Kommentare zum Thema Bullying

Wieder einmal habe ich bei The Leftist Elite kommentiert und möchte nicht, dass meine Kommentaren in den Tiefen des Cyberspace verlorengehen. Dieses Mal war es zum Tod von Amanda Todd, die sich umbrachte, weil sie das Bullying ihrer Klassenkameraden nicht mehr aushielt.

Hier ist das Youtube-Video, das Amanda Todd selbst online gestellt hat: Amanda Todd’s Story: Struggling, Bullying, Suicide, Self Harm

Hier ist ein Text von/über Amandas Mutter: Amanda Todd’s mother speaks out about her daughter, bullying (with video)

Und hier sind zwei Artikel aus der Frankfurter Rundschau: Der ungerechte Tod von Amanda Todd und aus der Süddeutschen: Der angekündigte Tod der Amanda Todd.

Ich fand beide Artikel hoch problematisch. Beide waren geprägt von einer rein emotionalen Reaktion: Wie schrecklich, ein Mädchen hat sich umgebracht, weil es gemobbt wurde. Die Schuld wurde vor allem bei dem Stalker gesucht, der sie mit Photos erpresste, die sie als Zwölfjährige von ihren Photos gemacht hatte. Die Mechanismen des Bullyings selber – wie ein paar Bullies den Rest der Klasse auf ihre Seite ziehen – wurden nicht erklärt, und es wurde auch nichts über mögliche Gegenmaßnahmen erklärt, die letztendlich im Idealfall darin bestehen, dass die Schüler in der Klasse, die selbst keine Bullies sind, sich gegen die Bullies wenden. Dies ist natürlich für Jugendliche nicht leicht – es ist auch für Erwachsene nicht leicht, aber für Jugendliche ist es noch schwerer, und sie brauchen dazu Unterstützung durch Erwachsene – durch Lehrer oder Schulsozialarbeiter etc., aber auch durch den Rest der Erwachsenenwelt, der das Mobbing ächten muss und keine „Rationalisierungen“ – scheinbar logische Erklärungen, warum in diesem Fall das Bullying gerechtfertigt und akzeptabel und vom Opfer selbst verursacht sei – akzeptieren darf. In Amandas Fall war es so, dass sie wegen ihrer Photos nun als „Slut“ galt, aber die Rechtfertigungen sind im Grunde austauschbar, sie haben in aller Regel nichts oder nur wenig mit dem tatsächlichen Verhalten des Opfers zu tun, und dienen vor allem den Bullies zur Rechtfertigung ihres Verhaltens.

Ich habe vor kurzem einen Artikel gefunden, der Slut-Shaming als Bullying-Technik beschreibt: ‘Slut’: Gender Policing As Bullying Ritual. Ich hatte bei diesem Artikel die Schwierigkeit, dass er Bullying als eine mehr oder weniger rationale Methode vorstellt, um Menschen in die klassischen Geschlechterrollen zu zwängen, nicht als etwas, das für die Bullies ein Zweck an und für sich ist, außer vielleicht dass es den Zweck hat, den Bullies Macht zu verschaffen. Mich machte vor allem stutzig, dass Mädchen, die überhaupt zu jung für irgendwelche sexuellen Erfahrungen sind, schon als Slut bezeichnet werden: hier geht es nicht um den realen Vorwurf, sondern darum, das Opfer fertig zu machen (und nicht darum, es zu „erziehen“.) Ich habe versucht, den Originalartikel zu bekommen, aber meine UB hat nicht die Zeitschrift, in der er erschienen ist, und ich bezahle nicht 27 Euro für einen einzelnen Artikel. (Ich frage mich, wie Zeitschriften auf die Idee kommen, sie könnten für einen einzelnen Artikel so viel verlangen wie für ein gebundenes wissenschaftliches Buch.)

