Sonnenfinsternis mit einfachsten Mitteln beobachten

Ich wusste zwar von der Sonnenfinsternis, war aber überhaupt nicht darauf vorbereitet, und erst als ich an verschiedenen Stellen las, dass Beobachtungsbrillen längst ausverkauft waren, begann ich, mir darüber Gedanken zu machen, ob ich die Finsternis beobachten wollte oder nicht. Gestern abend begann ich, über Alternativen nachzudenken, fand in meiner Wohnung eine alte Geschenkpapierrolle, las von jemandem, der eine Pringles-Packung benutzen wollte, und dachte daran, dies ebenfalls zu tun – ich fing also an, nachzudenken.

Am nächsten Morgen dachte ich mehr nach. Ich fand meine neue Lesebrille, die ich noch nie benutzt habe, weil die „Raumbrille“ genügend stark ist und mich bereits irritiert, wenn ich in die Ferne sehen will. Ich stach mit einer Nagelschere ein Loch in eine Pringles-Packung, und ich nahm außer der Schere auch ein paar Nadeln mit. Butterbrotpapier hatte ich nicht, aber ich wollte gerade keines kaufen, sondern nach einer anderen Lösung suchen.

Auf der Wiese angekommen, wo ich die Finsternis beobachten wollte, fanden sich bald andere Lösungen: Ich konnte auch ein normales Blatt Papier vor die Pringles-Packung halten und ein Bild der Sonne darauf sehen. Es war allerdings ziemlich unscharf, wahrscheinlich, weil das Loch auf der anderen Seite der Packung zu groß war. Dafür funktionierte eine andere Methode: mit einer Nadel ein Loch in einen Pappdeckel stechen und diesen dann als Blende benutzen, um auf einem Blatt Papier ein Bild zu erhalten. Dieses war deutlich besser als das der Pringles-Lochkamera, auch wenn ich auf das Papier schauen musste und nicht durch das Papier hindurch die Sonne sehen konnte.

Ich versuchte es auch mit der Lesebrille. Sie ist leider (oder zum Glück) nicht besonders stark, so dass ein ziemlich großer Abstand zwischen Brille und Papier notwendig gewesen wäre, um ein gutes Bild zu erhalten, und solch ein Abstand war unmöglich, weil ich sowohl Brille als auch Papier festhalten musste. Dafür entdeckte ich zufällig etwas anderes: Neben dem durch das eine Brillenglas erzeugten Bild, in welchem ich mit viel gutem Willen erkennen konnte, dass die Sonne durch den Mond mittlerweile etwas „angeknabbert“ war, konnte ich im Schatten, den meine Hand warf, drei schmale Sicheln erkennen. Die Lücken zwischen meinen Fingern wirkten als Lochblende, und gemeinsam mit der Linse der Brille erzeugten sie das beste Bild, das ich an diesem Vormittag erhalten konnte. Die Sicheln waren das Bild der Sonne, die fast vom Mond verdeckt war.

Ich machte erst einmal Pause, und immer wieder stand ich auf und betrachtete die Sonne entweder durch meine Pringles-Lochkamera, oder durch das kleine Loch in der Pappe, oder mit Hilfe der Lesebrille, in Kombination mit den meinen Fingern, die als Lochblende wirkten. (Ich sah nicht durch die Lesebrille, sondern nutzte sie, um ein Bild auf einem Blatt Papier zu erzeugen.) Langsam wurde die Sichel breiter, und nach einer Weile sah man, dass es keine wirkliche Sichel war, sondern dass die Sonne an einer Stelle „angeknabbert“ war. Ein letztes Mal probierte ich meine Methoden aus, als die Sonnenfinsternis vorbei war: Der helle Fleck, der nun von den Lücken zwischen meinen Fingern auf das Papier geworfen wurde, war jetzt kreisrund.

Vielleicht wäre es effektiver gewesen, mit Hilfe einer Beobachtungsbrille die Sonnenfinsternis direkt zu erleben. Aber so erlebte ich, dass es tatsächlich möglich ist, mit einfachen Mitteln ein Bild der Sonne auf einem Papier zu erzeugen – ein Bild, das meistens rund ist, das heute aber sichelförmig war. Es war fast so beeindruckend wie die Sonnenfinsternis selbst.

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7 Antworten zu Sonnenfinsternis mit einfachsten Mitteln beobachten

  1. blaupause7 schreibt:

    einfache Methoden sind manchmal die besten. wir haben vor die Kamera DVD-Rohlinge gehalten und dann ohne reinzugucken fotografiert. Um davon was zu sehen, habe ich mich rückwärts zur Sonne gestellt, unser Tablet als Spiegel benutzt und das Bild durch den Rohling hindurch betrachtet.

    LG Ulrike

    • susanna14 schreibt:

      Danke! Ich habe mir in den Neunzigern einmal eine partielle Sonnenfinsternis durch eine CD angesehen, da galt das noch nicht als gefährlich.
      Tablet als Spiegel, auf den das Bild der DVD projiziert wird, ist auch eine gute Idee. Funktioniert die DVD dann wie eine Lochkamera?
      LG, Susanna

      • blaupause7 schreibt:

        Das nicht, die DVD ist ein Schutzfilter für die Kamera und das Auge, dann blendet es weniger.

        • susanna14 schreibt:

          Danke. Und warum wird dann erzählt, sie böte keinen Schutz?
          Meine Eltern haben noch Folie, aus der man Schutzbrillen basteln kann, und haben festgestellt, dass die Brillen selbst mittlerweile unverschämt teuer sind. Sie überlegen, ob auch das Einwickelpapier von Schokolade funktionieren würde. (Bei der Folie handelt es sich im Prinzip auch nur um Alufolie.)
          Hier ist noch ein Video aus Heidelberg: http://www.youtube.com/watch?v=FsFvjU6Dvfg

          • blaupause7 schreibt:

            Ich glaube, weil die Beschichtung zum direkten Durchschauen in die Sonne hinein vielleicht doch nicht ausreicht, um das Auge zu schützen. Ich habe die Rohlinge nur zum indirekten Betrachten eingesetzt. Alu- oder Schokifolie würde ich nicht verwenden. Das wäre mir doch zu riskant.

            • susanna14 schreibt:

              Nein, umgekehrt, die Einwickelfolie für Schokolade ist zu dick, so dass das Auge geschützt ist, das Problem besteht darin, dass man nichts sieht. (Der Pappkarton meiner Lochkamera schützt mich schließlich auch.) Die Frage wäre nur, ob Alufolie auch für UV-Licht undurchlässig ist. (Das ist ja das Hauptproblem. Kein vernünftiger Mensch schaut doch in die Sonne, wenn es blendet – es gibt leider genügend unvorsichtige Menschen. Aber wenn das sichtbare Licht nicht blendet, das UV-Licht jedoch nicht genügend absorbiert wird, dann hat man ein Problem.
              Bei DVDs bin ich mir immer noch nicht sicher, was genau nun schützt…

              • blaupause7 schreibt:

                Danke für die umfassende Beschreibung. Ich glaube, die dVD Rohlinge schützen nicht gegen die Strahlung, aber damit bei der Kamera die Linse nicht wegbrennt, nimmt der Rohling die Intensität des Lichts weg – es gleißt dann nicht mehr so hell.

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