Dokumentation zum Ersten Weltkrieg bei Arte: 14 Tagebücher

Bei Arte läuft zur Zeit eine Dokumentation zum Ersten Weltkrieg, „14 Tagebücher“. Insgesamt lohnt sie sich, und ich habe den ersten Teil zweimal gesehen. Man kann die ersten beiden Teile noch ein paar Tage lang in der Mediathek von Arte finden. Es gibt auch eine Website mit Informationen zum Projekt: http://www.14-tagebuecher.de. Außerdem gibt es eine Ausstellung in Dresden im Militärmuseum der Bundeswehr, was ich nicht ganz so gut finde.

Ich möchte außerdem ohne ausführlichen Bericht eine weitere Dokumentation bei Arte empfehlen: Die Arier von Mo Asumang. Sie sucht das Gespräch mit deutschen Neonazis und amerikanischen Rassisten, um herauszufinden, wie verdreht und hasserfüllt deren Weltsicht ist, und außerdem spürt sie die echten Arier im Iran auf.
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Zurück zu den Dokumentationen über den Ersten Weltkrieg. Erzählt werden die Geschichten von vierzehn Menschen (noch habe ich nicht alle kennengelernt) aufgrund deren eigener Tagebücher und Erinnerungen. Geschichte von unten: ganz normale Männer, Frauen und Kinder. Es gibt aber auch eine Erzählerstimme, die die historischen Ereignisse erzählt und kommentiert, etwa erklärt, dass im Deutschen Reich der konservative Adel und das Militär die Macht innehalten. (Ich wusste bis dahin noch nicht, dass die Generäle Stoffstücke auf den Spitzen ihrer Stahlhelme trugen, die aussahen, als seien sie von einem Brautschleier abgeschnitten.) Russland sei nach mittelalterlichen Grundsätzen regiert worden, Österreich sei ein Völkergemisch gewesen, das nur noch schwer regierbar war. Über die französische Regierungsform wird nichts gesagt: Es wird davon ausgegangen, dass „man“ weiß, dass Frankreich schon damals eine Republik war.

Die Kriegsschuld wird in erster Linie bei Österreich gesehen, es wird behauptet, Österreich hätte den Krieg begonnen. Kaiser Wilhelm sei ihm in den Krieg gefolgt. (Kein Wort davon, dass Kaiser Wilhelm und seine Berater auch hätten nein sagen und Österreich vom Krieg hätten abhalten können.) Es wird auch gesagt, dass Russland hoffte, das Reich durch einen Krieg zu neu zu einen, womit unterstellt wird, es hätte den Krieg ebenfalls gewollt. Frankreich hätte Deutschland als ein Land gesehen, mit dem man nicht verhandeln kann: eine Art Monster.

Obgleich gesagt wird, dass Österreich den Krieg begonnen hätte, wird sonst vom Krieg geredet, als hätte die Situation in allen Ländern ähnlich ausgesehen: Alle Länder hätten sich als die Angegriffenen gesehen, die Generäle auf allen Seiten hätten sich seit Jahren auf den Krieg vorbereitet, und alle stürzen sich voller Eifer in den Krieg im festen Glauben an einen schnellen Sieg. Alle haben Waffen angehäuft. Die Ähnlichkeiten zwischen den verschiedenen Ländern werden auch dadurch betont, dass in verschiedenen Szenen mitten im Satz von einem Land zum anderen und von einer Sprache zur anderen gewechselt wird, etwa wenn die kriegsbegeisterten jungen Soldaten ihre Nationalhymnen singen, wenn sie sich verabschieden oder, am eindruckvollsten, wenn die typischen Briefe zitiert werden, mit denen den Familien der Tod eines Soldaten mitgeteilt wird.

Der Film stellt also alle zufrieden: Diejenigen, die darauf Wert legen, dass die Schuld Deutschlands und seiner Verbündeten (also vor allem Österreichs) klar benannt wird, und diejenigen, denen es ganz recht ist, wenn so getan wird, als seien alle irgendwie Schuld.

(Bei Gelegenheit werde ich mir auch die französische Version der Filme ansehen.)

Außerdem finden sich Sätze, die den Krieg als Naturkatastrophe darstellen: Er fegt über ganz Europa hinweg, als sei er ein Wirbelsturm. Auch im Vorspann wird von „unsicherem Boden“ gesprochen, als hätte ein Erdbeben Europa zerstört. (Ich frage mich zur Zeit, ob dieses genaue Achten auf die Wortwahl wirklich angemessen ist. Menschen verwenden Floskeln, die sie gehört haben, ohne nachzudenken, aber das heißt nicht, dass sie wirklich glauben, dass der Krieg eine Naturkatastrophe war, sondern nur, dass sie nie über diese Ausdrücke nachgedacht haben. Ich habe mich daran gewöhnt, auf Sprache zu achten, auch bei mir selbst, aber das heißt nicht, dass ich keine Fehler mache. Ich frage mich, ob die Verwendung solcher Floskeln tatsächlich auf tiefere Probleme beim Sprecher verweist, oder nur zeigt, dass diese Floskeln herumschwirren.)

Die Kriegsgräuel in Belgien werden realistisch dargestellt: Etwa 6000 Zivilisten wurden als angebliche Freischärler (Partisanen) hingerichtet. Die englische Kriegspropaganda hätte diese Verbrechen allerdings aufgebauscht, um Freiwillige für den Krieg zu gewinnen. Außerdem wird auf die viel schlimmeren Kriegsgräuel in Serbien hingewiesen (was einmal mehr deutlich macht, dass Österreich der eigentliche Bösewicht des Films ist.) Ich merke dabei, dass ich viel mehr über den Krieg im Westen als den Krieg im Osten weiß, und ich vermute, dass ich da nicht die einzige bin.


Die Geschichten der kleinen Leute

Im Zentrum der Dokumentation stehen allerdings weder Analysen der gesellschaftlichen Situation noch die Frage der Kriegsschuld, sondern die Schicksale der vierzehn Menschen, denen der Film folgt. Einige von ihnen sind allerdings berühmt oder werden nach dem Krieg berühmt.

Die Geschichten der sogenannten kleinen Leute sind erst einmal wichtig, weil es diese Menschen gibt und weil sie es verdienen, ernst genommen zu werden, genauso sehr oder wenig wie die hohen Persönlichkeiten, die den Krieg verursacht haben. Wir können den Krieg nicht verstehen, wenn wir nicht verstehen, welches Leid er verursacht hat. Dazu kommt, dass in einer Fernsehdokumentation, die sich an ein allgemeines, nicht an ein Fachpublikum wendet, gerne nach Figuren gesucht wird, mit denen sich die Zuschauer identifizieren können. Mit Kaiser Wilhelm habe ich nichts zu tun, Käthe Kollwitz geht mir nahe. Es besteht die Hoffnung, dass sich Zuschauer, die sich mit einer der Figuren identifizieren, stärker für den Film interessieren können.

