Hörempfehlung: Interview mit Eike Geisel

Vorgestern  habe ich einen Text von Liza’s Welt rebloggt, in welchem Eike Geisel gelobt wurde: Aufklärung als Naivitätsverlust. Gestern habe ich einen Nachtrag geschrieben, weil ich dachte, dass „Polemik“ nicht die richtige Charakterisierung von Eike Geisel ist. Dann habe ich um Mitternacht ein Interview mit Eike Geisel gefunden: Interview mit Eike Geisel über drei Berliner Ausstellungen.

Wie gesagt, meiner Ansicht nach ist Eike Geisel nicht in erster Linie ein Polemiker, sondern in erster Linie hat er ein klares moralisches Urteil. Zum Beispiel benennt er ganz deutlich, dass nicht die Zerstörung der jüdischen Kultur, sondern die Ermordung von sechs Millionen Menschen das eigentliche Verbrechen ist. Noch schlimmer wird es, wenn so getan wird, als sei die Zerstörung der jüdischen Kultur ein Verlust für „uns Deutsche“ (als hätte sie „uns“ jemals gehört.) Vor allem aber macht er klar, dass das Problem nicht darin besteht, dass Menschen, die noch hätten nützlich sein können (zum Beispiel als Künstler) ermordet wurden, sondern dass überhaupt Menschen ermordet wurden – Menschen, die zum größten Teil einfach durchschnittlich und insgesamt so vielfältig wie andere Menschen auch waren. Zu erzählen, wie intelligent, kreativ oder auch moralisch hochstehend Juden und Jüdinnen seien, verhindert keinen Antisemitismus.

Es geht nicht um Polemik, sondern darum, das Selbstverständliche auszusprechen, das leider nicht selbstverständlich ist, und dadurch wird natürlich auch das kritisiert, was hier als selbstverständlich gilt, aber Unsinn ist, so dass diejenigen von uns (ich auch), die diesen Unsinn schon gedacht haben, sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Aber die Kritik und das sich vor den Kopf gestoßen fühlen ist notwendig.

Einen Ausspruch kritisiert er besonders hart, und zwar einen von deutschen Theaterdirektoren: Die deutschen Theater hätten eine „Blutauffrischung“ nötig. Seine Antwort: Die Theaterdirektoren hätten eine Hirntransplantation nötig. Das ist etwas drastisch, aber leider hat er Recht. Sowohl der Inhalt des Spruchs als auch die Wortwahl sind unmöglich.

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