Identitäten verfestigen oder auflösen

Ursprünglich wollte ich etwas über die Praxis der Selbstpositionierungen/-bezichtigungen schreiben über die ich mich heute mit ein paar Leuten über Twitter unterhalten habe, wobei es vor allem darum ging, ob sie eher der katholischen oder der evangelischen Mentalität entsprechen. Mir erscheinen sie eher der evangelischen Mentalität zu entsprechen, vor allem in ihren evangelikalen, fundamentalistischen Varianten.

Für mich war das Schlüsselereignis eine Begegnung mit einer Jugendgruppe einer evangelikalen Richtung. Ich war damals Mitglied einer Gruppe, die sich zum Scottish Country Dancing traf, und die Leiterin der Jugendgruppe, die im selben Haus unterwegs war, sprach uns an, ob wir mal mit ihren Jugendlichen tanzen wollten. Wir taten dies, und nach dem Tanzen wurden wir zum Essen eingeladen. Bevor es Essen gab, mussten wir uns allerdings die Andacht anhören, die eine Frau für die Gruppe vorlas: Grundlage war irgendeine eher wenig bekannte Stelle aus einem der Johannesbriefe, es ging darum, dass wir alle sündig seien durch Adam, und alle gerecht würden durch das Blut Christi. Ich hörte mir das an und dachte: das kann doch nicht wahr sein, dass man dies Dreizehnjährigen erzählt! Kinder in dem Alter sind doch noch nicht schuldig geworden an irgendetwas – wie kann man ihnen einreden, dass sie alle Sünder seien? Für Menschen, die schuldig geworden sind, ist Vergebung eine große Befreiung – für Menschen, die unschuldig sind, ist es keine. Falls ihnen eingeredet wurde, sie seien schuldig, ist es für sie eine Befreiung, wenn sie hören, dass sie nicht schuldig sind.

Menschen einzureden, sie seien schuldig, und anschließend dafür zu sorgen, dass sie auf die Vergebung, die man selbst ihnen anbietet, angewiesen bleiben, ist eine wirksame Methode, sie zu unterwerfen und von sich selbst abhängig zu machen. Sie werden sich ihrer selbst und ihres Urteils unsicher bleiben und stattdessen Bestätigung von außen brauchen. Dies gilt gerade dann, wenn es nichts Konkretes gibt, wegen dessen die Menschen schuldig geworden sind. Wenn jemand etwas Konkretes getan hat, ist es möglich, dieses Konkrete zu benennen, der betreffende Mensch kann die Vorwürfe bedenken und entweder akzeptieren, wenn er einsieht, dass er etwas falsch gemacht hat und dann sein Verhalten ändern. Sein Urteilsvermögen wird nicht in Frage gestellt. Wenn die Vorwürfe dagegen diffus sind, weiß man nicht, wo man ansetzen soll, und beginnt an sich selbst zu zweifeln.

Natürlich glaube ich nun nicht, dass alle diese Kinder nun ein Leben lang unter dieser Andacht leiden werden: im Leben der meisten wird es auch andere Einflüsse geben, die ihnen erlauben, eine solche Botschaft als Unsinn zurückzuweisen und hoffentlich bald zu vergessen.

Es gibt aber auch eine andere Variante: man entwickelt einen Stolz darauf, dass man weiß, dass man ein Sünder ist, denn so ist man ja immerhin noch besser als diejenigen, die dies nicht wissen.

Mir kommt manchmal der Verdacht, dass eine ähnliche Einstellung hinter der Selbstpositionierung/Selbstbezichtigung steht, die den eigenen Statements voranzustellen in manchen Zusammenhängen mittlerweile zum guten Ton gehört. (Ich habe sie zuerst bei den Anti-Oppression-Diskussionen im Fandom erlebt.) Ein wichtiger Unterschied besteht jedoch hier darin, dass aus der Selbstbezichtigung nicht unbedingt die Vergebung folgt: anstatt der Aufforderung, jetzt nicht weiter über die Sünde nachzugrübeln, sondern in die Welt hinauszugehen und zu handeln, wird gefordert, die eigenen Privilegien zu reflektieren, das heißt bei sich zu bleiben und zu grübeln. (Etwas anderes ist es, wenn über Handlungen oder auch über Verhalten nachgedacht wird, für das man tatsächlich selbst verantwortlich ist und das man ändern kann.)

Mir ist dabei ein Interview in den Sinn gekommen, das ich in der Jungle World gefunden habe: Interview mit Vassilis Tsianos. Ich hatte es schon letzte Woche gefunden und mir mehrere Stellen angestrichen, die ich besonders schön fand, und die mir auf das zu passen schienen, was ich im Fandom erlebt habe, aber auch auf einige der Anti-Ismus-Diskussionen, die ich hier erlebt habe.

Ich wollte also ein paar Zeilen zu diesem Interview schreiben, aber dann habe ich zur Sicherheit noch einmal den anderen Artikel gelesen, der bei der Jungle World zu diesem Thema erschienen war (Weiß sein, Schnauze halten), und anschließend bei Indimedya nach Berichten über das No Border Camp gesucht, auf das sich die Kritik von Tsianos größtenteils bezog:

CriticalWhiteness und das NoBorderCamp (anscheinend ein Artikel der Gruppe, auf die sich die Kritik der Artikel in der Jungle World bezieht, oder ihrer Sympathisanten.)
No-Border Camp 2012 – Spalten wie die Profis? (Beitrag der Antifa Friedrichshain)
Nobordercamp Köln: Gesamtbericht (Beitrag von noLager Bremen)
Ein etwas anderer No Border Camp Aufruf (von antiautoritären Gruppen)
Beitrag zu den Diskussionen auf Noborder Camp (ähnlicher Text wie der vorangehende.)

Die Indymedia-Texte sind deutlich differenzierter als die in der Jungle World erschienenen. (Für die, die wenig Zeit haben: Der differenzierteste und unaufgeregteste Artikel meiner Meinung nach ist der von NoLager Bremen, Nobordercamp Köln: Gesamtbericht) Sie haben mir deutlich gemacht, dass einige der Strategien, die ich vor allem im Fandom, aber auch in anderen Bereichen der Anti-Oppression-Arbeit kennengelernt habe, auch von anderen Linken sehr kritisch gesehen werden.

Während meiner Zeit im Fandom bin ich irgendwann zu dem Schluss gelangt, dass diejenigen, die meinten, Beschimpfungen und Beleidigungen als Mittel gegen Rassismus einsetzen zu dürfen/müssen, Bullies waren, auch wenn sie ihr Bullying im Namen des Wahren, Schönen, Guten betrieben. Der Kampf gegen Unterdrückung diente ihnen zur Legitimation. Durch die verlinkten Artikel habe ich aber gelernt, dass es eine bessere und genauere Bezeichnung gibt: Autoritär.