Andererseits birgt der Fokus auf die kleinen Leute auch Gefahren. Wenn in erster Linie Geschichten von sogenannten kleinen Leuten erzählt wird, kann schnell aus den Augen verloren werden, welcher Fragestellung eigentlich nachgegangen werden soll. Ich habe also auf der Website des Projekts das Konzept nachgeschlagen:

Im Vordergrund von Fernsehproduktion und Webspecial stehen vor allem die Gefühle und Überzeugungen, welche diese Menschen damals leiteten. Welche Ängste bestimmten ihr Handeln? Fühlten sie sich bedroht oder wollten sie sich bewähren? Warum waren so viele bereit, mit Begeisterung in den Krieg zu ziehen? Wie veränderten sie sich durch die Erfahrungen des Infernos, durch Leid und Hunger? Vor dem Hintergrund der politischen und militärischen Entwicklungen entsteht so eine Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs.

Die Serie wird sich also daran messen lassen müssen, ob es ihr gelingt, diese selbstgesteckten Ziele zu erfüllen. Ich bin noch nicht zu einer abschließenden Antwort gekommen. Eine Schwierigkeit sehe ich darin, dass parallel dazu eben auch die „große“ Geschichte des Ersten Weltkriegs erzählt wird (auf die aber eben auch nicht verzichtet werden kann.) Die Frage, warum so viele mit Begeisterung in den Krieg gezogen sind, ist nicht beantwortet worden: Es wird nur erzählt, dass viele junge Männer aus dem Bürgertum dies tun, weil ihnen ihr Leben schal vorkommt. Aber erklärt dies, dass man in den Krieg zieht? Es gibt doch viele andere Möglichkeiten, der Schalheit des Lebens zu entkommen, etwa indem man sich sozial engagiert oder sich gegen den Krieg wendet.

Was auch hätte erklärt werden müssen: Die Auswahl der Personen, deren Geschichten erzählt werden. Es wird nur gesagt, es hätte sich um bewegende Schicksale gehandelt, und außerdem sollte eine breite Vielfalt von Menschen vorgestellt werden: Menschen aus acht Ländern (ich komme nur dann auf acht, wenn ich Schottland als eigenes Land zähle, oder Italien und die USA, obgleich beide Ländern nur von einem Menschen repräsentiert werden), und nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Kinder. Was macht zum Beispiel Ernst Jünger in dieser Dokumentation? Aber auch seine Stimme gehört dazu, wenn gefragt wird, wie die Menschen auf den Krieg reagierten und ihn verarbeiteten.

Es müssten nicht bewegende, sondern typische Schicksale ausgewählt werden, wenn es darum geht, eine Mentalitätsgeschichte des Kriegs zu schreiben. Inwiefern sind diese Schicksale typisch? Aber vielleicht ist das nicht die richtige Frage, wenn es nicht um eine wissenschaftliche Arbeit, sondern um eine Fernsehdokumentation geht.

Ein Punkt fällt allerdings auf: Die Menschen, von denen erzählt wird, sind größtenteils nicht einfach Opfer des Krieges. Sie treffen aktiv Entscheidungen und sind vom Krieg überzeugt, manche mehr, manche weniger.


Teil Eins: Ein Mann, eine Frau und drei Kinder

Merkwürdigerweise kann besonders der einzige erwachsene Mann, der im ersten Teil vorgestellt wird, als Opfer gesehen werden. Karl Kasser ist ein Bauernsohn, der mehrere Jahre Glück hatte, wie er findet, und wegen einer verkrüṕpelten Hand nicht eingezogen wurde (lieber eine verkrüppelte Hand als Wehrdienst leisten), aber als der Krieg beginnt, braucht Österreich auch Männer wie ihn, die eigentlich nicht kämpfen können. Auch nach dem Krieg wird er nicht berühmt. Sein Blick auf die österreichische Militärmaschinerie ist von Skepsis geprägt: Er sieht vor allem ihre Ineffektivität. Von Kriegsbegeisterung ist bei ihm keine Spur zu finden.

Die erwachsene Frau, die wir im ersten Krieg Teil kennenlernen, ist Käthe Kollwitz. Ich habe als Kind eine Biographie von ihr gelesen und gelernt, dass ihr Sohn sich als Freiwilliger gemeldet hatte und schon wenige Wochen danach gefallen war. Vor ein paar Jahren lernte ich ein paar Details, die nicht in der für Kinder gedachten Biographie standen: Ihr Sohn war noch nicht volljährig und brauchte die Unterschriften beider Eltern, um sich freiwillig zu melden. Seine Mutter konnte er verhältnismäßig leicht überreden, den Vater nicht. Käthe Kollwitz überredete ihren Mann, dass er ihrem Sohn die Erlaubnis gab, sich freiwillig zu melden.

Interessant ist auch der Sohn selbst: Nur durch ihn lernen wir die Gründe kennen, die die jungen Männer in den Krieg trieben: Die anderen gehen auch, er kann nicht zurückbleiben. Der Krieg würde die Welt verbessern. Käthe Kollwitz lässt sich davon anstecken: Sie spricht von „freiem Opfer“, davon dass die Jungen so unbedingt wie eine Flamme seien.

Außerdem lernen wir drei Kinder kennen: einen französischen Jungen, Yves Congar, ein deutsches Mädchen, Elfriede Nuhr, und eine russische Jugendliche, Marina Yurlova. Die beiden ersten bleiben zu Hause und erfahren aus den Zeitungen, was passiert (oder auch nicht.) Beide sind patriotisch und überzeugt, dass die eigene Seite gewinnen wird und dass die andere Seite (die Deutschen beziehungsweise die Russen) unvorstellbar grausam ist. Ich erinnere mich daran, bei George Mosse („The Cult of the Fallen Soldier“) gelesen zu haben, dass Kinder die Bevölkerungsgruppe waren, die am empfänglichsten für die Kriegspropaganda war. In Deutschland waren es diese Kinder, die später als Erwachsene das Dritte Reich anführten. (Natürlich nicht alle: es ist immer möglich, nachzudenken und als Erwachsene die Positionen zu verwerfen, die man als Kind gedankenlos übernommen hat.) Kinder sind also nicht einfach unschuldig – nicht mit zehn oder zwölf. Sie nehmen wahr, was um sie herum passiert, und versuchen es, auf ihre Weise zu deuten. Sie sind noch nicht imstande, Deutungen, die ihnen von außen angeboten werden, kritisch zu beurteilen. Die Erwachsenen im Film sind skeptischer und vernünftiger. (Natürlich sind Kinder eben doch unschuldig, weil sie eben noch nicht beurteilen können, was sie da lesen und hören und sprechen. Deswegen müssen Erwachsene auf sie aufpassen und müssen mit ihnen reden und ihnen beibringen, zu unterscheiden, was richtig und falsch ist, so dass sie als Erwachsene nicht mehr alles glauben. Und manchmal müssen sie auch etwas verbieten und eine Unterschrift verweigern, so wie es Käthe und Karl Kollwitz hätten tun sollen.)

