen darstellt, scheint niemanden zu stören.) Allerdings sind die Ratschläge auch für andere Situationen, etwa den Karneval untauglich. Am schlimmsten ist die Warnung, nicht jedem beim Karneval um den Hals zu fallen im Interview mit dem ZDF.

Hier sind erst einmal die Kritik der Taz: Präventionstipps für Männer und #Eine Armlänge zu unnütz.

In den Kommentaren zum zweiten Text wird die übliche Frage gestellt, ob jeglicher Tipp, wie man die eigene Gefährdung verringert, gleich victim-blaming bedeute. @drehumdiebolzening hat auch diese Frage gestellt. Der Vergleich mit dem Überqueren einer Einbahnstraße wird gezogen: hier schaut man auch in beide Richtungen, ob ein Auto kommt, obgleich eigentlich nur aus einer Richtung Autos kommen sollten. Ein weiterer Kommentator beklagt, dass nach dem Diebstahl einer Brieftasche die Polizei Victim-Blaming betrieben habe. Als er den Diebstahl angezeigt habe, hat er sich sagen lassen, dass er die Brieftasche in der Innentasche der Jacke hätte aufbewahren müssen.

Natürlich sind der Brieftaschendieb und der Autofahrer, der aus der falschen Richtung kommt, schuld. Natürlich ist es sinnvoll, trotzdem vorsichtig zu sein. Natürlich ist der Einbrecher schuld, und trotzdem ist es sinnvoll, die Wohnungstür abzuschließen

Ich frage mich, ob es Tipps gibt, die die Wahrscheinlichkeit einer Vergewaltigung verringern, ohne Victim-Blaming darzustellen. Sie müssten alle mit den folgenden Worten beginnen: „Im Prinzip hat jede Frau das Recht, überall und zu jeder Tageszeit und in jeder Art von Kleidung unterwegs zu sein, ohne vergewaltigt zu werden. Es gibt aber böse Menschen, die die Rechte von Frauen (und häufig auch die Rechte anderer Männer) nicht achten, und wir, die Gesellschaft, können euch nicht überall vor ihnen schützen, daher werden wir euch jetzt Tipps geben, wie ihr eure eigene Sicherheit erhöhen könnt.“

Wenn man so beginnt, erübrigen sich alle Tipps zum Thema Kleidung, und zwar deswegen, weil sie mit einem anderen Bild der Täter arbeiten: Sie werden nicht als Menschen betrachtet, die die Rechte anderer Menschen nicht achten, sondern als triebgesteuerte Wesen.

Gestern habe ich einen Text von Majiid Nawaz gefunden, der das besser erklärt als ich: Why We Can’t Stay Silent on Germany’s Mass Sex Assaults.(Majiid Nawaz ist Brite, hat einen „Hintergrund“ aus einem muslimischem Land, welchem weiß ich nicht, ist jetzt aber in erster Linie säkular und kämpft für Liberalismus, gegen Islamismus und gegen das, was er die Regressive Linke nennt.)

Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse sind grundsätzlich nicht schlecht, so lange sie nicht überschätzt werden. Um richtig gut zu werden, reicht ein Wochenendkurs nicht aus. Auch einer Frau, die regelmäßig trainiert, kann es passieren, dass sie im Angesicht einer realen Gefahr in Panik gerät und nicht weiß, was sie tun soll. Jedem und jeder kann es passieren, dass sie einem stärkeren Gegner oder einer Überzahl oder Menschen mit Waffen gegenüber steht.

Kontraproduktiv ist der Trend zur Selbstverteidigung, wenn er zu einer neuen Form des Victim-Blaming führt: Warum hast du dich nicht gewehrt? Vielleicht ging es gerade nicht. Am schlimmsten finde ich jene Frauen, die der Überzeugung sind, sie könnten durch ihr selbstbewusstes Auftreten Männer davon abhalten, sie anzugreifen. „Ich wirke nicht ängstlich – mir kann nichts passieren.“ Am allerschlimmsten sind aber einige sechzigjährige Frauen, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin, die beim Anhören von Geschichten über Gewalterfahrungen gesagt haben: „Wenn ich dem begegnet wäre – ich hätte ihm mit meinem Regenschirm eins übergezogen“, als wären sie siebenjährige Junge. Tatsächlich sind sie noch nie in eine entsprechende Situation geraten.