Jetzt noch zwei Hinweise auf Bücher, die weniger kosten als 27 Euro und die sehr viele wertvolle Informationen enthalten:

Du Opfer!: Wenn Kinder Kinder fertigmachen von Mechthild Schäfer und Gabriela Herpell

Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können

Okay, jetzt meine Kommentare:

1. Kommentar

Ich habe das jetzt gelesen, und ich habe auch die Berichte in der Süddeutschen und der FR gelesen. Ich habe auch Amanda Todds Youtube-Video mit den Karteikarten gesehen.
Was sich durch das Internet verändert hat: in eine neue Stadt zu ziehen, hat Amanda nichts geholfen. Häufig hilft eine neue Umgebung, aber die Photos sind ihr anscheinend gefolgt. Andererseits habe ich in einem der Bücher, die ich zum Thema Bullying habe, die Geschichte einer Engländerin gelesen, der ein Schulwechsel ebenfalls nicht geholfen hat, und zwar vor den Zeiten von Facebook und so. Wenn an den Schulen eine Mobbing-Atmosphäre ist, werden die Bullys schnell merken, wer ein leichtes Opfer ist. Wer neu ist, ist sowieso gefährdet, und wer eine Mobbing-Erfahrung hinter sich hat, ist doppelt gefährdet, weil er oder sie unsicher wirkt. Es gibt natürlich auch normale Menschen, die auf Unsicherheit nicht mit Bullying reagieren: Wenn man Glück hat, kommt man in eine Klasse, in der keine Bullys sind, und dann wird alles normal.

Die Photos waren m.E. nur der Anlass des Bullying. Die Mitschüler hätten auch anders auf diese Photos reagieren können. Sie hätten Amanda in Schutz nehmen können. Jemand hätte ihr den Tipp geben können, zu sagen, das Photo sei gar nicht von ihr, und dann hätten sich die Menschen um sie herum entschließen können, das auch zu glauben und weiter zu verbreiten. Es wäre m.E. ein Fehler, die Probleme alle auf den Erpresser zu schieben.

Was ich in diesen Geschichten völlig vermisse, sind ein paar Worte über die Rolle der Lehrer. Die meisten Bücher über Schoolyard-Bullying, die ich gelesen habe, richten sich an Lehrer, und sie stellen verschiedene Methoden dar, mit dem Bullying umzugehen. Es gibt noch keinen Königsweg, aber verschiedene Konzepte. (Wir dürfen ja nicht vergessen, dass die Bullys wahrscheinlich ungefähr gleichaltrig wie Amanda waren. Möglicherweise wären sie noch nicht einmal strafmündig. Es wären die Lehrer, die etwas unternehmen müssten.)

2. Kommentar

Ich hatte schlicht und ergreifend vergessen, die Links einzufügen.

Süddeutsche: Der angekündigte Tod der Amanda Todd
Frankfurter Rundschau: Der ungerechte Tod von Amanda Todd

Laut den Büchern, die ich gelesen habe, läuft Bullying typischerweise jeweils innerhalb der Geschlechter ab, also Mädchen mobben Mädchen und Jungen mobben Jungen. Hin und wieder kommt es auch vor, dass Mädchen von Jungen gemobbt werden (das war bei mir der Fall), aber ganz selten werden Jungen von Mädchen gemobbt.

Ich hatte zum Glück eine Clique von Mädchen, die zu mir stand. Einem Jungen ging es schlechter als mir. Auf Klassenfahrten, wenn Zeit zur freien Verfügung war, lief er allein los, was eigentlich aus aufsichtsrechtlichen Gründen problematisch war. Die Lehrer haben es gesehen und nichts unternommen.

Ja, ich denke, die Rolle der Lehrer wird bei Amanda Todd überhaupt nicht erwähnt. Was mich auch interessieren würde: die Rolle der Eltern der Täter. Mein Verdacht ist, dass sie häufig das Verhalten ihrer Kinder mehr oder weniger offen unterstützen.

Ich glaube, die Inhalte des Mobbing sind austauschbar. Ich habe vor kurzem einen Artikel über Slut-Shaming gefunden: ‘Slut’: Gender Policing As Bullying Ritual. Ich habe versucht, den Originalartikel zu finden, aber die Universität hier hat keine Lizenz für die Zeitschrift. Ich bin mir aber noch nicht sicher, was ich von dem Artikel halte.

3. Kommentar

Es ist tatsächlich ein Problem, dass Lehrer für viele Dinge zuständig sind, für die sie nicht ausgebildet wurden – oder vielleicht sollte ich es umgekehrt sagen: Dass sie für viele Dinge nicht ausgebildet werden, für die sie zuständig sind. (In meiner eigenen Ausbildung zur Lehrerin habe ich überhaupt nichts davon erfahren, möglicherweise, weil ich an keinem Seminar “Schule und Gewalt” teilnahm, möglicherweise weil ich unter Gewalt nur körperliche Gewalt in Extremformen verstand, nicht die alltäglichen Sticheleien. Ich musste erst lernen, dass diese alltäglichen Sticheleien, wenn sie sich immer gegen dieselbe Person richten, als Mobbing gewertet werden, das zerstörerische Auswirkungen hat.)