Die merkwürdigste Geschichte ist die von Marina Yurlova. Als einzige der vierzehn ProtagonistInnen stammt sie aus einem osteuropäischen Land, nämlich Russland. Sie möchte ihrem Vater, einem Oberst der Kubankosaken, in den Krieg folgen, und es gelingt ihr, in die Nähe der Front zu gelangen, aber nicht, ihren Vater zu finden. Ihre Geschichte ist nicht typisch, sondern interessant, weil sie extrem ungewöhnlich ist.

Teil Zwei: Vier Soldaten und eine Soldatin

Der zweite Teil erzählt von der Zeit, als Angriff und Gegenangriff im Westen zum Stillstand gekommen waren und die Heere sich in ihren Schützengräben eingegraben haben und einander gegenüber stehen. Vor allem die britische, aber auch die anderen Armeen rekrutieren so viele Männer wie möglich. Die ersten Monate des Krieges waren extrem verlustreich – viel verlustreicher als die späteren Kämpfe, als die Soldaten sich in ihren Schützengräben verschanzt hatten. Das Leben in den Schützengräben wird gezeigt: Schlamm, Ratten, Kälte, Hunger, Langeweile und immer wieder Granatenangriffe. Nicht nur Angriffe, sondern auch Krankheiten fordern ihre Opfer. Das eigentliche Grauen sind aber die Sturmangriffe: Aus dem Graben klettern und ins feindliche Maschinengewehrfeuer und in den Granatenhagel hineinlaufen. Ohne Alkohol ist es kaum auszuhalten.

Die Auswahl der vierzehn Kriegstagebücher ist im großen und ganzen ziemlich eurozentrisch (eine Australierin und ein Amerikaner, der in Italien geboren wurde, sind die Ausnahmen), aber in einzelnen Aussagen kommen auch einige Soldaten aus Französisch-Guinea, ein Maori und muslimischer Inder zu Wort. Von den Kämpfen in Fernost und Afrika wird nicht berichtet.

Nicht nur die Schrecken des Krieges werden geschildert, sondern auch die Mordlust, die manche der Soldaten auf allen Seiten erlebten, wenn sie töteten.

Die meisten Themen: Schützengräben, Verpflegung (oder Mangel an Verpflegung), Gebete in Todesangst und schließlich der Sturmangriff, werden behandelt, indem von allen Protagonisten auf allen Seiten erzählt wird und indem Ausschnitte aus Tagebüchern und Briefen von Soldaten aller Seiten vorgelesen werden, um deutlich zu machen, wie ähnlich der Krieg für Soldaten auf allen Seiten aussah.

Von den Protagonisten der ersten Teils begleiten wir in diesem Teil nur Karl Kasser und Marina Yurlova. Dafür lernen wir drei neue Personen kennen: Charles Montague, Louis Barthas und eben Ernst Jünger.

Karl Kasser bleibt nachdenklich und skeptisch, und Mitgefühl für die Kameraden ist die vorherrschende Haltung in seinen Texten. Louis Barthas‘ Blick ist ebenfalls vom Schrecken des Krieges geprägt. Er war Pazifist, bevor der Krieg begann, aber nun will er die deutschen Truppen aus Nordfrankreich vertreiben.

Charles Montague war ebenfalls Pazifist, bevor der Krieg begann, aber dann will er kämpfen, weil ihm ein Leben hinter dem Schreibtisch auf einmal zu langweilig erscheint, und das, obgleich er als bekannter Journalist gewiss kein langweiliges Leben führt. Er ist bereits 48 Jahre alt und damit jenseits der Altersgrenze, die für die britischen Freiwilligen gilt, aber das hält ihn nicht ab, sich zu melden. Seine Einstellung entspricht tatsächlich der der viel jüngeren Männer, etwa Peter Kollwitz, den wir im ersten Teil trafen, oder jetzt, im zweiten Teil, Ernst Jünger.

Von Ernst Jünger wird erzählt, dass er der Enge des bürgerlichen Lebens entfliehen wollte. Seine Texte entsprechen dem, was ich mir vorgestellt habe: Nicht Schrecken oder Mitgefühl für Kameraden, sondern eine seltsame Faszination bestimmt seine Texte.

Marina Yurlova ist von einem Kosaken aufgenommen worden. Er verspricht ihr, ihr bei der Suche nach ihrem Vater zu helfen, und gibt ihr eine Aufgabe: Sie soll sich um die Pferde kümmern. Sie lebt jetzt also bei den Soldaten und zieht mit ihnen an die Front. Sie sieht immer noch (oder wieder) den Krieg als ein großes Abenteuer an. Als sie einen Säbel bekommt, ist sie glücklich und fühlt sich erwachsen. Als Freiwillige für einen Auftrag gesucht werden, von dem mit hoher Wahrscheinlichkeit niemand zurückkehren wird, meldet sie sich. Sie trägt mittlerweile eine Kosakenuniform und steht zwischen den Männern. Sie wundert sich, dass keiner der Männer sich freiwillig meldet, und versteht nicht, dass Todesverachtung und Opferbereitschaft in der Realität viel seltener sind als in Geschichten. Aber nachdem sie sich gemeldet hat, meldet sich auch der Kosak, der sie aufgenommen hat, weil er sie schützen möchte. Er bietet sich im Austausch für sie an. Der Befehlshaber ordnet an, dass beide an diesem Kommando teilnehmen sollen.

Beim ersten Sehen freute ich mich auf Szenen mit Marina Yurlova, weil sie weniger deprimierend waren als die Szenen mit den anderen Protagonisten. Dass sie den Krieg als Abenteuer ansieht, gibt diesen Szenen eine Leichtigkeit, die den anderen Geschichten fehlt. Als ich später über ihre Geschichte nachdachte, stieß mir auf, dass sie tatsächlich die Menschen in Gefahr bringt, die sie als ihre neue Familie bezeichnet. Ich fragte mich auch, ob ihre Geschichte auf Tagebüchern oder auf Erinnerungen beruht, die nie korrekt wiedergeben, was geschah und was sie zu jener Zeit dachte und fühlte. Ich weiß noch nicht, woran ich es festmachen kann. Ihre Texte klingen wie im Rückblick geschrieben. Dafür fehlt es mir aber an Reflexion über das, was sie angerichtet hat.