Eine weitere häufige Kategorie von Ratschlägen betreffen Orte, die man besser meiden sollte, jedenfalls zu bestimmten Uhrzeiten. Anscheinend haben Menschenansammlungen wie der Kölner Karneval jetzt Wald und Park als gefährliche Orte abgelöst. Ich fürchte, dass jede Frau (und vielleicht auch einige Männer) Orte kennt, die sie meidet, weil sie sich dort nicht sicher fühlt, zumindest nicht nachts. Das subjektive Sicherheitsgefühl hat dabei nicht immer etwas mit der realen Gefahr zu tun.

Das Meiden bestimmter Orte ist jedoch kein wünschenswerter Zustand: Wünschenswert wäre, überall hingehen zu können und keine Angst haben zu müssen, nicht einmal auf der Hut sein und darauf gefasst sein müssen, dass man sich wehren oder davonlaufen muss. Wer andere Menschen auffordert, bestimmte Orte zu meiden, anstatt dies dem Sicherheitsgefühl der Betreffenden zu überlassen (obwohl er genauso wenig gesicherte Erkenntnisse über die Gefährdungslage besitzt wie jene), wer im Extremfall auffordert, , zuhause zu bleiben, ohne gegenwärtigen Zustände anzuprangern und andere Zustände zu fordern, der tut nichts für die Sicherheit der betroffenen Frauen, sondern schickt sie dahin, wo sie gemäß patriarchaler Vorstellungen hingehören, ins Haus. Die meisten Frauen wägen regelmäßig zwischen ihrem Sicherheitsbedürfnis und ihrem Bedürfnis nach Bewegungsfreiheit ab: Gehe ich noch ins Kino, obwohl ich hinterher eine halbe Stunde auf den Bus warten müsste? Fühle ich mich sicherer, wenn ich zu Fuß gehe, und bin ich dann womöglich sogar früher zuhause? Bin ich bereit, das Geld für ein Taxi auszugeben? Oder verzichte ich auf Kino und sehe lieber fern?

Dass jetzt alle erklären, der Bahnhof müsse ein Ort bleiben, an dem sich Frauen sicher fühlen, ist insofern ein Fortschritt. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, zu denen das anders war, zu denen also Frauen gewarnt wurden, abends noch Zug zu fahren oder zu spät mit dem Zug anzukommen. (Einmal einziges Mal in meinem Leben habe ich eine Nachtfahrt mit Umsteigen unternommen und verbrachte bei dieser Gelegenheit neunzig Minuten in den „small hours“ am Kasseler Hauptbahnhof – alles war damals zu, ich konnte nur auf dem Bahnsteig warten, und etwas mulmig war mir schon zumute. Damals waren die Bahnhöfe allerdings noch nicht zu Einkaufspassagen umgebaut. Andererseits – nachts halb drei sind auch die heutigen Einkaufspassagen geschlossen.)

Dies bringt mich jetzt zu den Ratschlägen von OB  Reker. Teilweise gehören sie dieser letztgenannten Kategorie an, allerdings versteckt: Ihre Tipps, bei der eigenen Gruppe zu bleiben und sich nicht trennen zu lassen, wenn man zum Karneval geht (anstatt, wie man es auf einer nicht gefährlichen Veranstaltung tun würde, einen Treffpunkt auszumachen für den Fall, dass man sich aus den Augen verliert), deklarieren den Karneval zu einem gefährlichen Ort, den Frauen, die zufällig keine Gruppe haben, besser meiden sollten.

In der Gruppe zu bleiben, ist überhaupt ein fragwürdiger Rat. Die Ereignisse der Silvesternacht haben gezeigt, dass Menschen, die es darauf anlegen, Gruppen auseinanderreißen können. Der andere Punkt ist der, dass selbst auf Veranstaltungen, die die meisten Menschen ohnehin nur in Gruppen besuchen (wie dem Karneval), es Situationen gibt, in denen die eine Person mehr in die, die andere mehr in jene Richtung möchte, oder wo eine an einer Stelle noch stehen bleibt und sich unterhält, während die anderen schon weiter  gehen, so dass man nicht immer aneinanderkleben mag. Und wenn eine Person zur Toilette muss, dann sollte auch nicht die ganze Gruppe mitkommen müssen, und Ankunft und Abreise geschehen immer getrennt. Den Karneval als Gruppe genießen ist eine Sache – als Gruppe ständig darauf achten, dass niemand verloren geht und dass alle immer zusammen sind, kann schnell in Stress ausarten. Wenn man eine Kindergruppe beaufsichtig, mag das notwendig sein, aber für die, die die Gruppe beaufsichtigen, ist das kein Spaß. Eine Gruppe von Erwachsenen sollte sich auf dem Karneval nicht fühlen, als sei sie auf Expedition im Urwald oder auf Erkundungstour in einem Kriegsgebiet.