Eine Gruppe spricht sich selbst das Recht zu, zu entscheiden, was rassistisch ist und was nicht, und diejenigen, die als rassistisch bezeichnet werden, haben nicht das Recht, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, falls ihnen überhaupt gesagt wird, worin dieser Vorwurf besteht. Die Rechtfertigung für dieses Verfahren nennt sich „Definitionsmacht“, was ursprünglich als Empowerment gedacht war: die Betroffenen entscheiden, was rassistisch oder sexistisch ist. Das Konzept kann allerdings missbraucht werden, erstens, wenn es auf immer weitere Bereiche und immer mehr Formen von Verhalten ausgedehnt wird, zweitens wenn es gar nicht die Betroffenen, sondern Mitglieder einer gemischten Gruppe ist, die aufgrund ihrer Theorie bestimmen, was in Ordnung ist und was nicht, auch gegenüber Menschen, die selbst zu den Betroffenen gehören, aber nicht zu der Gruppe.

Die Gefahr besteht darin (und hier haben mir die verlinkten Artikel geholfen, dies zu durchschauen), dass Streit und Diskussionen unmöglich gemacht werden und dass auch der Willkür Raum geboten wird. Das Konzept der Gruppe, die die Definitionsmacht hat, kann nicht in Frage gestellt werden, wenn sie jede Kritik mit einem Stopp-Zeichen beendet – aber wenn nach der besten gemeinsamen Strategie gesucht wird, muss gestritten und diskutiert werden dürfen. Anders ist es bei sexuellen Übergriffen: Hier ist es wirklich angemessen, dass die (oder der) Betroffene das Recht hat zu definieren: Dies war/ist eine Berührung, die ich nicht will, ohne etwas begründen oder erklären zu müssen. Es ist ihr Körper, da hat sie zu entscheiden, und muss ihre Entscheidung nicht rechtfertigen oder erklären.

Andere Verhaltensweisen sind die Eingangsstatements „ich bin weiß, eine Cis-Frau und aus der Mittelschicht“, mit denen sich Menschen zu Beginn ihrer Aussagen erst einmal „positionieren“. Ich schreibe das Wort „positionieren“ in Anführungszeichen, weil damit die Positionierung beschrieben wird, die die gegenwärtige Gesellschaftsordnung den Menschen zuschreibt. Anderes, was ebenfalls einen Menschen ausmacht, vor allem, die Entscheidungen, die er oder sie getroffen hat, oder die politischen Positionen, die er oder sie mittlerweile einnimmt, oder die sonstigen Erfahrungen des eigenen Lebens, werden nicht deutlich gemacht.

(Etwas andereres ist es, wenn von Erfahrungen berichtet wird. Wenn ich etwa von Kindheitserfahrungen berichte, ist es interessant, wann und wo diese Kindheit stattgefunden hat.)

Einer der Texte, die ich gefunden habe, NoborderCamp Köln: Gesamtbericht hat schönere Worte dafür gefunden, als ich es könnte:

Denn dadurch steht im Zentrum der Aussage nicht mehr, welche Überzeugungen eine Person hat, wo sie hin will, welchen Bruch sie mit den Verhältnissen anstrebt. Nein, im Zentrum steht jetzt, wo eine Person herkommt, mit der Konsequenz, dass soziale Konstrukte wie ‚Mann‘, ‚Migrantin‘, ‚Inhaberin eines deutschen Passes‘ etc. verstärkt und nicht etwa in Frage gestellt werden, wie auch eine Rednerin im Abschlussplenum mit Verweis darauf anmerkte, dass sie sich zwar als Person mit iranischem Hintergrund „selbst-stereotypisieren“ könnte, genau darauf aber explizit verzichten würde.

Die meisten Texte, die ich gefunden habe, bezeichnen diese Selbstpositionierungen als eine Art von Schuldbekenntnissen. Es wurde nicht analysiert, woher dieser Eindruck kam, was ein Manko der Texte ist, denn schließlich können Selbstpositionierungen auch anders funktionieren, zum Beispiel als Begründung, warum man eine bestimmte Position einnimmt. Ich kann also nur spekulieren, und ich vermute, dass der Eindruck von Schuldbekenntnissen dadurch entstand, dass die Selbstpositionierungen häufig die Form annahmen: Ich bin weiß, daher bin ich privilegiert und profitiere ich von der rassistischen Kultur dieser Gesellschaft, und daher bin ich selbst auch rassistisch, das heißt schuldig. Es ist also wie in der oben geschilderten Situation in der Jugendgruppe: Menschen sind schuldig, ohne dass sie etwas Konkretes getan hätten (was auch bedeuten würde, dass sie dieses konkrete Verhalten auch einstellen könnten), sondern weil sie eben in einer Struktur leben, die von der Erbsünde bestimmt ist in der sie privilegiert sind.

Ich habe jetzt einen Text von Tamara Nopper gefunden, The White Anti-Racist Is an Oxymoron: An Open Letter to “White Anti-Racists”, der, glaube ich, der Ursprung vieler ähnlicher, ein bisschen weniger ausgefeilter Texte ist. Er beschreibt genau diese Haltung: Weiße können keine Antirassisten sein, weil Weißheit eine Struktur ist, von der alle Weißen profitieren. Was sie von Weißen fordert (außer dass sie weder Weißheit für sich beanspruchen noch sich zu nicht-Weißen erklären) ist:

Rather, white people need to be willing to have their very social position, their very relationship of domination, their very authority, their very being…let go, perhaps even destroyed.

Nopper schreibt über John Brown, einem Abolitionisten der Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, der für eine militante Aktion am Ende hingerichtet wurde. Bezugnehmend auf ihn schreibt sie, was weiße Menschen tun sollen:

That is, whites cannot talk or just think through whiteness and structures of white supremacy. They must be committed to either picking up arms for other people (and only firing when the people tell them so), dying for other people, or just getting out of the way. In short, they must be willing to do what the people most affected and marginalized by a situation tell them to do.“

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich meine anfängliche Wut überwunden und ein Argument gegen ihre Forderung gefunden habe, Weiße sollten das tun, was die jeweils am meisten marginalisierte Gruppe ihnen sagt: Menschen sind immer für ihr eigenes Handeln verantwortlich und können diese Verantwortung nicht auf die am meisten marginalisierte Gruppe abschieben, die ihnen Taten „befohlen“ hätte, die sie nicht von selbst getan hätten. Von daher müssen sie selbst immer über ihr Handeln nachdenken und entscheiden.

Es gibt noch ein weiteres Problem mit der Vorstellung, dass Weiße dadurch, dass sie von der Struktur profitieren, keine Antirassisten sein können: Die Verantwortung wird auf die Struktur geschoben, und eigenes Verhalten muss nicht mehr reflektiert werden. Es löst sich auf in der Schuld, die alle betrifft. Dementsprechend sind die Menschen, die Selbstpositionierungen vorbringen, meistens doch nicht so zerknirscht, wie man es von einem Menschen erwarten würde, der sagt: ich kann kein Antirassist sein.