Ich meine, wenn wir diese Verantwortung nicht den Lehrern aufbürden, machen wir Mobbing zu einem Naturereignis. Die Kinder sind nämlich noch zu jung, um Verantwortung zu tragen. (Damit meine ich nun nicht, dass Lehrer auf Facebook nachsehen sollen, was ihre Schützlinge da alles so treiben. Sie sollten aber erst einmal klar stellen, dass Kinder, die gemobbt werden, sie um Hilfe bitten dürfen, und dass sie dann etwas unternehmen werden, und dass sie dann Ahnung haben, was sie unternehmen können, ohne dass sie die Situation der betroffenen Kinder verschlimmern.

Dies ist jetzt nicht nur meine persönliche Meinung, sondern auch das, was zur Zeit Stand der Forschung ist. Wenn ich in die pädagogische Abteilung der großen Buchhandlung in Hannover gehe, finde ich ein ganzes Regalbrett zum Thema Mobbing, und die meisten Bücher richten sich an Lehrer. Es ist natürlich gut, wenn es auch Sozialarbeiter und Beratungslehrer gibt, die die Lehrer unterstützen, und es gibt auch Menschen, die Projekte zum Thema machen und Projekte durchführen. (Und die Direktion muss natürlich auch verantwortlich fühlen.)

4. Kommentar

Sehe ich anders. In den Grundschulen probieren die Kinder das mit dem Schikanieren und Ärgern schon aus, aber dass sich feste Strukturen bilden, in denen klar ist, wer Opfer und wer Täter ist, das gibt es in der Unterstufe und Mittelstufe der weiterführenden Schulen. Da braucht es Unterstützung durch die Erwachsenen, weil die Jugendlichen selbst das nicht hinkriegen.

Beratungsslehrer und Sozialarbeiter und Psychologen sind gut, aber am Ende sind es die Lehrer, die vor Ort handeln müssen: Sie führen Aufsicht, sie sehen, was in der Klasse passiert und wer immer abseits sitzt und wer sich in seiner Jacke versteckt. Die Aufgabe der Beratungslehrer und Sozialarbeiter und Psychologen muss auch darin bestehen, die Lehrer in etwas zu unterstützen, wo die Lehrer keine Spezialisten sind, aber die Lehrer sind in der Verantwortung und können sie nicht an Spezialisten abgeben.

Dass es unter Schülern verpönt ist, sich an Lehrer zu wenden, ist ein Problem. Es ist aber, glaube ich, weniger schlimm als zu der Zeit als ich jung war, und selbst als ich jung war, gab es Lehrer, die wir mochten. Ich war allerdings auch zu stolz, mich an sie zu wenden. Ich denke mittlerweile, sie sollten eingreifen, wenn sie etwas bemerken. Vorsichtig natürlich, aber sie sollten nicht warten, bis das betroffene Kind auf sie zukommt. Sozialpädagogische Grundsätze wie “Hilfe nicht aufdrängen” sind hier m.E. fehl am Platze, gerade wegen des “Ehrenkodex” unter Schüler, allein mit der Sache fertig zu werden. Kinder und Jugendliche sind mit so etwas in aller Regel überfordert, und zwar insbesondere das Opfer selbst. Sie sind in einer Situation, die durch nichts, was sie tun, verbessert werden kann.

Wer etwas tun kann, sind die Mitschüler. Manche der Konzepte, die zur Zeit ausprobiert werden, schließen die aktive Beteiligung von netten Mitschülern ein. Die Mobber haben ja nur deswegen Erfolg, weil es ihnen gelingt, den Großteil der Klasse auf die eigene Seite zu bringen, vor allem, weil diese Angst haben, selbst das nächste Opfer zu sein. Wenn es gelingt, ein paar der selbstbewussteren unter den Mitschülern davon zu überzeugen, dass sie Partei für das Opfer nehmen (denn insgeheim tut es ihnen dann doch leid), dann kann etwas effektiv erreicht werden.