Wenn nun OB Reker diese Tipps ausspricht, dann wird es sehr merkwürdig. Wenn sie ihre Tipps mit den oben genannten Worten beginnen würde: Ihr habt eigentlich das Recht, euch auf dem Karneval unbesorgt zu amüsieren, aber leider gibt es böse Menschen und leider können wir euch nicht überall schützen, dann spricht sie vom eigenen Versagen. Was den Karneval anbelangt, sollte sie ein vernünftiges Sicherheitskonzept entwerfen, statt Frauen Ratschläge zu geben.

Die allermerkwürdigsten Ratschläge Rekers sind jedoch die, die darauf hinauslaufen, dass Frauen Abstand zu fremden Männern halten sollen. Sie klingen wie die Tipps, die jungen Frauen früher gegeben wurden, damit sie ihren guten Ruf nicht verlören, aber nicht wie Tipps, die vor Vergewaltigung schützen. Warum soll man einen sympathischen Menschen nicht näher als eine Armlänge heranrücken lassen oder sich ihm an den Hals werfen – daraus folgt nicht, dass man unbedingt miteinander Sex haben muss. Vielleicht merkt entweder er oder sie, dass die Sympathie dafür dann doch nicht groß genug ist, dann geht man eben wieder auseinander. Vielleicht wird es aber ein nettes Abenteuer.

Einen unsympathischen Menschen wird keine Frau freiwillig näher als eine Armlänge heranrücken lassen (insofern ist Rekers Rat komplett überflüssig) – es gibt aber Situationen (gerade auch die am Kölner Hauptbahnhof), in denen dies nicht vermieden werden kann. Manchmal herrscht einfach Gedränge – in Köln war das Gedränge Teil der aggressiven Strategie. Jemand, der es wirklich darauf abgesehen hat, eine Frau zu vergewaltigen, der sich schon ein Opfer ausgesucht hat und entschlossen ist, keine Rücksicht auf ihre Wünsche zu nehmen, ein solcher Mensch wird sich nicht davon abhalten lassen, dass die Frau versucht, Abstand zu halten. Die meisten Frauen kennen wahrscheinlich auch Begegnungen mit Männern, die keinen Abstand respektieren, sondern der Frau auf die Pelle rücken, obwohl jene sich bemüht, einen Abstand von einer Armlänge zu halten, und die man nur schwer los wird – häufig nur, indem man selbst den Platz wechselt.

Die Krönung von Frau Rekers Tipps ist aber zweifellos die Bemerkung von den jungen Frauen, die sich jedem Fremden, der sympathisch lächelt, an den Hals werfen würden. Hier ist die Katze aus dem Sack: Sie empfindet die jungen Frauen heutzutage als Flittchen, die durch ihre Offenheit Signale aussenden, die als Einladung zu mehr aufgefasst werden. Ich vermute, sie dagegen war in ihrer Jugend noch höchst sittsam wie heutzutage nur noch Bella aus „Twilight“.

Natürlich lässt sich nicht denken, dass einem solchen Tipp die Worte vorangestellt werden „Es gibt böse Menschen, die euer Recht, an allen Orten und zu jeder Tageszeit in Sicherheit zu sein, nicht achten, und wir können euch nicht immer und überall vor ihnen schützen.“ Ein solcher Tipp unterstellt, dass die jungen Frauen Männern Hoffnung machen würden und dass diese Männer dann nicht verstünden, dass diese Hoffnung unberechtigt war. Die Verantwortung wird den Frauen, nicht den Männern zugeschoben (die normalerweise imstande sind, eine solche Enttäuschung zu verkraften.) Es wird unterstellt, dass Männer vergewaltigen, weil sie nicht imstande wären, einen Rückzug der Frau emotional auszuhalten.