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7 Antworten zu Dokumentation zum Ersten Weltkrieg bei Arte: 14 Tagebücher

  1. Johannes Wagner schreibt:

    Sehr geehrte Frau Susanna,
    ich habe diese Dokumentation auch gesehen, doch offenbar mehr mit dem Herzen, als nur mit dem Verstand. Ich vermute, dass Sie weder Zeitzeugen des 1. Weltkrieges persönlich kannten, noch des 2. Weltkrieges. Sie versuchen mit Sachverstand, emotionslos, die Fragen die sich bei solchen zusammengestellten Dokumentationen einem aufdrängen, die ganze Wahrheit zu ergründen. Denn hätten Sie Zeitgeschichte besser studieren müssen, oder noch besser damals leben müssen. Und sie hätte die Zusammenhänge trotzdem nicht besser verstehen und ergründen können. So sehr es wichtig ist, sich mit der Geschichte, die andere mit ihren Augen gesehen, mit ihren Ohren gehört, mit der eigenen Familie, mit Freunden, Bekannten und Nachbarn erlebt, erfahren und durchlitten haben, sich damit auseinander zu setzten, Sie werden niemals den Schrecken dieser Zeit, die ganze Dimension des Grauens begreifen. Jeder Krieg hat eine Zwischenkriegszeit, eine mehr oder weniger lange Vorgeschichte, die auszusparen, bedeutet letztlich nichts zu verstehen. Sich ein Urteil zu bilden wer hat an was wie viel an Schuld, dass es letztlich zu all dem gekommen ist. Das gilt für alle Kriege. Es gibt keinen gerechten Krieg, weder für den einen noch für den anderen. Alle Beteiligten zusammen leiden unter der Habsucht, nach dem Besitz des anderen, nach der Macht über den anderen zu herrschen. Herrschen oder unterdrückt werden, am Wohlstand teilhaben, oder zu den Besitzlosen zählen, reich oder arm zu sein. Es ist immer die gleiche Geschichte, nur die Methoden haben sich geändert, sind perfektioniert worden, so dass heute die Welt komplett mehrfach vernichtet werden kann.

    Ich rate unseren heutigen Zeitgenossen sich mehr mit der jetzigen Zwischenkriegszeit auseinander zu setzen. Denn genau genommen sind weder die Folgen und Narben des 1. Weltkrieges, noch die des zweiten Weltkrieges verheilt oder gar vernarbt. Viel dringender ist es, sich als Zeitzeuge und das sind Sie ja jetzt auch, Gedanken darüber zu machen. Gedanken darüber, ob wir noch eine Chance den 3. Weltkrieg zu verhindern. Heute herrschen keine Friedenszeiten in der Welt, seit dem 1. und 2. Weltkrieg sind inzwischen bereits mehr Menschen durch Kriege und Terror um ihr Leben gebracht worden, als in den beiden Weltkriegen zusammen. Sehen Sie in den Nahen Osten, schauen Sie auf Nordafrika, schauen Sie auf Asien. Überall Kriege, Bürgerkriege und Terror in mehr als 50 Ländern, Gewalt gegen unschuldige Menschen in mehr als 100 Ländern. Trotz UNO, trotz Menschenenrechtscharta, trotz EU. Noch nie hat der Westen so gut an der Produktion und am Waffenexport, an der Ausbeutung anderer Länder verdient wie heute. Aus Europa und den USA strömen immer mehr Menschen als sogenannte Dschihadisten, als moderne Freischärler, in die Krisengebiete und beteiligen sich in fremden Ländern am Mord von Menschen , die sie weder kennen, noch das sie ihnen selbst etwas vorher getan hätten. Der Westen und der Osten schaut ratlos von all dem weg, widmet sich lieber den Geschäften, an der Ausbeutung der Rohstoffe in diesen ins Chaos geratenen Ländern. (China in Afrika, Amerikaner und Europäer an Öl-und Erdgasvorkommen und am Waffengeschäft). Während ringsum immer mehr Menschen verfolgt und getötet werden und das oft im Namen Allahs! G-tt kann aber am wenigsten für diese Zustände, denn der Mensch hat den freien Willen, sich seine Welt so einzurichten, sie aber auch zu vernichten! Das ist Fakt und vieles mehr noch.

    Wissen Sie darüber auch so gut Bescheid? Als Zeitzeugin haben Sie jetzt selbst die Chance sich ein Bild über die mannigfaltigen Ursachen für die Probleme und Konflikte in der Welt zu fragen. Nach den Verursachern und Schuldigen zu suchen und sich zu überlegen, wie können wir verhindern, dass das für unmöglich Gehaltene nicht dann doch passiert, ein neuer, dann sicher letzter Weltkrieg. Denn eines garantiere ich jetzt schon, nach uns wird sich keine Generation mit diversen Dokumentationen und Zeitzeugenberichten herumschlagen und nach den Tätern und Opfern fragen, weil es nach diesem Krieg nichts mehr geben wird.

    Die Welt brennt jeden Tag ein bisschen mehr und immer schneller. Viel Zeit zum Löschen bleibt uns nicht mehr. Da nützen uns auch keine „Songcontest“ und Sportspiele so nach dem Muster Formel 1 und Fußballweltmeisterschaften, oder olympische Spiele wie zuletzt. Die Welt ist globalisiert, wenn es flächendeckend zu brennen beginnt, und das geschieht gerade, dann sind wir morgen alle davon betroffen. Nur es wird dann niemanden mehr geben zu intervenieren und den Frieden wieder herzustellen, weil es niemanden mehr geben wird der dann noch in der Lage dazu ist. Die Erde wird sich weiter drehen, ihr Angesicht für lange Zeit entstellt bleiben, irgendwann wird dann wunderbarer Weise wieder neues, anderes Leben entstehen, doch die Menschen werden es nicht mehr erleben.

    Vielleicht muss alles wirklich so geschehen, manchmal wenn ich mir die Menschheit im allgemeinen in der letzten Zeit so betrachte, fern ab von allem und losgelöst, was gut oder böse ist,
    ohne Glauben an einem Schöpfer G-tt, ohne Gespür für Eigen- und Mitverantwortung, total materialisiert und verkopft, trotzdem ohne Verstehen für den Wert des Lebens und für das künftige Leben, für das Leben was nach uns sein wird, wenn ich das alles so sehe, dann denke ich mir, es ist gut so, es muss so sein, vielleicht muss es wirklich so sein. Beurteilen werden wir es erst danach können, doch dann wird es wohl für die meisten zu spät sein.