Was den Text von Tamara Nopper jedoch von vielen anderen ähnlichen Texten unterscheidet, ist ihre Forderung, dass Weiße etwas tun und nicht nur nachdenken und sich selbst reflektieren sollten.

Ich habe auch noch ein paar andere Texte gefunden:

Z Magazine: An interview with Noel Ignatiev (pdf)
The Point Is Not To Interpret Whiteness But To To Abolish It
Critical Whiteness – ein „false friend“?

Ich muss gestehen: Ich schluckte, als ich feststellte, dass „The Point is Not To Interpret Whiteness But To Abolish It“ in der selben Zeitschrift erschienen ist wie der Text von Tamara Nopper. Als ich den Text zuerst las, dachte ich, dass er die Gegenposition vertritt, und dass er mir hilft, zu verstehen, was gemeint ist, wenn die oben verlinkten Texte behaupten, dass das Konzept von Critical Whiteness auf dem Camp auf eine Weise verwendet worden sei, die Identitäten verfestigt, statt sie aufzulösen. Noel Ignatievs Ziel ist es, Identitäten aufzulösen, insbesondere die Identität „weiß“ – dies ist mit dem Wort „abolish“ gemeint. Im zweiten verlinkten Text, „an interview with Noel Ignatiev“, erklärt er genauer, wie die Identität „weiß“ aus verschiedenen Identitäten entstanden ist und wie insbesondere die Iren, die in ihrer eigenen Heimat und auch lange Zeit in den USA zu den unterdrückten Gruppen gehörten, im 19. Jahrhundert sich der Gruppe der Weißen anschlossen, das heißt sich mit anderen Weißen (den angelsächsischen Protestanten) verbündeten und sich von Schwarzen (freien Arbeitern und Sklaven) abgrenzten. Es war keine notwendige Entwicklung. Nach Ansicht von Ignatiev erklärt sie, warum sich sozialdemokratische Positionen in den USA so schwer tun: für viele Weiße, insbesondere der Arbeiterschicht, ist es wichtiger, sich von Schwarzen abzugrenzen als ein gerechteres Wirtschaftssystem zu verlangen. Ignatiev meint, dass diese Weißen nicht nur Schwarzen, sondern auch sich selbst schaden. Wünschenswert wäre es, wenn die Identität „Weiße“ aufgelöst würde und durch eine Identität „arme Menschen“ oder „Arbeiterschicht“ oder „untere Mittelschicht“ ersetzt würde.

Die Autorin des anderen Artikels, Melanie Bee, ist Englischlehrerin an einer Schule für Erwachsene in Deutschland, und Critical Whiteness gehört zu den Themen, die sie Menschen im Rahmen ihres Unterrichts beibringt. Sie fragt sich mittlerweile, ob „Critical Whiteness“, so wie der Begriff in Deutschland verwendet wird, ein „false friend“ ist, ähnlich wie das Wort „Handy“.

Hier ist vielleicht das bezeichnendste Zitat des Texts:

Als weiße Lehrerin befinde ich mich in dem Dilemma, zwischen diesen beiden nationalen Kontexten zu übersetzen. Ich präsentiere dabei Konzepte eines Antirassismus, der die Genehmigung von Aktivist_innen of color in den USA erhalten hat, was aber keinesfalls heißen muss, dass er den spezifischen Bedürfnissen von people of color in Deutschland entspricht. Weil ich glaube, dass Erfahrung und Identität (und damit race und place) der Boden sind, in dem unsere Ideen wachsen, bin ich mir sicher, dass people of color in Deutschland ihre eigenen Theorien und Praxen entwickelt haben, die den Spezifika der Situation hier entsprechen. Dies wiederum bedeutet, dass ein Konzept, das aus den USA kommt, Impulse geben kann, aber kein ›diskursiver Masterplan‹ sein kann.

Selbstkritisch fragt sie sich jedoch auch, ob es ihr gelungen ist, den People of Colour unter ihren eigenen Schülern Raum zu geben und ihnen Empowerment zu ermöglichen. (Dazu würde meiner Meinung nach auch gehören, dass sie sich oder noch besser ihre Schüler fragt, ob Menschen, die in Deutschland wegen ihres Aussehens diskriminiert werden, diesen Begriff auf sich selbst anwenden.)

Auch sie macht Vorschläge, was getan werden kann, und sie macht deutlich, was nicht weiterhilft: Schuldgefühl und Nabelschau.

Viele Weiße, die gerne antirassistische Verbündete sein möchten, befinden sich in meinen Augen in einer Sackgasse: Entweder Nabelschau – ein klaustrophobischer Raum voll von Täter_innen, die über ihre Tat reden (manchmal fühlt sich Deutschland insgesamt so für mich an) – oder das permanente Schweigen angesichts von Schuldgefühl und Privileg.

Und so wären wir bei der Hauptquelle des Schuldgefühls angelangt, das die Autorin hier wahrzunehmen meint: dem Schuldgefühl wegen der NS-Zeit und den mehr oder weniger hilflosen Gefühlen, damit umzugehen.

Meine eigene Position zu diesem Schuldgefühl ist zur Zeit die folgende: Ich vermute, dass das Gerede von der Kollektivschuld von denen aufgebracht wurde, die am meisten davon profitierten, nämlich denen, die an den eigentlichen Verbrechen beteiligt waren. Sie hatten den Hauptnutzen davon, dass ihre Schuld nicht im einzelnen untersucht wurde, sondern im allgemeinen Brei der Kollektivschuld, die auf allen lastete, aufgelöst wurde. (Das gilt auch für die Schuld von Menschen, die sich nur geringe Sachen haben zuschulde kommen lassen: auch sie geht in der allgemeinen Kollektivschuld unter.) Die Allierten, zumindest die im Westen, haben sich große Mühe gegeben, die individuelle Schuld von einzelnen Tätern festzustellen, so weit dies möglich war, und insgesamt ist (West-)Deutschland ziemlisch schnell wieder als Verbündeter akzeptiert worden (auch aus Eigeninteresse der Alliierten..)

In seinem Buch „Anständig geblieben“, vor allem im vorletzten Aufsatz, „‚Unvergängliche Schande‘: Martin Walser und das Fortwirken der NS-Moral“ stellt Raphael Gross dar, wie in der Rede von der Kollektivschuld die Idee der Volksgemeinschaft fortlebt (wobei dann implizit in der Rede von der Kollektivschuld als etwas, an dem alle Deutschen teilhaben, diejenigen, die nicht der Volksgemeinschaft angehörten, etwa Juden oder Kommunisten, wieder aus der Nation ausgeschlossen werden.)

Wenn sie sich aber für etwas schämten, was nicht sie, sondern andere getan hatten, zeigte dies, dass sie sich auf eigenartige Weise immer noch der Gemeinschaft zugehörig fühlten, die das Bezugssystem der moralischen Gefühle geblieben war.