Zur Abwechslung zwischendurch ein vernünftiger Text, der vor jedem victim-blaming warnt:

http://www.tagesschau.de/inland/koeln-uebergriffe-weisserring-101.html

Am Ende des Textes aus der SZ  Eine Armlänge Empörung.  gibt es einen weiteren Tipp: Abstand von potentiellen Gewalttätern halten – am besten drei Körperlängen. Auch das ist nicht immer praktikabel, aber wenn es gelingt, bietet es natürlich einen besseren Schutz als eine Armlänge Abstand. Vor allem bietet es eine reale Chance, „potentiellen Gewalttätern“ zu entkommen. Nur: Wer sind diese potentiellen Gewalttäter? Unsympathische Männer? Männer, die in irgendwelche Schubladen fallen – meistens eben die des angeblich kriminellen „Südländers“? Alle Männer? Wie soll es gehen, von allen Männern um einen herum drei Körperlängen Abstand zu halten? Und stellt man dann nicht alle Männer – wahlweise alle, die „nicht richtig deutsch“ aussehen – unter Verdacht?

Dies bringt mich auf eine Diskussion, in die ich vor ein paar Tagen geraten bin, als ich der Ansicht war, jemand beispringen zu müssen, die sich mit Evolution-Christian in eine Diskussion eingelassen hatte:

Hier ging es um die Frage, ob Männer die Straßenseite wechseln sollten, um zu signalisieren, dass sie keine Bedrohung darstellen. Die beteiligten Männer fanden das übertrieben, also zogen sie die Angst von Frauen ins Lächerliche.

Evolutionchristian und seine Mitstreiter unterstellen, Frauen wären überängstlich, Frau Reker unterstellt, sie wären leichtsinnig und vertrauensselig. Für die meisten Frauen gilt weder das eine noch das andere. Die meisten Frauen überlegen, wie sicher dieser Weg oder jene Situation ist, wenn sie nachts oder auch tagsüber unterwegs sind, sie wägen ab, ob sie lieber einen Umweg machen oder lieber gleich zuhause bleiben, weil sie nicht mit einer Gruppe von Freundinnen oder mit männlicher Begleitung unterwegs sein können. Die meisten Frauen halten nachts Abstand von Männern und vor allem von Männergruppen und ganz besonders vor betrunkenen Männergruppen. Es kommt dabei nicht auf die statistische Häufigkeit von Vergewaltigung an, auch nicht auf die Wahrscheinlichkeit, von einem Fremden vergewaltigt zu werden im Vergleich zu der, von einem Bekannten vergewaltigt zu werden. Die selbstverständliche Sicherheit, nicht angegriffen zu werden, die die meisten Frauen tagsüber und fast alle Männer tags und nachts erleben, fehlt, und Frau Reker tut so, als sei dies ein normaler Zustand, während EvolutionChristian so tut, als sei sie völlig unberechtigt.

(Sorry für den Rant über EvolutionChristian. Ursprünglich war er noch länger. Selbst schuld, wenn ich nicht genug Abstand zu ihm halte.)

 

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6 Antworten zu Ratschläge aus den Fünfzigern für junge Frauen aus den Zweitausendzehnern.

  1. Trippmadam schreibt:

    Ach ja, Christian und die Evolution. Man kann nicht alles ignorieren.;-)

  2. Erdbeerbaeumle schreibt:

    Ich denke, es ist das eine, tagelang Zeit zu haben, den Beitrag für einem Blog zu formulieren, und das andere, in einer Pressekonferenz zu sitzen. Und es ist ebenso billig, auf Facebook und Twitter auf Reker rumzuhacken und einen riesen Bohai um eine Aussage zu machen.
    Denn auch da gilt: es ist eine Sache, etwas zu tun, zu entscheiden und zu verantworten und etwas sagen zu müssen, wenn andere das wollen, und eine andere Sache, am Rechner oder Handy zu sitzen und zu tippen, was andere alles falsch und besser tun sollten. Den meisten geht es dabei doch eh mehr darum, ihre moralische Überlegenheit kundzutun, das merkt man schon daran, dass sie deren Aussage aus dem Kontext ziehen, sie aufbauschen und verzerren oder auch einfach völlig verfälschen und ihre Tipps ebenso sinnlos sind.