    Über dieses Zeitgeschehen, liebe Frau Susanna, meine ich lohnt es sich jetzt mit möglichst vielen Gleichgesinnten nachzudenken und Wege zu suchen, die Geschichte ein klein wenig in eine andere Richtung zu drehen, die für uns ALLE eine bessere Zukunft verspricht.

    Lassen wir die „Rückblicke“, wir werden den vollen Umfang der Tragödien nie verstehen, kein Toter wird davon wieder lebendig. Aber mit den Opfern vieler, die uns vorausgegangen sind, stehen wir auch in ihrer Pflicht das Heute zu sehen, zu verstehen und sogar zu ändern, damit wird das Morgen noch erleben. Das wünsche ich mir für uns alle, obwohl ich als Christ an eine andere, bessere Welt und Zukunft glaube, vielleicht auch deswegen! Herzliche Grüße, Johannes

  2. Johannes Wagner schreibt:

    Hallo, ich habe in einen langen Beitrag vor zwei Tagen meinen Kommentar verfasst und gesendet. Kann keine Bestätigung dafür erlesen ?!
    Zusammenfassend wollte ich sagen,
    es nützt uns unserer Zeit herzlichst wenig, ständig die Schuldfrage, neue Schuldzuweisungen oder solche zu hinterfragen, was oder wer, warum, oder warum nicht, mit wem oder gegen wen, aus welchen Interessen auch immer getan. Fakt ist, in der Zeit des 1. Weltkrieges sind mindestens 20 Millionen Menschen umgebracht worden. Im 2. Weltkrieg mindestens 50 Millionen Menschen, wenn man die Säuberungsaktionen Stalins im eigenen Land noch hinzurechnet könnten es sogar zusätzlich über 20 Millionen Tote mehr gegeben haben. Ebenso Fakt ist es, dass seit dem Ende des 2. Weltkrieges am 09. Mai 2045 bis zum heutigen Tag es neuerlich durch zahllose Kriege und Terror mehr Tote bereits gegeben hat auf der Welt als in den beiden Weltkriegern zuvor zusammen gerechnet hat.
    Wer sich ernsthaft mit dem Thema Kriege, Verursacher und Vermeidungsstrategien auseinandersetzen will, braucht sich nicht den Themen aus den Geschichtsbüchern oder diverser Dokumentationen dazu weiter beschäftigen, denn er/sie kann es als Zeitzeuge der heutigen viel besser tun und sich auch dafür einsetzen, wie wir Menschen im 21. Jahrhundert solche Geschehnisse in endgültig vermeiden können, damit wir tatsächlich dem Frieden uns selbst und vielleicht noch künftigen Generationen geben können.
    Auf der Welt, ganz aktuell neuerlich in Afrika, im Nahen Osten, aber auch in Asien, sterben Hunderttausende Menschen in Folge von Krieg, Terror und Folter, Millionen sind auf der Flucht und wissen nicht wo und wie sie weiterleben können. Das sind unsere wahren Probleme die unter den Nägeln brennen in einer weitgehenden „wohlstandsverblödeten“ Gesellschaft, die in weiten Teilen nur noch aus Habgier und persönlichen Vorteilen auf Kosten der Mehrheit lebt von der Not der anderen. Das ist Fakt, da brauche ich nicht eine „Zeitmaschine“, brauche ich keine Zeitzeugen bemühen und mich mit endlosen sich ineinander widersprechenden Historien Dokumentationen mir den Kopf mit anderen darüber zerbrechen. Wir haben ganz aktuellen anderen Handlungsbedarf, wenn Millionen von Menschen um ihre Existenz an Leib und Leben bangen müssen. Ich spreche nicht dem Studium der Geschichte sein Recht ab, aber mit dem gleichen Einsatz wünsche ich mir mehr Engagement von der Intellektuellen Seite unserer Gesellschaft sich um Lösungen dieser Fragen der heutigen Zeit in der Welt zu widmen, auf dass nicht künftige Generationen sich ähnlich mit der Frage unserer Geschichte einst auseinandersetzen, um zu erklären warum so wenig dagegen gemacht wurde. Wir befinden uns in einer fatalen Entwicklung, die eine neuerliche Weltkriegsgefahr ungeahnten Ausmaßes, nicht mehr ausschließen lässt. Kommt es in naher Zukunft tatsächlich dazu, werden wir einer künftigen Generation gar nicht mehr die Möglichkeit sich den Fragen der Ursachen unserer Geschichte widmen können.
    MfG Johannes

    • susanna14 schreibt:

      Ich habe Ihren ersten Kommentar nicht freigeschaltet, weil ich ihn etwas befremdlich fand. Ich wollte erst darüber nachdenken, was ich darauf antworten soll. Dieser hier ist etwas kürzer, also werde ich auf diesen hier antworten. Den ersten werde ich wahrscheinlich auch freischalten, aber erst morgen früh.

      Ich versuche mal, Ihre wesentlichen Aussagen zusammenzufassen: Anstatt sich mit der Vergangenheit zu befassen, sollten sich Intellektuelle lieber um die Gegenwart kümmern, in der Sie die Gefahr eines neuerlichen Weltkriegs sehen (sehe ich anders), und sich nicht um die Geschichte kümmern. Wenn Sie meine Texte genauer gelesen hätten, hätten Sie jedoch feststellen können, dass ich mich tatsächlich um die Gegenwart sorge: Wie wird der Erste Weltkrieg dargestellt? Dass wieder ernsthaft über die Schuld am Ersten Weltkrieg diskutiert wird, obgleich ziemlich eindeutig ist, dass Deutschland in Belgien und Frankreich einmarschiert ist und nicht umgekehrt, stellt meiner Ansicht nach eine Gefahr dar, schon allein deswegen, weil solche Diskussionen die Kommunikation mit unseren Nachbar erschweren und weil sie bedeuten, dass ein Realitätsverlust stattfindet. Wenn vergessen wird, dass „nicht in andere Länder einmarschieren“ ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt des Weltfriedens ist, müssen wir uns mit komplexeren Fragen gar nicht erst beschäftigen.