Gross erklärt auch, dass trotzdem eine Verantwortung besteht. Ich gestehe: Sein Text hat mir endlich einleuchten lassen, was der Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung ist. Vorher dachte ich immer: wieso soll jemand verantwortlich sein, wenn er keine Schuld trägt? Gross stellt die Verantwortung von Menschen heraus, die Zeuge eines Verbrechens oder eines Unfalls werden. Sie können nicht sagen: geht mich nichts an, sondern sie müssen eingreifen und handeln und gegebenenfalls als Zeuge zur Verfügung stehen. Darin besteht ihre Verantwortung, und sie besteht, obgleich sie nur zufällig dabei waren und keine Schuld tragen.

Insofern besteht auch für Weiße, die die rassistische Struktur unserer Gesellschaft nicht verursacht haben, die Verpflichtung, etwas daran zu ändern.

Ja, und jetzt zum Abschluss noch ein berühmtes Zitat von Hannah Arendt. Es findet sich im Schlusskapitel ihres Buchs „Eichmann in Jerusalem“, im Kapitel „Das Urteil, die Berufung und die Hinrichtung“, in meinem Exemplar (10. Auflage, 2000) auf S. 369f.

… dass diese zur Schau getragenen und reichlich publizierten Schuldgefühle gar nicht echt sein können. Sich schuldig zu fühlen, wenn man selbst nichts getan hat, und es in die Welt zu proklamieren, ist weiter kein Kunststück, erzeugt allenthalben „erhebende Gefühle“ und wird gern gesehen. Es gibt sehr wenige Menschen, die imstande sind, wirklich begangenes Unrecht einzusehen – von Reue oder Schuld ganz zu schweigen. Das ist nicht so einfach. Von allen Seiten und in allen Bereichen ist die deutsche Jugend heute mit Männern konfrontiert, die in Amt und Würden, in maßgeblichen Positionen und öffentlichen Stellungen das Gesicht des Landes bestimmen und in der Tat sich einiges haben zuschulden kommen lassen, ohne sich offenbar schuldig zu fühlen. Die normale Reaktion einer Jugend, der es mit der Schuld der Vergangenheit ernst ist, wäre Empörung. Und Empörung wäre zweifellos mit gewissen Risiken verbunden – nicht gerade eine Gefahr für Leib und Leben, doch entschieden ein Handicap für die Karriere. Das ist alles sehr verständlich, aber wenn diese Jugend von Zeit zu Zeit – bei Gelegenheit des Anne-Frank-Rummels oder anlässlich des Eichmann-Prozesses – in eine Hysterie von Schuldgefühlen ausbricht, so nicht, weil sie unter der Last der Vergangenheit, der Schuld der Väter, zusammenbricht, sondern weil sie sich dem Druck sehr gegenwärtiger und wirklicher Probleme durch Flucht in Gefühle, also durch Sentimentalität entzieht.

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14 Antworten zu Identitäten verfestigen oder auflösen

  1. Chomsky schreibt:

    @susanna14

    Du schreibst:

    Anders ist es bei sexuellen Übergriffen: Hier ist es wirklich angemessen, dass die (oder der) Betroffene das Recht hat zu definieren: Dies war/ist eine Berührung, die ich nicht will, ohne etwas begründen oder erklären zu müssen. Es ist ihr Körper, da hat sie zu entscheiden, und muss ihre Entscheidung nicht rechtfertigen oder erklären.

    Kommentar:

    Nur wird m.E. das Definitionsmacht-Konzept im Kontext von sexueller Belästigung, sexueller Nötigung, Vergewaltigung etc. um Einiges umfassender definiert, als Du es hier ev. implizierst. So wie ich es verstanden habe, will es nicht nur sagen, dass diejenige Person sagen kann/soll, ob ihr eine Berührung passt oder nicht passt, sondern es geht viel, viel weiter. Es will quasi auch definieren, dass es in der Interaktion ein Opfer und ein Täter gibt, wer Opfer und wer Täter ist, bzw. ob ein Gesetzesbruch vorliegt oder nicht, welcher Gesetzesbruch vorliegt und quasi in extremer Variante auch noch, wie eine mögliche Bestrafung aussehen sollte. M.E. sind alle Bereiche in einem so verstandenen Definitionsmacht-Konzept höchst problematisch, wenn wir es mit dem Rechtsstaatsprinzip vergleichen würden.

    Kommen wir zum Beispiel der Berührung: Das Problematisch ist ja nicht die Berührung an sich, sondern ob die Berührung gewollt ist oder nicht: Der Wille der berührten Person ist also das Zentrale. Nur: In einem vollgestopften Bus oder sonst in einer dichtgedrängten Menschenmenge lässt sich nun mal eine Berührung zwischen Menschen nicht vermeiden, auch wenn ev. eine Mehrheit der Menschen es nicht gerne hat: Hier wird bereits offensichtlich, wie willkürlich und unbrauchbar das Definitionsmacht-Konzept sein könnte wenn es auf alle Lebensbereiche ausgedehnt würde. Aber, das Rechtsstaatsprinzip läuft ja eigentlich so, zumindest im strafrechtlichen Kontext:

    – ist der objektive Tatbestand erfüllt (hat überhaupt eine Berührung stattgefunden)
    – ist der subjektive Tatbestand erfüllt (wollte der mutmassliche Täter das mutmassliche Opfer rein subjektiv auch gegen ihren Willen berühren)
    – hat sich das mutmassliche Opfer überhaupt belästigt gefühlt (subjetiver Wille)
    – etc.

    Wenn es nicht um Berührungen geht, dann kann das Ganze noch viel komplexer werden.
    Wann ist anstarren oder angaffen oder die sogenannt taxierenden Blicke dann mal eine sexuelle Belästigung? Wenn wir hier das Definitionsmachtkonezept nehmen, dann würde jeder Mensch von sich subjektiv entscheiden, wann es sich zu lange angestarrt fühlt: Bei gewissen Personen kann hier schon eine Zehntelssekunde zuviel sein, bei anderen Menschen liegt dies vielleicht bei einer Minute etc.
    Das soll nun nicht heissen, dass man überhaupt nichts sagen soll, wenn man das Gefühl hat, blöd angestarrt zu werden. Nur taugt das Definitionsmacht-Prinzip m.E. überhaupt nix, wenn es um straf- oder zivilrechtliche, also rechtsstaatliche Prinzipien geht. Es ist Subjektivismus pur, lässt der Willkür freien Raum und erhebt quasi wieder das Machtprinzip zum Primat bei Streitigkeiten in Interaktionen und nicht das Rechtsstaatsprinzip, das ja das Machtprinzip gerade ausser Kraft setzen möchte. (Klar, man kann argumentieren, das Definitionsmachtprinzip gibt dem Opfer die Macht zurück: Nur, dann könnten wir auch gleich die Blutrache einführen: Das Opfer wehrt sich und gewinnt so seine Handlungsautonomie/Handlungsmacht zurück etc.: Ich sage, was Mord ist, und ich sage, wer Opfer und wer Täter ist, und ich sage, welche Strafe angebracht ist etc.)
    Natürlich müsste man dies nun wieder ein bisschen differenzierter anschauen, aber ich halte nicht wahnsinnig viel vom Definitionsmachtprinzip und sehe es als eine Gefahr für das Rechtsstaatsprinzip.

