Fluchten ~ irgendwie jüdisch

Wieder ein Text, den ich gerne mit euch teilen möchte:

Fluchten ~ irgendwie jüdisch.

Im ersten Teil wird die Antwort auf die oft gestellte Frage gegeben, warum die Juden nicht „einfach“ geflohen seien. Die Antwort ist: es war nicht einfach. Der Artikel erklärt warum.

Im zweiten Teil geht es um die Asyldebatte.

Noch ein paar Ergänzungen zum ersten Teil: Selbstverständlich sind Juden und Jüdinnen aus Deutschland geflohen. Es war aber eben nicht einfach, und nicht alle hatten die Möglichkeit, die Schwierigkeiten zu überwinden. Je länger man gewartet hat, desto schwieriger wurde es. Nach Kriegsbeginn wurde es natürlich noch komplizierter, und vor allem wurden viele Juden und Jüdinnen, die ins europäische Ausland geflohen waren, nun von den Deutschen eingeholt. Ein berühmtes Beispiel ist Hannah Arendt. Ein weiteres berühmtes Beispiel sind Anne Frank und ihre Familie.

Eine systematische Untersuchung habe ich nicht gelesen, aber immer wieder, wenn ich etwas über das Leben eines Menschen wissen will, der mich gerade interessiert, stoße ich auf solche Geschichten. Gerade vorgestern habe ich noch einmal die Geschichte der Flucht von Lise Meitner nachgelesen. Im Gegensatz zu vielen andern intelligenten Menschen merkte sie erst spät, wie gefährlich es war und wartete bis 1938 mit der Flucht. (Andere, zum Beispiel Emmy Noether erkannten bereits 1933 die Situation.) Die Geschichten weniger berühmter Menschen sind schwieriger herauszufinden, da wäre ich tatsächlich auf eine systematische Untersuchung von Historikern angewiesen.

Aber ehrlich gesagt, wenn ich höre, dass Menschen Fragen stellen wie die, von der der Originaltext berichtet, dann frage ich mich, ob diese absichtlich ihre Augen und Ohren verschließen.

 Edit: Ich habe noch einmal über Lise Meitner nachgedacht. Als junge Frau, also vor ziemlich langer Zeit, habe ich einmal eine Biografie von ihr gelesen, ich glaube von Charlotte Kerner. (Sie hat mehrere Biografien berühmter Frauen geschrieben.) In dieser Biografie las ich, dass Lise Meitner sich als österreichische Staatsbürgerin sicher fühlte. Erst nach dem Anschluss Österreichs floh sie. Ich weiß nicht, ob das so stimmt – damals hatte ich noch mehr Vertrauen in Bücher. Beim Lesen dachte ich damals: Sie musste doch sehen, wie es anderen Juden und Jüdinnen um sie herum erging – warum glaubte sie sich sicher, nur weil sie österreichische Staatsbürgerin war? Aber das ist wohl vom Ende her gedacht.

Im Internet habe ich herausfinden können, dass zwei niederländische Kollegen ihre Flucht unterstützt hatten. Dadurch, dass sie so lange gewartet hatte, konnte sie nur noch illegal ausreisen; es gelang aber. Sie gab sich als Touristin aus. Sie konnten ihr aber nicht wie gehofft, eine Stelle in Groningen verschaffen, so dass sie dann weiter nach Stockholm ging (was wohl ein Glück war ), wo sie eine Stelle bekam, aber Schwierigkeiten mit dem Institutsleiter hatte. (Ich habe jetzt die Wikipedia-Einträge in vier verschiedenen Sprachen gelesen, deutsch, englisch, französisch und niederländisch. Der niederländische ist am besten.) Man kann also auch aus der Geschichte einer gelungenen Flucht lernen, wie schwierig es war, zu fliehen.

Ich vermute, dass Menschen, die 1933 schon Karriere im akademischen Bereich gemacht hatten, einerseits schneller die Repressionen zu spüren bekamen als andere, insbesondere dass UniversitätsmitarbeiterInnen entlassen und Studierende zwangsexmatrikuliert wurden, so dass sie sich schon aus beruflichen Gründen zur Emigration veranlasst fanden, dass sie es aber durch internationale Kontakte zu KollegInnen auch leichter hatten, im Ausland Fuß zu fassen.

 

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2 Antworten zu Fluchten ~ irgendwie jüdisch

  1. endolex schreibt:

    Hat dies auf endolex rebloggt.

  2. Pingback: De venta en venta 3: Flüchtlinge / refugiados | Geschichten und Meer

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