  3. Johannes Wagner schreibt:

    Nochmals Johannes,
    in der Durchlese meines neuen Kommentares finden sich leider wieder an einigen Stellen, durch Einfügungen, Satzfehler. Bitte um Nachsicht und dies zu entschuldigen, ärgert mich selbst. Dem Inhalt meines neuerlichen Kommentars und darin enthaltenen Apells, tut dies wohl keinen Abbruch, Danke!
    n.MfG Johannes

  4. Johannes Wagner schreibt:

    In Ordnung Frau Susanne, es ist Ihr gutes Recht. Ich wollte Sie auch nicht persönlich angreifen. Es geht mir dem Sinn und den Inhalten eine neue Richtung zu weisen. Gebe aber zu, dass sich Beiträge in vielen Foren auf vielen Websites häufen, die dazu geeignet scheinen, die Nerven und die Geduld eines durchschnittlichen noch denkenden Mitbürgers langsam über strapaziert werden.

    Sie setzen sich sehr akribisch und wissenschaftlich mit Vorgängen der beiden Weltkriege auseinander, da kann ich nicht mithalten. Trotzdem weiß ich auch durch viele ehemaligen Zeitzeugen (die meisten inzwischen verstorben) doch auch ein bisschen davon Bescheid .
    Nur wenn Sie der Geschichte echt auf den Grund gehen wollen, dann bleibt es Ihnen nicht erspart, Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg auch die Vorgeschichte dazu zu studieren, am besten weg von den napolionischen Kriegen.

    Um 1900 herum waren viele Völker es einfach satt dauernd der Steigbügel für andere sein zu müssen und es gährte überall im alten Europa (Achtung: eine ähnliche Entwicklung erleben wir heute in der EU, siehe letzte Wahl). Dienstleistungen und Ressourcen wurden auch damals zweckentfremdet, für andere einfach „enteignet“. So wurden Städte auf Kosten anderer Länder durch zügellose Ausbeutung errichtet (Achtung: macht Europa und die USA seit Jahrzehnten in Afrika, Südamerika und Asien). Das war in der Monarchie so üblich. Aber nicht nur dort. Andere wiederum wollten gerne Großmacht spielen, nicht mur die Monarchie die schon eine war, auch Russland, Deutschland, Frankreich, Serbien, Türkei, und so weiter. Das war eine explosive Mischung zu der noch etliche Kriege im Vorfeld des 1. Weltkrieges geführt wurden. Misstrauen, Hass und Wut stauten sich in den Vielvölkerstaat der Monarchie auf, gegen alles und jedes, und jeder hatte berechtigte Argumente dafür. Ressentiment gegen die anderen Mächte und diese gegeneinander taten ein übriges, dass sich die Lage im damaligen Europa destabilisierte.

    Es brauchte dann nur noch ein Funke zum Überspringen damit es zur Katastrophe kommt. Und sie kam durch das zwar geplante und erhoffte, aber dann doch zufällige erfolgreiche Attentat auf den Kronprinzen Ferdinand in Sarajevo am 28. Juni 1914. Eine allgemeine hysterische Kriegshysterie die sich schon über Jahre (auch durch massive Aufrüstung) vorher abzeichnete, begann sich zu entladen. Erst war es nur die Strafaktion Österreich-Ungarn gegen Serbien, die aber dann, nur Gelegenheit für viele Länder und Schutzmächte war, sich endlich jeweils auf die eine oder andere Seite zu schlagen und einander den Krieg zu erklären. So wurde aus einem scheinbar lokalen Konflikt (Achtung: vergleiche die Entwicklung in Nah-Ost und in Nordafrika), sehr schnell wie wir wissen daraus der 1. Weltkrieg, nach einer sehr langen Entstehungsgeschichte.

    Das Chaos was dem Krieg erst recht entstand, fachte die Nationalismen erst richtig an. Es dauerte nicht lange, dann kam es 1929 auch noch zu einem globalen Wirtschafszusammenbruch, mit allen Folgen für Länder und Völker, des noch von den Auswirkungen des 1. Weltkrieges gezeichneten Europas. Von einer echten neuen Friedensstimmung war nichts zu erkennen, aber sehr wohl ein neuerlicher aufgestauter Hass der Unterlegenen, gegen die Siegermächte. Man wurschtele in der Weltpolitik herum (Achtung: so wie heute), herauskam nichts außer Folge 2, der 2. Weltkrieg!

    Und eben weil in so vielen andern Foren so viel Unsinn schon seit Jahren verbreitet wird, ist mir die Geduld verloren gegangen und versuche der Entwicklung im Denen eine andere Richtung zu geben. Vergebens, es ist ein sprichwörtlicher Kampf gegen Windmühlen.

    Trotzdem der Gelassenheit und der Ruhe, die Lage in der die Welt sich wieder hineinmanövriert hat, kann ich beim besten Willen nichts gutes abgewinnen. Wir verlieren nur an Zeit. Denn wir erleben eine sehr kritische Zeit auf Messers Schneide. Ich möchte Sie nur daran erinnern was wir als Zeitzeugen heute alles mit großer beobachten müssen in der Welt, das reicht locker für die Möglichkeit einer neuen globalen Kriegsgefahr. Da nützen weder UNO oder ähnliche große Einrichtungen dagegen etwas aus wie man sieht. Verträge haben weder vor, noch in der Zwischenkriegszeit eine Bedeutung, sie können jederzeit gebrochen werden und dagegen helfen auch keine internationalen Gerichtshöfe auch keine Sanktionen einfach naiv und lächerlich. Die UNO ist in sich selbst schon seit langem gespalten.

    Ich zähle nur die Fakten auf an ungelösten Problemen, die wir derzeit in der Welt feststellen können:

    Wir erleben schon seit Jahren eine massive Zunahme an Diskriminierung, Verfolgung, Unterdrückung, Terror, Folter und Mord an Hunderttausenden von unschuldigen Menschen weltweit in über 100 (!!!) Staaten in dieser Welt. Die Welt weiß es, ist betroffen, fassungslos, und wendet sich wieder den Tagesgeschäften und dem Freizeitvergnügungen zu (siehe neuerdings nach den olympischen Spielen in Sotschi, sind es jetzt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien vor fast zwei Milliarden TV-Zuschauern).
    Und wir lesen, sehen und hören davon, es werden von Tag zu Tag immer mehr Kriege, Terror, Verfolgung und die Politik steht ratlos und hilflos mehr den je daneben und das im 21. Jahrhundert, toll nicht? Millionen Menschen laufen um ihr Leben und sind auf der Flucht, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, nur wohin???!