  2. susanna14 schreibt:

    Ich halte das Konzept der Definitionsmacht in dem Maß für sinnvoll, wie ich es beschrieben habe: Was ihren Körper oder ihre Wohnung (oder eben auch ihr Blog) anbetrifft, hat sie das Recht zu sagen: Das will ich nicht, und sie muss dann auch nicht erklären, warum sie es nicht will. Dann sollte derjenige, der sie angefasst hat, es einfach sein lassen, und nicht eine Diskussion anfangen à la „Aber es war doch nicht schlimm, wie ich dich angefasst habe, und ich habe es gar nicht als Anmache gemeint, und ich mache das immer, mit allen Frauen, ich kann mich da jetzt nicht so schnell umstellen, und es hat auch noch nie eine Frau gemeckert.“

    Ich habe das alles schon erlebt, aber ich habe auch schon erlebt, dass Männer gesagt haben: „Ach so, du magst das nicht, das wusste ich nicht“, und es dann sein ließen. Ich bin dann aber auch eine, die ausdrücklich „nein“ sagt.

    Ich habe noch nie davon gehört, dass Frauen wegen einer zufälligen Berührung im Bus vor Gericht gezogen wären, oder es versucht hätten. Das sind Geschichten, wo ich mich frage, ob sich nicht unter Männern (Männerrechtlern?) eine Paranoia aufbaut, in dem Sinn, dass vor hypothetischen Extremereignissen gewarnt wird und diese groß aufgebauscht werden und die alltäglichen Ereignisse nicht mehr gesehen

    Ich habe „Definitionsmacht“ jetzt bei Wikipedia nachgeschlagen und bin dort den Links gefolgt und habe festgestellt, dass es sich in erster Linie um eine Debatte handelt, die innerhalb der linken Szene stattfindet. Ich bin nicht Mitglied dieser Szene, und kann daher wenig darüber sagen.

    Für den Bereich des Rechtsstaat stimme ich dir zu: hier ist das Konzept der Definitionsmacht völlig untauglich. Ich kann nicht nur aufgrund meines subjektiven Empfindens, dass mir eine Berührung unangenehm war, verlangen, dass der betreffende Mann bestraft wird. (Und er sollte auch nicht von der „Community“ bestraft werden.) Dazu sind auch Kriterien notwendig, die intersubjektiv nachvollziehbar und transparent sind.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob Definitionsmacht wirklich dem Opfer die Handlungsfähigkeit zurückgibt. Es würde sich ja in diesem Fall um eine extreme Machtfülle in einer einmaligen Situation handeln. Möglicherweise erhält die betroffene Frau eine realistische Vorstellung von Handlungsfähigkeit zurück, wenn sie sieht, dass sie in einer Situation mit Regeln etwas ausrichten kann und dass es dabei eine gewisse Vorhersagbarkeit und Logik gibt. Dazu müssen die Regeln so sein, dass das Opfer nicht von vornherein praktisch ohnmächtig ist, aber sie müssen transparent und nachvollziehbar sein.

  3. Chomsky schreibt:

    @Susanna14

    Du schreibst:

    Ich habe noch nie davon gehört, dass Frauen wegen einer zufälligen Berührung im Bus vor Gericht gezogen wären, oder es versucht hätten. Das sind Geschichten, wo ich mich frage, ob sich nicht unter Männern (Männerrechtlern?) eine Paranoia aufbaut, in dem Sinn, dass vor hypothetischen Extremereignissen gewarnt wird und diese groß aufgebauscht werden und die alltäglichen Ereignisse nicht mehr gesehen

    Kommentar:

    Werde dann noch einmal ein bisschen vertiefter darauf eingehen, aber jetzt nur so viel:
    Natürlich argumentieren wohl Männerrechtler auch kritisch gegen dieses Konzept. Mein Impetus kommt jedoch vor allem aus der Kritischen Kriminologie:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Kriminologie

    Man hat dies doch sehr gut auch im Kachelmann-Verfahren gesehen: Wenn Du einmal die Statements von Alice Schwarzer und von Monika Frommel vergleichst, beides übrigens selbsternannte Feministinnen, dann scheint mir die Kluft unüberbrückbar zu sein:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Monika_Frommel

    Monika Frommel ist übrigens auch im Beirat der Zeitschrift „Kritische Justiz“:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Justiz

    Im Kachelmann-Verfahren schreibt Sie übrigens Folgendes:

    http://nachrichten.t-online.de/kachelmann-prozess-staatsanwaelte-haben-voellig-unprofessionell-gehandelt-/id_46536872/index

    M.E. ist das Definitionsmacht-Konzept in dieser Tradition, was Monika Frommel im Kachelmann-Prozess anprangert.

    Und aus der Perspektive der Kritischen Kriminologie sind die Strafrechtsverschärfungen z.B. im Sexualstrafrecht eben aus rechtsstaatlichen Gründen nicht nur unproblematisch – Stichwort – Vom Rechtsstaat zum Sicherheitsstaat.

    http://www.strafverteidiger-vnbs.de/files/document2.pdf

    Aber auch viele Schriften zum Beispiel von Fritz Sack in diesem Zusammenhang:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Sack

    Wie die Kriminalpolitik dem Staat aufhilft
    Governing through Crime als neue politische Strategie
    http://www.fritz-sack.com/01%20Texte/Governing%20through%20Crime.htm

    • susanna14 schreibt:

      Ich habe den Text von Monika Frommel gelesen, und ich erinnere mich auch an einen Text zum Verfahren gegen Dominique Strauss-Kahn, der von einer Staatsanwältin geschrieben worden war (oder es war ein Interview), in dem diese sagte, dass die betroffene Frau sich anscheinend in Widersprüche verstrickt und damit ihre Glaubwürdigkeit verloren hatte. Für mich stand die Nüchternheit dieses Interviews in einem wohltuenden Gegensatz zu den Artikeln von Leuten, die sich ganz sicher waren, dass DSK unrecht hatte und die Frau im Recht war, obwohl sie den Fall nur über die Medien (einschließlich des Internets) verfolgten.

      Warum ich trotzdem denke, dass die Männer da in Paranoia verfallen: Vor der Justiz haben solche Geschichten dann doch keinen Bestand. Monika Frommel erklärt ja, dass es möglich ist, herauszubekommen, ob die Betroffene lügt oder nicht.