    Tipps, wie man sich schützen kann, sind immer Anweisungen, wie potentielle Opfer ihr Verhalten ändern könnten und sollten, und viele dieser Tipps sind nur beschränkt nützlich. Z.Bsp. „Die Diebinnen und Diebe nutzen sorgloses und unachtsames Verhalten oder die Hilfsbereitschaft ihrer Opfer aus“. Aber was ist schon sorglos? Etwa betrunken durch die Stadt zu gehen:
    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/das-sind-die-tricks-der-taschendiebe-aid-1.4566233 (der Artikel widerlegt nebenbei, dass die Polizei die Herkunft der Täter generell verschweigen würde). Hier würde der Ratschlag:
    „Ratsam ist auch, nicht alleine durch dunkle Straßen zu gehen. Da verzichtet man eben mal auf sein gutes Recht und nimmt ein Taxi. Das ist günstiger, als wenn ich mir später ein neues Handy kaufen muss.“ vielleicht helfen (findet sich hier: http://www.radiobremen.de/politik/themen/antanzen102.html)
    Aber hier nicht:
    http://www.main-echo.de/regional/stadt-kreis-aschaffenburg/art11846,2385755
    Sein Handy nicht mitzunehmen, schützt es in der Tat vor Diebstahl, aber irgendwie ist es der Zweck eines Mobiltelefons, mitgenommen und benutzt zu werden.
    Die Tipps sind in der Regel auch alle defensiv. Niemand wird das hier empfehlen:
    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/blaulicht/antanztrick-20-jaehriger-verfolgt-und-stellt-taeter-aid-1.5560622

    Etwas rätselhaft ist mir, wieso du meinst, dass es für Männer nachts mehr Sicherheit haben sollten? Objektiv ist es für Männer sowohl am Tag als auch in der Nacht viel wahrscheinlicher, Opfer von Gewalt zu werden. In der Kategorie gefährliche/schwere Körperverletzung zum Bsp. sind 75% der Opfer Männer, bei Raubdelikten 2/3. Und differenziert man nach Alter, sind männliche jugendliche und Heranwachsende mit Abstand am meisten gefährdet. Diese sollten sich also am meisten fürchten.

    • susanna14 schreibt:

      Ich habe mir die gesamte Pressekonferenz angesehen, insofern weiß ich nicht, wie ich auf die Idee komme, ich hätte ihre Ratschläge aus dem Zusammenhang gerissen.

      Natürlich ist es einfacher, etwas zu tippen, als spontan etwas auf einer Pressekonferenz zu sagen. Dafür bin ich auch keine gutbezahlte Politikerin, sondern blogge für umsonst. Das Problem mit spontanten Äußerungen (die schlimmste war die, nicht jedem Fremden um den Hals zu fallen), besteht darin, dass sie das Weltbild offenbaren. Mir würde dieser Fehler nicht passieren, weil er nicht in mein Weltbild passt. Ich halte junge Frauen nicht für Flittchen, die jedem Unbekannten um den Hals fallen, und wenn, wäre es auch nicht so schlimm. (Dafür muss ich an anderen Punkten aufpassen, etwa dass ich kein Verständnis dafür habe, dass Frauen in einem Zustand durch die Gegend laufen, in dem sie sich nicht im Notfall wehren können.)

      Ich habe etwas gesucht, um die Stelle zu finden, an der ich schreibe, dass Männer nachts sicherer seien. Ich kann es mir aber nicht vorstellen, dass ich das geschrieben habe, weil ich genau die Statistiken, die du anführst, selbst auch kenne: Bei nichtsexueller Gewalt im öffentlichen Raum sind Männer häufiger Opfer als Frauen. Allerdings unterscheidet sich das subjektive Sicherheitsempfinden und möglicherweise auch gesellschaftliche Erwartungen, ob es angemessen ist, zu sagen: da gehe ich lieber nicht lang, das ist mir unheimlich.

      • Erdbeerbaeumle schreibt:

        Ich habe nicht gemeint, dass du Sie aus dem Zusammenhang gerissen hast. Ich bezog mich auf den Shitstorm. Und der Artikel der Süddeutschen bezog sich auch nicht auf deinen Artikel, sondern auf den Shitstorm.

        Dass Männer nachts sicherer seien:
        „Die selbstverständliche Sicherheit, nicht angegriffen zu werden, die die meisten Frauen tagsüber und fast alle Männer tags und nachts erleben, fehlt, und Frau Reker tut so, als sei dies ein normaler Zustand, während EvolutionChristian so tut, als sei sie völlig unberechtigt.“ Wie sollte ich das genau verstehen?
        Ich habe das so verstanden:
        1. Frauen erleben am Tag die selbstverständliche Sicherheit
        2. Fast alle Männer auch zusätzlich Nachts
        3. Frau Reker meint, das sei normal (das Frauen nur am Tag Sicherheit erleben können, nachts aber nicht), die meisten Männer aber am Tag und in der Nacht
        4. EvolutionsChristian als sei sie völlig unberechtigt (die Sicherheit?, bezieht sich jetzt eher auf die Angst und Übervorsichtigkeit?)
        Den Ausdruck „erleben“ kann man natürlich als subjektives Gefühl verstehen, aber bestätigt dann eher die These von EvolutionsChristian, deshalb habe ich das so verstanden, dass Frauen es objektiv nachts unsicher sind, fast alle Männer aber schon.