    Die Ursachen der wirtschaftlichen Krisen aus 2008 sind absolut nicht in Griff und eine neue viel größere bahnt sich an. Die Verschuldungsspirale der meisten Länder dreht sich munter weiter. Die Druckerpressen der wichtigsten Nationalbanken laufen seit Jahren heiß, wenn auch die amerikanische Notenbank etwas in den letzten Wochen zurückgefahren hat. Die Wirtschaft ist auf Störungen anfälliger den je. Die Habgier eines lächerlich kleinen Prozentsatzes in der Weltbevölkerung reicht aus um die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander gehen zu lassen.

    Afrika im Taumel religiös geprägter Nationalismen mit Großmachtallyren in vielen Ländern der Nachkriegsordnung des 2. Weltkrieges. Alle relevanten Großmächte sind auf irgendeiner Seite Schutzmacht unter den kriegführenden Gruppen und Parteien. Afrika, Naher-Osten, Asien (China-USA, Nordkorea gegen alle, Japan gegen China, Russland gegen die Ukraine, die baltischen Länder auf Seiten der Nato, die Nato als Schutzmacht ihrer neuen Verbündeten an der Grenze Russland, Russland das gerne wieder eine Supermacht werden will, wie zur der Zeit der Sowjetunion und sogar auf Europa schielt,. In Indien werden Frauen massiv unterdrückt, nach belieben sogar mit Unterstützung von Politikern und Exekutive, vergewaltigt und auf Bäumen erhängt, und was tun wir dagegen, schauen zu, schütteln den Kopf und gehen weiter unserer Dinge, stimmts?

    Kampf um Rohstoffe, Zerstörung der Infrastruktur in vielen Länder der sogenannten, dritten und vierten Welt (schon seit Jahrzehnten!).
    Zerstörung der gesellschaftlichen Normen (Familie) in der westlichen Welt,
    Zerstörung des natürlichen Klimas durch eine verfehlte Wirtschaftspolitik in der Neuzeit, beginnender Kampf um die verbleibende Wasserreserven,
    massive militärische Aufrüstung, die Waffenproduktion expandiert wie nie zu vor,
    Investitionen in Bildung und Forschung fallen dagegen immer weiter zurück gemessen am Bruttoinlandsprodukt in den meisten Ländern,
    steigende Arbeitslosenzahlen wohin man schaut (vor allem in der EU) bei zugleich sinkenden Löhnen und sich bereichernden Konzernen. Lobbyismus beeinflusst massiv die Legislative m europäischen Parlament,
    in Europa wie in vielen anderen westlichen Industriestaaten beobachten wir eine völlig falsche demographische Entwicklung in der Altersstruktur der Bevölkerung, das hat Folge auf die soziale Sicherheit und den sozialen Frieden in Europa, ………….

    genügt diese demonstrative Aufzählung? Die Liste wäre in Wahrheit noch viel länger.

    Auf der Habenseite dagegen schaut es dagegen ziemlich leer aus.

    Also ich kann den Zweckoptimismus mancher Zeitgenossen nichts abgewinnen und nur verwundert darüber den Kopf schütteln, gerade aus paradoxerweise wegen der Geschichte vergangener Kriege und ihrer Entstehung – soweit wir darüber Kenntnis haben natürlich.

    Daher meine Skepsis, es wird mir zu viel von Geschichte aus vergangen Jahrhunderten geforscht und erzählt. Das bringt uns aber zur Lösung der brennenden Probleme in dieser kein Stück weiter. Alle Kraft müssen wir einsetzen, dass schlimmste Szenario zu verhindern, das wäre, dass es wieder zu einer nie dagewesenen Katastrophe durch Krieg in dieser verwundeten Welt kommt. Viele Militärs brüten über diese Möglichkeit bereits bei allen Großmächten. Wo bitte, wenn Sie es schon so wollen, liegt jetzt für die Menschheit der Nutzen, sich mit anderen, manchmal ähnlichen Problemen aus der Geschichte herumzuschlagen, die möglicherweise zum 1. und 2. Weltkrieg geführt haben?

    Ich hoffe, dass man nun mein drängendes Anliegen, meine Befürchtungen in meinen Kommentaren besser versteht. Es geht nicht um Fatalismus und Resignation das Wort zu sprechen, sondern Hoffnung zu nähren, nur wo bleibt sie endlich, wer sind ihre Initiatoren und wahren Vertreter (vor allem aus dem wissenschaftlichen Bereich, ist ja angeblich die Elite einer Bevölkerung?) und wo und wann bitte merkt man spürbar und entscheiden eine solche Veränderung dann in der Politik, in der Umsetzung?

    In der Hoffnung auf eine positive Resonanz –
    mit lieben Grüßen, Johannes

    • susanna14 schreibt:

      Erst einmal ein Tipp: Wenn Sie Weltgeschichte analysieren, sollten Sie versuchen, eine Sprache zu wählen, die Metaphern aus Natur und Technik vermeidet. Mit solchen Metaphern wird suggeriert, dass es sich um zwangsläufige, unausweichliche Prozesse handelt. Es gab jedoch immer Menschen, die Entscheidungen getroffen haben.

      Es ist nicht ihre persönliche Schuld, dass sie solche Metaphern verwenden. Sie sind sehr beliebt, gerade auch im Journalismus, aber auch in der populärwissenschaftlichen und manchmal auch der wissenschaftlichen Literatur. Sie dienen aber der Verschleierung. Wenn man bei Lesen und Schreiben auf solche Metaphern achtet, kann man vieles lernen.

      Beispiele für solche Metaphern in Ihrem Text: „Es gärte“, „explosive Mischung“, „sich aufstauen“, „destabilisieren“, „Funke zum Überspringen bringen“, „sich entladen“, „anfachen“.

      Wenn ich die unmittelbare Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs darstellen würde, dann so: Es gab Bündnisse zwischen Frankreich, Russland und (eingeschränkt) Großbritannien. Außerdem suchte Serbien den Schutz Russlands. Auf der anderen Seite gab es ein Bündnis zwischen Österreich, Deutschlands und Italiens. Mehrere Krisen waren schon friedlich beigelegt worden, aber als der österreichische Thronfolger und seine Frau ermordet wurden, gewannen die Kreise in Deutschland und Österreich die Oberhand, die gewillt waren, eine längere Auseinandersetzung zu wagen. Sie hofften auf einen lokalen Konflikt, aber sie waren auch bereit, ein Eingreifen Russlands und Frankreichs in Kauf zu nehmen. Das Argument war das folgende: Wir müssen Russland besiegen, bevor es noch stärker wird. Dass das Vereinigte Königreiche mit großer Wahrscheinlichkeit auch eingreifen würde, wurde ausgeblendet.

      Sie sehen, man kann die Entwicklung auch beschreiben, ohne auf technische oder natürliche Metaphern zurückzugreifen. Menschen haben Entscheidungen getroffen.