      Gerade wegen der Phantasie von der Frau, die falsche Anschuldigungen erhebt, sollten Feministinnen auf der anderen Seite vorsichtig sein, solchen Phantasien nicht mit der Forderung, dass das Opfer allein bestimmen dürfe, ob ein Übergriff stattgefunden habe und ob der Täter bestraft werden solle, Vorschub leisten.

      Den Artikel von Fritz Sack habe ich gelesen und finde ihn sehr interessant. Von kritischer Kriminologie hatte ich bis dahin noch nie gehört, werde jetzt aber mal schauen, ob ich Fritz Sack irgendwie irgendwann mal in Hannover hören kann. Von der Kritischen Justiz weiß ich schon lange; Joachim Perels lehrte lange Zeit in Hannover. Ich habe ihn nie an der Uni gehört, aber ich habe verschiedene Vorträge für ein allgemeines Publikum gehört, in denen er beschrieb, wie in der NS-Zeit die Bürgerrechte und Menschenrechte für jüdische Menschen Schritt für Schritt abgeschafft wurden. Seither kommt mir immer ein Grausen, wenn Linke meinen, rechtsstaatliche Prinzipien seien etwas Bürgerliches und Unwichtiges.

      Einige Sätze aus dem Text von Fritz Sack habe ich mir ausgesucht:

      Denn nur, um das vielleicht wichtigste und zugleich komplexeste Beispiel
      wenigstens zu benennen, ein starker, klarer und berechenbarer Staat vermag auch eine klare und berechenbare strafrechtliche Sozialkontrolle zu gewährleisten; die rechtsstaatliche Errungenschaft eines justizförmig gebändigten Strafverfahrens stellen die vielfältigen neuenFormen von Informalisierung und Privatisierung, von Oligopolisierung und Therapeutisierung sozialer Kontrolle, von Verhandlung und Mediation, von Grund auf in Frage.

      Ich habe den Eindruck, dass das Konzept der Definitionsmacht aus dem therapeutischen Bereich kommt. Hier ist es wichtig, dass diejenige oder derjenige, die Hilfe sucht, ernst genommen wird und ihr geglaubt wird und dass auch vermeintlich geringfügige Verletzungen gewürdigt werden. Aber in einer Therapie geht es nur um das Opfer – im Strafprozess muss es auch um den Täter gehen.

      Das Gefährlichkeitsrisiko muß radikal ausgemerzt, der Gefährlichkeitsbazillus umkreist und vernichtet werden. Das ist das eine. Damit geht zum zweiten einher die Totalisierung der sozialen Kontrolle – der Gefährliche muß diszipliniert (Zwangstherapie!) und zugleich überwacht werden (Offenbarungspflicht des Therapeuten!) Und drittens muß der gefährliche Straftäter separiert und ausgegrenzt werden, ganz wie der alttestamentarische Sündenbock, dem alles Unreine und Böse aufgehäuft und der dann in die Wüste zum Wüstendämon Asasel verbannt wurde. Konsequenterweise wird der solchermaßen Ausgestoßene viertens sozial geächtet und stigmatisiert: Banning and Labelling heißt diese kriminalpolitische Strategie, die in Großbritannien und in den USA schon ganz unverblümt propagiert und praktiziert wird.

      Ächtung und Stigmatisierung habe ich als typische Strategien im Fandom erlebt, meistens gegen Menschen, die als Rassisten bezeichnet wurden. Was dabei oft untergeht, ist, dass auch diese Menschen ihre Menschlichkeit nicht verlieren, oder das Recht, wie Menschen behandelt zu werden. Was mir die Artikel, die ich gefunden habe, gezeigt haben (hast du sie eigentlich gelesen?) ist, dass es auch außerhalb des Fandoms eine beliebte Taktik in manchen linken Kreisen ist. (Und vielleicht ein ganz archaisches Verfahren, das es noch oft in Bereichen gibt, die nicht dem Strafrecht unterworfen sind, wenn etwas über jemanden gelästert wird.)

      Solchen Praktiken, das Böse aus der Gesellschaft zu vertreiben anstatt es als zu sich gehörig zu integrieren und zu verarbeiten, sollte sich – jedenfalls in einem geordneten und starken Gemeinwesen wie dem unsrigen – eine aufgeklärte Kriminalpolitik verweigern. Wo Gut und Böse nach dem Modell einer dualistischen Sollensethik fein säuberlich von einander separiert werden, wo das Bemühen um Verstehen ausgesetzt und Humanität gestückelt wird, wächst nichts Gutes.

      Ich halte solch ein manicheisches Weltbild für ganz fatal, und die Quelle von vielem Übel. Menschen nehmen dann nicht mehr wahr, was an ihnen selbst böse ist: alles böse kommt dann nur noch von außen. So etwas ist oft zu beobachten, wenn ein Kind entführt wurde, und auch in den Diskussionen um Sicherheitsverwahrung wird der Täter oft als Monster, nicht als Mensch dargestellt.

  4. Chomsky schreibt:

    @Susanna14

    Jetzt nur kurz zum gesamten Text, also nicht nur zurm Konzept der Definitionsmacht.
    Also ich habe mich ein bisschen in die Texte eingelesen, die Du da verlinkt hast, also wo es um Critical Whiteness etc. geht, und ich habe wirklich den Eindruck, das Ganze hat wirklich sektenartige Züge. Ich staune, dass Du Dich überhaupt so lange mit dem beschäftigst.

    Ich glaube jedoch, dass man sich doch ein bisschen näher mit folgenden Konzepten befassen müsste:

    – Identitätspolitik/Normalität/Normalisierung/Subjektivierung
    – Definitionsmacht/Diskurs/Diskurs nach Foucault und Diskurs nach Habermas
    – Handlung und Struktur/Akteur und Struktur
    – etc.

    Eigentlich ist es ja interessant: Diese Diskussion gibt es doch schon seit Ewigkeiten, insbesondere ja auch im Bezug der Emanzipation der Frau und Frau und NS-Staat. Mir ist gerade bei dieser Diskussion wieder mal ein Artikel aus der Zeitschrift „Widerspruch. Beiträge zur sozialistischen Politik“ in den Sinn gekommen:

    http://www.widerspruch.ch/

    Er heisst: „Komplizenschaft und solidarische Hilfe. Psychosoziale Berufe zwischen Emanzipation und Anpassung“

    Hier heisst es u.a.: „Brückner (12) und Thürmer-Rohr (13) haben die Idee des Mittuns mit den Unterdrückern im Zusammenhang mit der Abhängigkeit und Opferfixierung der Frauen im Patriarchat entwickelt. Brückner untersucht in der Arbeit mit geschlagenen Frauen die Selbstverstümmelung und das Leben aus zweiter Hand, d.h. das Leben der abhängigen Frau über den starken Mann. Andere Autorinnen (14) thematisieren die besondere Hingabe der Frauen an ihre Söhne und damit das Teilhaben an der Reproduktion patriarchaler Verhältnisse. Nach Thürmer-Rohr ist die Mittäterschaft der Frauen durch ‚die differenzierte geschlechtliche Interessenverquickung in den zivilisierten Patriarchaten‘ (15) begründet. Die Frauen würden an der materiellen und ideologischen Macht des Patriarchats beteiligt und auf diesem Weg gekauft und in der Opferrolle fixiert. Sie stellt provokativ fest, dass die Verknüpfung von Autonomie und Opferstatus der Frauenbewegung zur Falle geworden sei.“ (S. 106 f.)