        Ich habe mal nach EvolutionsChristian gegoogelt. Die meisten Treffer sind dann zu Evolution und evangelikalen Christen, die Diksussion habe ich nicht gefunden. Deswegen weiß ich jetzt nicht, welche These er konkret vertritt.

        Frau Reker aber vertritt nicht die These, dass Frauen leichtsinnig und vertrauensselig. Das interpretierst du hinein, und mein Eindruck ist, da steckt mehr von deinem Weltbild drin als ein Weltbild von Frau Reker. Sie hat auch ganz persönliche Erfahrungen mit Gewaltverbrechen, hat Sie doch eines überlebt.

        Dass du keine gut bezahlte Politikerin bist, Frau Reker aber schon: Die Oberbürgermeisterin von Köln wird nicht schlecht bezahlt sein, aber auch nicht super. Denke mal B10 oder so. Das wären ca. 11.000€ brutto im Monat. Sie muss dafür große Abstriche machen müssen, was man so schön Work-Life-Balance nennt. Das will sie so haben und wir brauchen Ihr dafür nicht zu danken. Fairness hat sie aber nach wie vor verdient, und perfekt muss sie auch nicht sein.

        Ich habe auch nicht die Erfahrung gemacht, dass spontane Äußerungen das Weltbild einer Person verraten. Am besten kann man meiner Erfahrung nach Leute beurteilen, wenn man über längere Zeit ihr Handeln beobachtet, vor allem auch, wie sie konkret mit anderen Menschen umgehen. Etwa sind mir Leute, die gerne und oft über andere Leute urteilen und sie verurteilen, eher unheimlich.

        • susanna14 schreibt:

          Danke für den Hinweis, ich hatte nur eine andere Stelle beim Wiederlesen gefunden. Ich weiß nicht mehr genau, was ich beim Schreiben gedacht habe, aber der Satz ist nur dann richtig, wenn „erleben“ subjektiv gemeint ist, nicht als reale Sicherheit. Ich weiß nicht, wie hoch die reale Wahrscheinlichkeit ist, auf der Straße überfallen und vergewaltigt zu werden. Wahrscheinlich nicht besonders hoch. Allerdings reicht die Tatsache, dass sie größer als Null ist (wovon man immer wieder in der Zeitung liest), um sich bedroht zu fühlen. Für mich persönlich bedeutet es, dass ich jeden, dem ich nachts begegne, anschaue und mich frage: Was ist das für jemand? Wie verhält er sich? Wenn jemand in verhältnismäßig kurzem, gleichbleibenden Abstand folgt, finde ich das irritierend – manchmal warte ich dann sogar, um ihn überholen zu lassen. Andere Frauen wünschen sich, dass Männer die Straßenseite wechseln (was Christian unangemessen fand.)

          Ich vermute, dass gerade umgekehrt zu Frauen das subjektive Sicherheitsempfinden von Männern tendenziell die reale Gefahr unterschätzt.

          Ich habe nicht den gesamten Shitstorm miterlebt. Wie gesagt, es ist falsch, ihr zu unterstellen, dass sie das mit der „Armlänge“ für die Situation am Bahnhof gemeint hat. Sie hat es aber für Situationen wie den Kölner Karneval gemeint.

          Ja, das ist meine Interpretation. Vielleicht könnte man den Armlängensatz (und anderes, was sie gesagt hat) folgendermaßen interpretieren: Junge Frauen machen sich keine Gedanken, welche Signale sie aussenden (und sind insofern leichtsinnig), und werden dann falsch verstanden. Aber „falsche Signale“ sind weder die Ursache von sexueller Belästigung noch von Vergewaltigung. Wenn es nur um falsche Signale geht, dann kann man die aus den falschen Signalen resultierenden Missverständnisse aus dem Weg räumen. Aber darum geht es nicht bei Vergewaltigung.