Es gibt Schüler, die von sich aus Partei für die Opfer ergreifen, aber sie sind selten, und sie brauchen ebenfalls Unterstützung und Ratschläge, wie sie dies am besten tun. Ich glaube, Gruppen von Jugendlichen, gerade solche, zu denen sich die Jugendlichen nicht freiwillig zusammengeschlossen haben wie Schulklassen, brauchen Unterstützung durch Erwachsene. Wenn alles gut geht, ist es gut, aber es geht eben nicht alles gut, und dann brauchen sie Hilfe: dafür sind die Erwachsenen da. Wenn es keine Erwachsenen gibt, endet die Situation wie bei “Lord of the Flies”. Erwachsene müssen Kindern und Jugendlichen beibringen, wie man miteinander lebt, und das gilt auch noch für Dreizehnjährige oder Vierzehnjährige – typisches Mobbingalter. Meiner Erfahrung nach sind sie noch ziemlich kindlich. Erst mit sechzehn fangen sie an vernünftig zu werden, aber in dem Alter ist Mobbing nicht mehr so häufig.

Ich glaube, das mit den Jugendlichen, die am besten sich selbst überlassen bleiben und die nach ihren eigenen Regeln leben (leider viel zu oft der Regel “der Stärkere hat Recht”), ist auch Ideologie. In Deutschland ist es ja seit langem so, dass sich jede Generation gegen die Eltern auflehnt, aber bei den Jugendlichen, die ich jetzt kenne, beobachte ich das gar nicht so stark. Teilweise fahren sie noch mit achtzehn mit ihren Eltern in Urlaub – mein letzter Urlaub mit den Eltern war mit fünfzehn.

Ich weiß jetzt nicht, wie stark sie ihren Lehrern vertrauen. Ich denke, es ist wie immer: Manche Lehrer sind nett und vertrauenswürdig, andere nicht so sehr. Aber es ist ganz ganz wichtig, dass dieser “Ehrenkodex” aufgebrochen wird. Kinder, die zum Opfer werden, schaffen es nicht allein, da rauszukommen. Ich habe mal auf der Website von J.K.Rowling, der Harry-Potter-Autorin ein paar Tipps gefunden, und auch da stand: “Versuche nicht, allein mit der Situation fertig zu werden. Sprich mit Menschen darüber. Sprich mit Erwachsenen darüber. Suche Hilfe.” Und dann sollte es eben nicht psychologische, sondern praktische Hilfe sein (das sehe ich als Gefahr, wenn das Problem an Psychologen delegiert wird: dass sie versuchen, am Opfer herumzuändern, statt die Situation in der Klasse zu verändern, und dass sie auf diese Weise Victim-Blaming betreiben.)

In dem Buch Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind von Sigrid Chamberlain geht es in erster Linie um Kleinkinder, aber in einem Kapitel “sich wehren oder untergehen” geht es auch um Schikanen älterer Kinder untereinander. Von Nazi-Kindern wurde erwartet, dass sie stark sind und sich zur Wehr setzen, und eine Petze zu sein, war das schlimmste überall, auch in den Augen der Erwachsenen, unabhängig davon, ob das Kind überhaupt eine Chance hat, sich zu erfolgreich zu wehren (etwa wenn die anderen Kinder älter und größer oder einfach in der Überzahl sind). Es ist eben das Recht des Stärkeren, das sich hier durchsetzt. Ich glaube, ich bin dem noch unter den Jungen begegnet, die mich selbst schikaniert haben – und ich glaube, ein paar der Lehrer standen auf deren Seite, eben weil sie selbst auch noch “vom alten Schlag” waren.

Es ist gut, wenn dieser “Ehrenkodex” an Bedeutung verliert und sich auflöst.