    Aber kommen wir in diesem Kontext zur Handlung und Struktur, da heisst es:

    „Komplizenschaft erfasst dann jenen subjektiven Anteil der Fehlentwicklung, der nach Abzug struktureller Zwänge und objektiver Verhältnisse übrigbleibt. So könnte man etwa feststellen, dass die Frauen im Patriarchat schon immer gegen ihre eigenen Interessen gehandelt haben. Der Nachteil dieser Definition, in der die Mittäter und MIttäterinnen als anonyme Agenten im objektiven Geschichtsprozess auftreten, liegt auf der Hand, denn sie schliesst gerade das entscheidende Element, das Subjekt der Veränderung als eigenverantwortliches, selbstreflexives, selbsttätiges und sich selbst im Prozess korrigierendes Subjekt aus.

    (…)

    An sich sind Unbewusstheit, Absichtslosigkeit, Passivität, fehlende Freiheitsgrade allein noch keine hinreichende Gründe zur Einschränkung einer MIttat. Beispielsweise liegt die Wirkung der Macht ja gerade darin, dass sie Interessengegensätze verwischt und unbewusst macht. Jedes Verhalten, das im objektiven Sinne der MIttäterschaft überführt ist, muss aber zusätzlich auf die erwähnten Kriterien hin analysiert werden. Kann man bei Frauen, die hundertprozentig mit ihrer Mutter-am-Herd-Rolle identifiziert sind, bei denen die Abhängigkeit und Unterwerfung weder intentional bewusst noch hergestellt ist und auch die strukturellen Zwänge kaum ein Ausscheren dulden, von MIttäterschaft reden? Wäre nicht Selbstfeindschaft im Sinne von Holzkamp angemessener?

    Die Problematik der unterschiedlichen Abstufungen der Mittäterschaft wird dramatisch am Beispiel der Kooperation der Juden im „Dritten Reich“ sichtbar: die allgemeine Fügsamkeit als Ergebnis der langen Anpassungsgeschichte in der Diaspora und permanenten Verfolgung (geringe Bewusstheit, hohe Passivität, keine Absicht, schwindende Freiheitsgrade) über die gezielte, teils bewusste, aktive, aber erzwungene Kooperation der Judenräte mit den Nazibehörden bis hin zur Mithilfe von Juden in Sonderkommandos bei der Vollendung des Holocaust. Niemand wird wohl im letzten Fall von Mittäterschaft reden, da das MIttun zwar objektiv bewusst und aktiv geschah, aber gegen jede eigene Absicht und unter höchster Gewaltandrohung. Das extreme Beispiel der Juden im Dritten Reich zeigt, wie unterschiedlich je nach Gewichtung der einzelnen Kriterien und Umstände die Einschätzung der Mittäterschaft ausfällt, und wie sehr ein einziges Kriterium alle anderen relativiert oder aussetzt. (…)

    Noch ein Wort zu einer Dialektik von institutioneller Struktur und subjektiver Bereitschaft, mit unseren Gegnern mitzutun. Autonomiefeindliche soziale Organisationsformen und Herrschaftsverhältnisse bringen Knechte hervor, umgekehrt führt dogmatisches, hierarchiegläubiges und komplizenhaftes Verhalten zur Verhärtung der Strukturen. Mit abnehmenden Freiheitsgraden wird Komplizenschaft als eigenverantwortliches Verhalten eingeschränkt und der reine, zum Objekt degradierte Knecht tritt hervor.“ (S. 109 ff.)

    Also: soll heissen: Handlung und Struktur stehen in einem dialektischen Verhältnis und je nach Struktur ist eben auch ein mitverantwortliches oder schuldhaftes (subjektives) Verhalten eingeschränkt. Aber auch das müsste nun viel differenzierter angeschaut werden.

    Zur Identitätspolitik: Ich habe das Gefühl, dass Identitäten natürlich schon problematisch werden können, aber nicht deshalb, weil Klassifizierungen (weiss/schwarz/gelb/rot etc.) gemacht werden, sondern weil diese sehr stark affektiv oder emotional besetzt sind.
    Deshalb glaube ich eben nicht, dass das Weisssein oder das Schwarzsein etc., also die Identität oder die Klassifizierung oder Ethnifizierung etc. das primäre Problem ist, sondern eher die vielfach damit verbundene ungleiche Ressourcenverteilung u.a Benachteiligungen. Ausgrenzung, Abwertung, ungleiche Ressourcenverteilung, ungleiche Verteilung bei der gesellschaftlichen Partizipation etc. kann sich quasi als Merkmalsträger die Hautfarbe etc. aussuchen, aber wenn es nicht die Hautfarbe oder Identität wäre, dann wäre es eben was Anderes. Natürlich haben wohl im Durschschnitt gesehen Weisse in Deutschland Vorteile in vielen Bereichen (ökonomisches, kulturelles, soziales, symbolisches Kapital etc.). Somit ist im Durchschnitt Weisssein in Deutschland mit Vorteilen in jensten Bereichen verbunden. Nur macht mich das Weisssein und den damit verbundenen strukturellen Privilegien, weil ganz eindeutig auch durch strukturelle Mechanismen verursacht, nicht schon zu einem Rassisten, der gezielt durch die eigene subjektive Handlung andere Menschen schädigen (in einem umfassenden Sinne verstanden) will. Es hilft m.E. auch nicht wahnsinnig viel weiter, wenn ich weiss, dass Weisssein die „Normalität“ ist und sich erst durch etwas konstituiert, das anders ist als das Weisssein. Weil das ist eine Binsenwahrheit und eigentlich das Basiswissen des relationalen Denkens oder eben des Strukturalismus!🙂
    Unterschiede und Klassifizierungen und somit auch unterschiedliche Identitäten lassen sich m.E. nie ausschalten, ausser man versucht, dass alle Menschen gleich aussehen und die gleichen Kleider tragen und die gleichen Häuser haben und die gleichen Autos fahren und quasi alle Menschen genau gleich sind.
    Selbstverständlich dienen Unterschiede und Klassifizierungen auch als Distinktionsmerkmale und Distinktionsmerkmale sind wiederum vielfach eine Reproduktion gewisser Privilegien auf der symbolischen Ebene. Deshalb heisst das schöne Buch von Pierre Bourdieu auch „Die Feinen Unterschiede“.🙂

  5. susanna14 schreibt:

    Vielen Dank für deinen Kommentar!

