Verlinkt von malmoe, und ein paar Worte über den Unterschied zwischen „Israelkritik“ und Antisemitismus

Vor ein paar Tagen habe ich entdeckt, dass jemand über einen Link von malmoe.org zu diesem Blog gefunden hat. Ich habe also nachgeschaut, was das für ein Link war, und habe festgestellt, dass ich dort als Beispiel für eine Feministin, die sich kritisch mit Butlers Antisemitismus auseinandersetzt, genannt werde, und noch dazu als einziges Beispiel. Das ist nun ein bisschen viel der Ehre, schließlich bin ich nur eine Amateurbloggerin mit wechselnden Themen und einer begrenzten LeserInnenschaft. Da ich den Artikel, der mich zitiert, ziemlich gut finde, möchte ich mich revanchieren und ihn meinerseits verlinken: Verdrängung der Feministin.

Hier noch Links zu den Texten, in denen ich über Butler schreibe und auf die der Text wahrscheinlich Bezug nimmt:

Warum die Kritik an Judith Butler völlig gerechtfertigt ist

Warum ihre Verteidigungsreden nichts taugen

Warum die Kritiker der Kritiker sorgfältiger lesen sollten.

Die Texte sind schon ein paar Jahre alt. Ich setze mich in ihnen nicht mit Judith Butlers Feminismus, sondern nur mit ihrem Antizionismus, insbesondere ihrem Engagement für BDS, auseinander, und außerdem mit ihrem Verhalten, wenn sie auf ihre Äußerungen zu Hamas und Hezbollah angesprochen wurde, konkret mit ihrem Herumgeeiere. Das war das, was ich mir zutraute.

Ich zögere hier ein wenig, bevor ich von Antisemitismus oder Antizionismus spreche. Ich wünschte, ich hätte den Mut, durchgehend Antisemitismus zu schreiben. Man muss nicht alles gut finden, was die israelische Regierung tut – das tun nicht einmal die Israelis – aber in dem Moment, wo jemand die Existenz des Staates Israel in Frage stellt, ist meine rote Linie überschritten. Wenn jemand das tut, vergisst er oder sie, wie es den Millionen Menschen, die zur Zeit dort wohnen, hinterher gehen wird. Ich vermute, es wird auch den arabischen Israelis schlechter gehen als vorher. (Ich überlege, ob es Gründe gibt, die Existenz des Staates Israel abzulehnen, die ich, wenn nicht gutheißen, so doch zumindest als nicht antisemitisch akzeptieren kann. Ein Beispiel wären orthodoxe Juden, die glauben, dass nur der Messias Israel neu gründen gedurft hätte.)

Da ich gerade dabei bin, kann ich auch noch ein paar Links zu Texten posten, aus denen man lernen kann, wie man Kritik an der israelischen  Regierung von Antisemitismus unterscheiden kann:

„Man wird ja wohl Israel noch kritisieren dürfen…!?“ Über legitime Kritik, israelbezogenen Antisemitismus und pädagogische Interventionen. (Broschüre der Antonio-Amadeu-Stiftung.)

Antisemitismus in 3-D. Die Differenzierung zwischen legitimer Kritik an Israel und dem sogenannten neuen Antisemitismus. (Erklärung der berühmten drei D’s: Delegitimierung, Dämonisierung und Doppelstandards.)

Arbeitsdefinition Antisemitismus der EUMC

Aber nach all den Anleitungen, um zu entscheiden, wie man zwischen Israelkritik und Antisemitismus unterscheidet (wobei ich, ehrlich gesagt, schon das Wort „Israelkritik“ für unmöglich halte – man stelle sich einfach mal vor, es gebe solch ein Wort für andere Länder, etwa Hollandkritik oder Schwedenkritik oder Italienkritik oder auch Deutschlandkritik, dann merkt man, wie merkwürdig dieser Ausdruck ist, was nicht heißt, dass man jede Aktion der israelischen Regierung gut finden muss, aber das gilt auch für Aktionen von Regierungen anderer Länder), hier noch eine Warnung, die ich in einem Artikel von Samuel Salzborn gefunden habe: Wenn jemand nach Anleitungen sucht, wie er oder sie Israel kritisieren kann, ohne als antisemitisch zu erscheinen, so ist er oder sie in aller Regel ein Antisemit, der diese Tatsache zu kaschieren versucht, oder er oder sie ist sich seiner Ressentiments nicht bewusst. Wer kein Antisemit ist, habe solche Leitplanken nicht nötig.

Andererseits – schließlich schreibt er ja diesen Artikel (der auch in Netz zu finden ist: Israelkritik oder Antisemitismus? Kriterien für eine Unterscheidung) – findet er dann doch eine Gruppe von Menschen, für die eine solche Unterscheidung nützlich sein könnte: Jene, die sich mit dem Thema nicht allzu gut auskennen und die lernen wollen, wie sie jenen Antisemiten, die behaupten, sie würden nur Israel kritisieren, nicht auf den Leim zu gehen.

Der wesentliche Unterschied zwischen Israelkritik und antizionistischem  Antisemitismus besteht Salzborn zufolge darin, dass Israelkritik ihrerseits offen für Kritik bleibt, dass es also möglich ist, sie durch Fakten oder Argumente zu widerlegen. Antisemitismus ist fakten- und aufklärungsresistent, weil es eben nicht um die Wirklichkeit im Nahen Osten, sondern um den eigenen Gefühlshaushalt geht.

Der Text ist nicht ganz einfach, und daher wird am Ende am Beispiel der BDS-Kampagne demonstriert, wie man Antisemitismus erkennen kann, konkret, wie man erkennen kann, dass diese Kampagne antisemitisch ist. Und so lande ich wieder am Anfang: BDS ist die von Judith Butler unterstützte Kampagne. (Der Gewaltbereitschaft von Hamas und Hisbollah steht sie wie gesagt kritisch gegenüber.)

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