          Dass Frau Reker nachdenkt, bevor sie etwas sagt, auch auf Pressekonferenzen, ist Teil ihres Jobs. Ich glaube aber, dass ihre „Armlängenantwort“ wirklich ausdrückt, was sie denkt, und zwar vor allem wegen des noch unverschämteren Rats, nicht jedem sympathisch aussehenden Fremden um den Hals zu fallen, den sie während des Interviews mit dem ZDF geäußert hat. Da hätte sie in der Zwischenzeit nachdenken können.

          Am Dienstag habe ich mir die Pressekonferenz am Nachmittag angesehen und mich über den „Armlängenratschlag“ geärgert, und als ich abends nach Hause kam, erfuhr ich vom Shitstorm. Es gab zwei Sorten Leute, solche, die sich über den Ratschlag lustig machten, und solche, die sich wunderten, warum es falsch sein könnte, Verhaltenstipps zu geben, wie man Vergewaltigungen verhindert – es gebe doch auch andere Verhaltenstipps zur Verbrechensprävention. Ich habe versucht, @drehumdiebolzening zu erklären, warum gerade dieser Ratschlag daneben ist und festgestellt, dass dies gar nicht so einfach ist, wenn man sich nicht auf die prinzipielle Ebene begibt, auf der sämtliche Verhaltenstipps Victim-Blaming bedeuten. Dieser Ratschlag ist daneben, weil er 1. Verhalten rät, was für jede Frau und jeden Mann eine Selbstverständlichkeit ist, weil niemand einem unsympathischen Fremden gern zu nahe kommt, weil er 2. Verhalten rät, das in vielen Situationen nicht möglich ist, weil er 3. völlig untauglich ist, jemanden, der zur Vergewaltigung entschlossen ist, an der Vergewaltigung zu hindern und weil er 4. (und das ist jetzt meine Interpretation) eine völlig unsinnige Vorstellung von den Ursachen einer Vergewaltigung unterstellt, nämlich dass Vergewaltigungen dadurchc geschähen, dass junge Frauen falsche Signale aussenden (nicht auf Sicherheitsabstand achten, sich Fremden an den Hals werfen), die dann missverstanden werden. Und diese Vorstellung stammt wirklich aus den Fünfzigern.

          Eine spontane Äußerung offenbart natürlich nur eine Facette des Weltbilds, und wenn man jemanden wirklich kennenlernen will, muss man ihn oder sie längere Zeit beobachten. Andererseits betreibt urteilt auch Frau Reker mit ihren Ratschlägen, die implizites Victim-Blaming bedeuten.

          Dass Reker vor kurzem selbst eine lebensgefährliche Attacke überlebt hat, habe ich nicht erwähnt, weil es mir unfair erschienen wäre. Mir ist ehrlich gesagt ein Rätsel, warum OB Reker, nachdem sie selbst so etwas erlebt hat, einen solchen Ratschlag geben kann.

          • Erdbeerbaeumle schreibt:

            Danke für die Erläuterung der der Passage und des Kontextes der Diskussion.
            Ich kann schwer sagen, wie sicher sich die meisten anderen Männer fühlen, ich habe dazu auch keine große Studie gefunden. Ich jedenfalls, und ich weiß das auch von Freunden und Bekannten, habe schon – insbesondere auch Nachts – manchmal ein mulmiges Gefühl und auch Angst. Z. Bsp. wenn ich alleine in der S-Bahn oder U-Bahn sitze und eine größere Menge fremder, junger Männer einsteigen, oder wenn ich durch große Pulke von fremd wirkenden Menschen gehen muss. Fremd heißt dabei nicht nur fremdländisch (aber auch das), sondern ganz allgemein „deutlich anders als ich“. Wenn zum Beispiel ein Pulk von Menschen aus einem Kino strömt, dann wirken diese nicht fremd, selbst wenn alle arabisch aussehen würden. Hängen dieselben Leute an der S-Bahn rum, bin ich vielleicht beunruhigt. Wenn ich alleine in einer Straße gehe und ich höre Schritte hinter mir, die sich nähern, dann bin ich immer immer auch etwas froh, wenn derjenige überholt hat. Oder wenn mich eine Gruppe junger Leute, die, sagen wir mal, nicht wie Studenten aussehen, um Feuer bittet, bin ich vorsichtig, wenn sonst niemand in der Nähe ist.
            Als ich in Hamburg war, musste ich spät nachts durch große Pulks von Flüchtlingen gehen, viele waren sehr betrunken. Ich habe mir nichts anmerken lassen und bin zielstrebig durch. Aber man merkt am Adrenalin, dass man die Situation als nicht völlig harmlos angesehen hat und ein bisschen auf Alarm war.