      Das gleiche gilt für die Entwicklung im neunzehnten Jahrhundert. Die Philosophen der Aufklärung hatten die Vorstellung von Gleichheit und einer Regierungsform aller Bürger in die Welt gebracht. In den Vereinigten Staaten und dann auch in Frankreich (wenn auch nur für kurze Zeit) war sie in die Tat umgesetzt worden. Die alten Eliten standen vor einem Legitimitationsproblem: Niemand glaubte mehr, dass ihnen von Gott das Recht verliehen worden sei, über andere zu herrschen.

      Es bildeten sich demokratische Bewegungen, aber auch nationalistische Bewegungen heraus. Schließlich war sowohl in Frankreich als auch in den Vereinigten Staaten die Nation zum Träger der Souveränität erklärt worden. Nation war aber nicht ethnisch erklärt, sondern im Gegenteil, Angehörige aller möglicher Ethnien sollten sich der Nation zugehörig empfinden. Östlich des Rheins war noch die Staatsform der Monarchie vorherrschend. Hier gab es auch Demokratiebewegungen, aber häufig auch wurde als Ursache aller Probleme nicht der Mangel an Demokratie, sondern die Tatsache, dass die Herrscher einem fremden Volk angehörten, ausgemacht. Das führte dann zu den nationalistischen Befreiungsbewegungen, die meistens gerade nicht demokratisch waren.

      Die alten Eliten machten sich teilweise diese nationalistischen Bewegungen zunutze, um ihre Herrschaft zu sichern, siehe Bismarck. Und, wie gesagt, ich vermute, dass sowohl in Deutschland als auch in Österreich die alten Eliten glaubten, sie könnten durch einen Krieg ihre Herrschaft sichern. Das Ergebnis war totaler Machtverlust der Kaiserhäuser. (Aber heutzutage versuchen sie wieder, in der Europapolitik mitzumischen, auf konservativer Seite.)

      Nach dem Ersten Weltkrieg hätte es die Möglichkeit gegeben, einzusehen, dass der Kaiser und seine Entourage für den Krieg verantwortlich waren. Man hätte den Kriesgsschuldparagraphen akzeptieren und die Reparationen auf ein erträgliches Maß herunterhandeln können und sich ansonsten um Versöhnung bemühen können. Viele Menschen in Deutschland haben dies getan. Andere haben weiterhin ihre Ressentiments genährt. Es gab immer eine Wahl.

      Jetzt noch, da Sie sich offensichtlich als links definieren, ein Buchtipp: Georg Fesser, Deutschland und der Erste Weltkrieg.

  5. Johannes Wagner schreibt:

    Danke, seit der Schulzeit habe ich keine Note mehr in Deutsch bekommen. In den inhaltlich Ausführungen habe ich immer hervorragend abgeschnitten, nur in der Rechtschreibung gab es, … na ja.
    Was Sie mit „links“ sagen wollten, bin ich mir nicht ganz sicher, aber es ehrt mich. Denn ich bekenne mich in unserer Demokratie tatsächlich zum Sozialismus, aber endet dort wieder als politische Orientierung, wo ich mit meiner festen Glaubensüberzeugung als praktizierenden Christ in Konflikt gerate. Liberalismus, der wieder zur Einengung, Bevormundung oder gar zur Unfreiheit (=Diskriminierung) in der persönlichen Weltanschauung führt, lehnte ich in der Vergangenheit ab und werde dies auch im Rest meiner künftigen Erdentage, dieser Grundhaltung meines Menschenbildes von Freiheit nicht abrücken.
    Trotzdem Danke für Ihren Buchtip!

    Fortsetzend wollte ich weiter sagen, ich bin noch immer dankbar dafür, auf Fehler, die ich im Dialog mache, aufmerksam gemacht zu werden. Gerade in Zusammenhang von inhaltsschweren, oder heiklen Themen, nicht so im alltäglichen umgangssprachlichen Gebrauch, das ist wohl eine andere Seite wie ich meine. Das Vermeiden von „Methapern“ worauf Sie mich hinweisen, nähme ich sehr ernst, denn ungewollt falsch verstanden zu werden, oder zu riskieren, dass die Botschaft bei den Lesern (zumindest bei jenen, wo es mir darauf ankommt) untergeht. Umso mehr, da ich mich gleichzeitig mit einem Buchprojekt zur Lebensgeschichte meiner Familie bis zu den Großeltern zurück beschäftige.

    Sehr viel Zeit wende ich auch dafür auf, wie ich schon sagte, zu zeitgeschichtlichen oder aktuellen Ereignissen im Web Stellung zu nehmen, oder Blogs zu kommentieren. So habe ich auch vor wenigen Tagen ins Web erstmals eine Petition in das Web hineinstellen lassen. Zu immer umfangreicheren Menschenrechtsverletzungen in vielen Ländern der Welt. Die Petition geht Richtung UNO-Sicherheitsrat, entschiedener auf die Einhaltung der Menschenrechtscharta in allen Ländern der Erde zu drängen. Millionen Menschen sind neuerlich auf der Flucht vor Gewalt, vor Terror, vor Mord, werden verfolgt, oder „nur“ diskriminiert.

    Der Zustand ist inakzeptabel (darf ich als Wortwahl wohl diesmal verwenden). Dringende Abhilfe, im Interesse der vielen betroffenen unschuldigen Menschen in mehr als 100 (!) Ländern ist einzufordern.

    Nur der begonnen Unterschriftenaktion, dieser wenigen Tage alten Petition, war bisher ein sehr, sehr bescheidener Erfolg beschieden. Für mich doch sehr ernüchternd, denn auch wenn es uns in Mitteleuropa derzeit noch weniger tangiert, ein so ein massives Desinteresse an den Mitmenschen und an der aktuellen Weltgeschichte zur Zeit, habe ich doch nicht erwartet und ich bin sehr betroffen und bestürzt darüber. Vielleicht liegt es „nur“ darin, dass das Problem, auf das Sie mich angesprochen und hingewiesen haben, der eigentliche Grund für diesen „Boykott“ ist. Aber ich fürchte, da liegen noch ganz andere Ursachen für das Desinteresse meines vorgetragenen Anliegens vor, wie ich aus persönlich geführten Gesprächen entnehmen musste. Doch zumindest, wenn auch nur sehr wenige, sprachen mir Mut und Selbstvertrauen zu. Ich soll mich keinesfalls von diesen Schwierigkeiten abschrecken lassen.
    Nach Ihrem letzten Kommentar, Frau Susanne, bin ich aber ehrlich gesagt verunsichert worden.

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