Die Tat als Botschaft

Ein Artikel in der New York Times hat gestern bei mir den Impuls ausgelöst, etwas zu dem Attentat in Kopenhagen zu schreiben, oder besser gesagt, zum Umgang mancher Medien und Personen mit muslimischem Antisemitismus, womit ich den mit dem Islam begründeten Antisemitismus mancher, nicht aller Muslime meine. (Und in Diskussionen, ob deren Islamverständnis richtig oder falsch sei, werde ich mich nicht einlassen. Das müssen die Muslime unter sich ausmachen. Aber dass Anschläge auf Synagogen falsch sind, das kann ich beurteilen.)

Erst einmal der Link zum Artikel der NY-Times: http://www.nytimes.com/2015/02/15/world/europe/copenhagen-cafe-event-is-shattered-by-gunfire.html?smid=tw-nytimes&_r=1

Zur Ehrenrettung der NY Times möchte ich allerdings sagen, dass ich auch andere, bessere Artikel über die beiden Attentate gefunden habe. Und es geht auch nicht nur um das, was Samstag passiert ist.

Der Satz, der mich am meisten gewundert hat, war der folgende:

„Anti-immigrant and anti-Muslim sentiment is rising in Europe, and although there was no indication who was responsible for the shootings in Copenhagen, Twitter was ablaze with anti-Muslim indictments.“

Die Behauptung, es hätte kein Indiz gegeben, wer für die Tat verantwortlich sei, erscheint mir ziemlich dreist. Natürlich ist man sich niemals sicher, und es hätte auch ein Nachbar sein können, der sich über das Kulturzentrum ärgert, weil Veranstaltungen nicht um zehn Uhr abends enden, so dass er den Lärm aushalten muss – aber gewisse Indizien auf einen islamistischen Hintergrund hat es eben doch gegeben. (Es gab keine Indizien, dass es ein Einwanderer gewesen wäre – es hätte auch ein Konvertit sein können, und ein im Lande geborener Muslim ist eben auch kein Einwanderer.)

Das wichtigste Indiz auf einen islamistischen Hintergrund ist die Tat selbst: Es ist stark anzunehmen, dass der Täter sich Ort und Zeit nicht zufällig ausgewählt hatte, sondern dass es ihm darum ging, genau diese Veranstaltung zu stören. Es ging ihm nicht nur darum, diesen oder jenen Menschen umzubringen, sondern auch um eine Botschaft: Auf Veranstaltungen, bei denen es um Meinungsfreiheit und das Recht, den Islam auch auf satirische Weise zu kritisieren, geht, könnt ihr euch nicht sicher sein. Es wird immer Menschen geben, die sie angreifen.

Ähnliches gilt für den Anschlag auf die Synagoge. Die NY Times bringt in ihrem Text zwar das Wort „anti-muslim sentiment“, aber nicht das Wort „antisemitism“ unter. Aber auch hier ist mit der Tat eine Botschaft verbunden. Der Täter hat nicht zufällig ausgerechnet eine Synagoge angegriffen.

Und das gilt auch für das Urteil aus Wuppertal: Wenn eine Synagoge angegriffen wird, dann ist damit eine Botschaft verbunden, und wenn Juden und Jüdinnen hier in Deutschland für die Politik der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden, ist das nicht Israelkritik, oder Kritik an der israelischen Regierung, sondern Antisemitismus. (Ich folge mehreren jüdischen Blogs auf tumblr, und alle waren entsetzt über das Wuppertaler Urteil.)

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