Lesetipps zum Thema Klimawandel

Es ist einmal wieder Zeit für eine Klimakonferenz, die COP 21 in Paris. Es ist jetzt endlich Zeit, ein Nachfolgeabkommen für das Kyotoprotokoll zu vereinbaren, und ich schwanke zwischen Hoffnung und Skepsis: ob überhaupt ein Abkommen vereinbart werden wird, ob ein Abkommen vereinbart werden wird, das einigermaßen gerecht ist, ob eines vereinbart wird, das Maßnahmen beschließt, die den Klimawandel begrenzen, und ob es überhaupt politische Aktionen sind, die den Klimawandel begrenzen können, oder ob es nicht am Ende technische und ökonomische Entwicklungen – die gesunkenen Kosten für erneuerbare Energien, die erhöhten Kosten für fossile Brennstoffe – sein werden, die den Umstieg bewirken, wobei es fraglich ist, ob dies rechtzeitig geschehen wird.

Als ich jung war, wurde darüber gesprochen, den Klimawandel zu verhindern. Er vielleicht verhindert werden können, wenn es nicht Menschen gäbe, die sich weigern, zu akzeptieren, dass Kohlendioxid das Klima beeinflusst, bevor der Klimawandel passiert ist. Dann ist es aber zu spät. Das Kohlendioxid ist in der Atmosphäre und wird nur sehr langsam abgebaut. Die Klimamodelle reichen größtenteils nur bis zum Jahr 2100. So langsam ist es aber Zeit für Modelle, die weiter reichen. Meine Befürchtung ist die, dass der Klimawandel noch längere Zeit fortschreiten wird (Größenordnung Tausende, wenn nicht gar Zehntausende von Jahren) und ein Massenaussterben verursachen wird, das geologische Maßstäbe erreicht, also vergleichbar mit den Massenaussterben am Ende des Perm oder am Ende der Kreidezeit, und dass eine intelligente Spezies, falls es in hundert Millionen Jahren eine geben wird, die Zeit vom Aussterben der Dinosaurier bis zur heutigen Zeit als „frühe Erdneuzeit“ bezeichnen wird, die mit einem Massenaussterben endete, das Platz für die „Erdmoderne“ machte.

Jetzt die Lese- und Hörtipps:

  1. Die Website der Konferenz:

UNFCCC Webcast – Paris COP 21 | CMP 11 – On-Demand

Ihr könnt dort Pressekonferenzen und die Vorgänge im Plenarsaal verfolgen, leider nicht die Verhandlungen in den Hinterzimmern. Ich höre mir meistens die Pressekonferenzen von CAN International an, um zu verfolgen, was am Tag geschehen ist.

Zu empfehlen ist auch die Pressekonferenz des IPCC, des Klimarats, einer Vereinigung von Klimaforschern, die für die Klimareporte verantwortlich ist:

http://unfccc6.meta-fusion.com/cop21/events/2015-12-03-11-30-ipcc

2. Serie des Deutschlandfunks:

2º plus. Das Klima vor Paris. DLF-Reihe zum Klimagipfel 2015 in 2º plus. Das Klima vor Paris.

Kurze Informationen über den Klimawandel.

3. Schwerpunkt bei Arte:

http://www.arte.tv/sites/de/schwerpunkt/arte-schwerpunkt-ernstfall-klima/

Meine Lieblingssendung war „Woher kommen die Zahlen?“, in welchem drei MathematikerInnen erklären, woher die 0.85 Anstieg der Durchschnittstemperatur, die 95 Prozent Sicherheit und die 2 Grad kommen. Man kann dort eine Menge über Statistik lernen.

http://www.arte.tv/guide/de/060174-001/klimawandel-woher-kommen-die-zahlen-1-2

4. Das Blog von Stefan Rahmsdorf:

KlimaLounge › SciLogs – Wissenschaftsblogs

Einer der führenden Klimaforscher Deutschlands. Sein Lieblingsgegner sind die Klimaleugner.

Noch ein paar Bemerkungen: Die Diskussion über die Realität des Klimawandels hätte eigentlich nie aufkommen dürfen. Die physikalischen Prozesse sind seit über hundert Jahren bekannt: http://www.zeit.de/2015/48/treibhauseffekt-klimawandel-erderwaermung-klimagipfel

Dies sollte ausreichen – man hätte nicht darauf warten sollen, dass steigende Temperaturen die Theorie bestätigen. Man springt ja auch nicht von einem Haus und wartet darauf, dass der Absturz dann die Theorie von der Fallbeschleunigung bestätigt, sondern überlegt sich das vorher und springt nicht. Anstatt Klimaleugner zu überzeugen zu versuchen, sollte man lieber ihre Argumentationsstrategien, besser gesagt Manipulationsstrategien untersuchen und offenlegen.

Besonders bedenklich ist, dass die seriösen Klimaforscher, um sich nicht angreifbar zu machen, ihre Ergebnisse immer sehr vorsichtig formuliert haben: „mit großer Wahrscheinlichkeit Erwärmung von mindestens… “ Dass es auch die Möglichkeit gibt, dass alles viel schlimmer kommt als vorhergesagt, wird nicht erwähnt, um nicht den Eindruck von Panikmache zu erwecken. Aber wenn man sich die Forschungsergebnisse durchliest, ist Panik die einzige rationale Reaktion.

Wenn man die Klimaleugner links liegen lässt (was zum Glück zunehmend passiert, aber schwierig ist, weil diese Macht haben), dann kann man sich über die Lastenverteilung streiten. Das ist schon auf nationaler Ebene schwierig, auf internationaler Ebene noch schwieriger. Bei den Pressekonferenzen von CAN kann man darüber lernen: Länder treten (wie in internationalen Beziehungen üblich) meist als einheitliche Akteure auf, und alle vertreten ihre eigenen Interessen. So lässt sich erklären, dass ölproduzierende Länder die größten Bremser sind. „Least developped countries“ leiden am meisten und haben am wenigsten die Fähigkeit, sich zu schützen.

Das Problem sind die „Emerging Economies“. Ihre Emissionen steigen, und da es sich um sehr bevölkerungsreiche Länder sind, steigen sie in die Toppositionen auf, wenn es um nationalen Ausstoß geht – allerdings liegen sie beim Pro-Kopf-Ausstoß noch weit unter den Industrieländern. Ein weiteres Problem liegt darin, dass sie mittlerweile ökonomisch potenter sind als ein Land wie Griechenland, das aber als Industrieland zählt. Allerdings gilt dies nicht für die gesamte Bevölkerung. Dazu kommt die „historical responsibility“, womit gemeint ist, dass die Industrieländer weitgehend verantwortlich für die CO2-Emissionen der letzten zweihundert Jahre sind.

Bei den CAN-Pressekonferenzen könnt ihr über die Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen von Ländern lernen. Die Sendung „Mit offenen Karten“ informiert über die Grundlagen: http://www.arte.tv/guide/de/060139-006-A/mit-offenen-karten

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