            Echte körperliche Konfrontationen hatte ich hauptsächlich als Kind und Jugendlicher. Sie werden einem immer mal wieder aufgezwungen.
            Ich hatte damit in der Grundschule aber nicht wirkliche Probleme, ich hatte immer viele Freunde. Ich habe schon immer Raufereien gehasst und bin Streit möglichst aus dem Weg gegangen. Aber immer unauffällig, nicht dass jemand denkt, ich hätte Angst, und wenn es unvermeidlich war, dann habe ich meine Angst unterdrückt. Auf dem Gymnasium war es dann sehr friedlich.

            Kam es zu Konfrontationen mit Fremden und ich war alleine, dann habe ich durchaus auch die Flucht ergriffen, erst recht bei Überzahl. Ein Besoffener hat mir mal grundlos und absichtlich Bier übergeschüttet, um Streit zu provozieren. Meine Freunde waren schon weg. Da bin ich einfach gegangen.

            Aber wenn man nicht alleine ist, kann man das nicht so einfach machen, ohne den Respekt derjenigen zu riskieren, die davon erfahren. Am Ende erfährt es die ganze Klasse. Man verliert salopp gesagt Verbündete bzw. deren Vertrauen und ermuntert eventuelle „Feinde“. Und bei den Mädchen ist man auch durch (was für mich nicht wichtig war). Und das gilt für jeden Jugendlichen in der Gruppe, keiner will als erstes flüchten. Das bedeutet aber nicht, dass man keine Angst hat. Aber man zeigt es nicht und redet auch danach darüber nicht.
            I
            ch kenne mehrere, denen das Handy und der Geldbeutel gestohlen wurde, als sie besoffen in der S-Bahn eingeschlafen sind. Sie haben kein Problem darüber zu sprechen. Leute sagen dann vielleicht, dass er halt nicht total dicht S-Bahn fahren soll. Einem anderer Bekannten wurde der Geldbeutel weggenommen: er war alleine, er wurde bedroht und hat ihn dann rausgerückt. (Es ist schon lange her, und der Täter war auch kein Migrant). Er redete möglichst nicht darüber und spielte es herunter. Es ist ihm offensichtlich peinlich und er schämt sich wohl dafür. Auch ich würde es nicht wissen, wenn es damals nicht unumgänglich gewesen wäre, es mir zu sagen.

            Das ist auch vielleicht einer der Gründe, warum die Ereignisse in Köln auch bei Männern so andere Beachtung finden, als etwa Berichte über Raubüberfälle auf Männer: Männer können so über Gefahren reden, die sie für sich selbst fürchten, ohne als Feiglinge zu wirken (nicht, in der Menge sexuell belästigt zu werden, aber in der Menge körperlich bedroht zu werden).

            Zu Reker nochmal: ich finde noch immer, dass, wenn man das gesamte Video ansieht, sie nirgends den Standpunkt vertritt, Frauen seien irgendwie selbst schuld. Etwa bei Minute 5:21 sagt sie, dass diese Tipps Frauen helfen sollen, sich sicherer zu fühlen, keinem Unsicherheitsgefühl zu unterliegen.
            Man unterschätzt auch, wie stressig so eine Pressekonferenz ist. Sowohl Reker als auch Albers fürchten, was die Journalisten aus ihren Aussagen machen könnten, absichtlich und unabsichtlich, und das durchaus zurecht. Ich finde sogar mit dem jetzigen Wissenstand, dass Albers und Reker das ganz verantwortungsvoll gemacht haben.

            Die Äußerungen am Ende des ZDF-Interview finde ich auch nicht in Ordnung. kannte das gar nicht. Da schwingt tatsächlich victim-blaming mit, vor allem deshalb, weil der Tipp sinnlos ist.

            Ich finde nicht, und wollte das auch nicht sagen, dass Reker dadurch, dass sie selbst Opfer von Gewalt wurde, eine besondere Verantwortung und Verpflichtung gegenüber anderen Opfern von Gewalt hat. Eher im Gegenteil: ich wollte sagen, dass man annehmen kann, dass sie Gewaltopfer verstehen kann, aber vielleicht auch Sachen empfiehlt, die ihr selbst Sicherheit vermitteln. Man weiß, dass das Gefühl, selbst etwas tun können und Situationen kontrollieren zu können, dafür wichtig sind. Ich glaube tatsächlich, dass Reker Abstand hält zu Leuten, die sie nicht kennt.

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