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2 Antworten zu Kommentare zum Thema Bullying

  1. 3headed schreibt:

    Da das Thema mittlerweile dank viraler Verbreitung auch bei mir angekommen ist möchte ich auch ein bisschen von meinem Senf dazugeben:
    Was mich an der ganzen Sache am meißten aufgeregt hat (und ich fühlte mich gleichzeitig schuldig da doch vor allem das Mitgefühl mit dem Opfer im Vordergrund stehen sollte):
    Wer sind die Menschen die nun das Schicksal von Amada Todd nun so plakativ verbreiten? Ich habe das Video mit den Zetteln zum ersten Mal über den Youtube Account eines Fremden gesehen. Überall Aufforderungen, man solle doch bitte seinem Twitter-Account folgen und das Video upvoten. Wie ekelhaft, aus so einem schrecklichen Schicksal noch Popularität schinden zu wollen!
    Zweitens: Die Kommentare à la „sie ist ja selbst schuld weil sie Nackfotos von sich im Internet gepostet hat“ „wenn ich mit jemandem in einer Beziehung schlafe brauch ich mich auch nicht beschweren“ – ekelerregend. Fällt mal wieder unter das alte Schema „slut shaming“. Ich frage mich immer wieder, wieso Frauen, wenn jemand mit ihrem Partner schläft, zuallererst die fremde Frau (die ja NICHT in einer Beziehung ist) attackieren als den untreuen Partner. Außerdem: Warum ist es Männer in der westlichen Gesellschaft des 21. Jahrhundert, wo Pornos schauen, früher verpönte Sexualpraktiken etc. im Vergleich zu früher kaum mehr Tabus sind, immer noch möglich, eine Teenagerin die leider ein Nacktfoto von sich auf das Internet losgelassen hat in den Selbstmord zu treiben? Wäre die gleiche Situation mit vertauschten Geschlechterrollen auch möglich?
    Ich weiß nicht, was bei mir mehr Übelkeit erregt – das Heuchlerische Mitleid aller die ach so geschockt von Amanda Todds Selbstmord sind aber gleichzeitig nie die Courage hätten sich auf die Seite eines Mobbing-Opfers in ihrer Schule/ihrem Arbeitsplatz zu stellen oder der Zynismus der „sie ist ja selbst schuld“-Advokaten.
    Übrigens, das nächste Kapitel: http://www.vice.com/de/read/anonymous-spuerte-den-jailbait-perversen-auf-der-amanda-todds-leben-zerstoerte

  2. susanna14 schreibt:

    Sorry, dass ich deinen Kommentar erst jetzt genehmigt habe; aus irgendwelchen Gründen (wahrscheinlich wegen dem Link) ist er im Spam-Ordner gelandet.

    “wenn ich mit jemandem in einer Beziehung schlafe brauch ich mich auch nicht beschweren”

    Sag mal, gibt’s solche Kommentare noch, oder wieder? In meiner Generation galt/gilt es als normal, dass man mit dem Freund oder der Freundin schläft und nicht erst bis zur Hochzeit wartet. Wenn man selbst noch sehr jung ist, träumt man möglicherweise rum und phantasiert davon, zu warten (haben ein paar meiner Freundinnen auch getan), aber wenn man dann älter wird und nicht mehr von Beziehungen träumt, sondern wirklich einen Freund hat, hält man sich nicht mehr daran.

    Nacktphotos im Internet posten ist ein anderes Kaliber. Ich weiß nicht, wie ich da reagieren würde – da habe ich im Laufe meines Lebens schon unterschiedliche Positionen zu gehabt. (Und ich habe schon an Aktzeichenkursen teilgenommen, aber ich hätte mich nie getraut, Modell zu stehen.)

    Die Sache ist aber die, dass dies eine Zwölfjährige war, also noch ein Kind. Was sie getan hat, war eine Dummheit, aber sie sollte eben als kindliche Dummheit bezeichnet werden. Es ist ähnlich wie beim „age of consent“ – das Kind trägt keine Verantwortung für das, was sie tut.

    Das Problem ist nur: so denke ich als Erwachsene über ein Kind, aber Gleichaltrige denken anders. Gleichaltrige denken, alle anderen Kinder könnten genauso „vernünftig“ sein wie sie selbst und haben keine Ahnung von psychichen Nöten.

    Ich glaube, dass das „slut-shaming“ am Punkt vorbei geht – okay, es geht an dem Punkt vorbei, der mir wichtig ist. Anderen Menschen ist die Diskussion um das Slut-Shaming wichtiger als das Bullying. Für mich ist das Bullying das Entscheidende, und dazu suchen sich Kinder aus, was gerade zur Hand ist – irgendetwas, was ein bestimmtes Kind angreifbar macht und wo sie sich sicher sein können, dass die Erwachsenen Verständnis haben werden.

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