    Warum ich mich so lange damit beschäftigt habe: weil ich selbst mit solchen Leuten schon zu tun hatte. Sie stellten keine einheitliche Gruppe dar, wie diese RS-Leute, aber sie verwendeten ähnlich Strategien (Argumente will ich das mal nicht nennen), etwa Diskussionen abbrechen und stattdessen die Diskussionsgegner beschimpfen, weil sie ein falsches Wort verwendet haben: Oder eben diese Selbstbezichtigungen, die der ursprüngliche Anlass waren, etwas zu schreiben. Oder der inflationär gebrauchte und verwässerte Gewaltbegriff. Sowohl die Berichte über das No Border Camp als auch der Text von Tamara Nopper haben mir Hinweise darauf gegeben, wo das alles herkommt, und dies hilft mir jetzt, mich nicht mehr davon beeindrucken zu lassen. Solche Leute haben nämlich tatsächlich das Talent, andere dazu zu bringen, dass sie erst einmal denken: was ist jetzt mit mir? bin ich jetzt wirklich so schrecklich? Und vielleicht ist es auch normal, erst einmal so zu reagieren, schließlich hat ja jeder Fehler und weiß, dass er nicht frei von Klischees ist. Es ist nicht so einfach, solche Taktiken zu durchschauen, und anscheinend ist es den Leuten auf dem Camp auch nicht von Anfang an gelungen, sondern sie sind erst einmal darauf hereingefallen.

    Ich habe mir bei dem Wort „Sekte“ erst einmal nicht so viel gedacht. Es kommt in den verlinkten Texten ein paarmal vor, aber meine eigene Assoziation war eher das konservative Spektrum der protestantischen Kirchen. Natürlich sind einiges davon sogenannte Freikirchen, und in dem Sinn dann auch Sekten, aber es gibt auch dort dann Unterschiede… Mit den Schuldgefühlen arbeiten, die ja tatsächlich jeder von uns hat, und diese dazu nutzen, Menschen völlig zu verunsichern, so dass sie nur noch diese Schuldgefühle sehen und sonst nichts mehr, ist tatsächlich eine Methode, Menschen zu manipulieren und zu unterwerfen.

    Es ist nicht so leicht zu durchschauen, wenn es einen selbst betrifft, weil die, die diese Methoden praktizieren, häufig auftreten, als hätten sie alle Weisheit gepachtet und als seien alle anderen entweder ahnungslos oder -istisch, aber wenn man von außen auf etwas blickt, was anderen passiert es, wird klar, was da abläuft.

    Ja, so viel zu deiner Frage, warum ich da so viel Zeit investiert habe. Ursprünglich wollte ich nur auf das Interview mit Vassilis Tsianos eingehen.

    Welches ist die Nummer von dem Heft, aus dem der Artikel stammt, aus dem du mir so viel zitiert hast? Er klingt interessant. Im SS11 habe ich einen Seminarvortrag zu Frauen in der NS-Zeit gehört, da ging es auch um die Frage, ob sie Opfer oder eigenständig Handelnde waren. Wahrscheinlich ist es in den meisten Fällen so, dass Menschen einerseits in einer Struktur stecken, die ihre Handlungsmöglichkeiten einschränkt, dass sie aber immer noch Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten haben, und dass man sich von Fall zu Fall genau anschauen muss, welche Entscheidungsmöglichkeiten vorhanden sind.

    Zu den Identitäten: Das mit den Ressourcen ist natürlich ein Problem, und auch das mit den Diskriminierungen und Abwertungen. Ob auch „Weiß“ und „PoC“ als Identitäten Probleme sind – vielleicht kann ich da auf Amartya Sen „die Identitätsfalle“ verweisen. Er erklärt, dass Menschen immer verschiedene Identitäten haben, also eben nicht nur zum Beispiel „weiße Frau“, sondern eben auch „Tennisspielerin, Angestellte, Fan von Manchester United, Angehörige der Wicca-Religion“ usw. Wie sie sich in einer bestimmten Frage entscheidet, ist von all diesen „Identitäten“ beeinflusst – und das bedeutet, dass wir frei sind, uns so oder so zu entscheiden.

    Ignatiev hofft nun darauf, dass vor allem für Weiße der Arbeiterschicht die Identität „Arbeiterschicht“ in Zukunft wichtiger wird als die Identität „Weiß“ und dass ihnen reale Vorteile wichtiger sind als der psychologische Vorteil, sich den PoC überlegen fühlen zu können. (Ich habe auch über Obama nachgedacht. Ich weiß nicht, ob er aktiv Politik für PoC gemacht hat, etwa im Sinn von Affirmative Action. Aber möglicherweise hat seine Sozialpolitik (Krankenversicherung) mehr Auswirkungen auf die Situation von PoC als irgendwelche Affirmative Action.

    Vielen Dank für deinen Kommentar – ich habe viel gelernt!

    • Chomsky schreibt:

      @Susanna14

      Ich finde übrigens das Thema, das Du aufwirfst, schon sehr spannend und es gefällt mir gut, wie Du es reflektierst. Ich habe mich eher ein bisschen gewundert, weshalb Du Dich mit gewissen Texten auseinandersetzt, wo ich nun wiederum das Gefühl hatte, das Reflexionsniveau ist nun doch eher unterirdisch, und da meine ich nun nicht die Texte, die sich gegen die RS-Leute „positioniert“ haben.🙂
      Und mit der Identitätspolitik habe ich mich tatsächlich noch nicht so viel auseinandergesetzt, obwohl ich doch eher vermute, dass Identitätspolitik m.E. eher zur Verschleierung beitragen kann, wenn es um die Analyse von politischen bzw. gesellschaftlichen Auseinandersetzungen geht. Du schreibst z.B.:

      „Ignatiev hofft nun darauf, dass vor allem für Weiße der Arbeiterschicht die Identität “Arbeiterschicht” in Zukunft wichtiger wird als die Identität “Weiß” und dass ihnen reale Vorteile wichtiger sind als der psychologische Vorteil, sich den PoC überlegen fühlen zu können. (Ich habe auch über Obama nachgedacht. Ich weiß nicht, ob er aktiv Politik für PoC gemacht hat, etwa im Sinn von Affirmative Action. Aber möglicherweise hat seine Sozialpolitik (Krankenversicherung) mehr Auswirkungen auf die Situation von PoC als irgendwelche Affirmative Action.“

      Ich glaube nämlich nicht, dass die Unterscheidung von „realen“ und „psychologischen“ Vorteilen sehr hilfreich ist. Interessant ist nämlich, dass z.B. Pierre Bourdieu nicht gross zwischen diesen unterscheidet: Bei Bourdieu könnte man nämlich z.B. auch sagen, dass „ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital und soziales Kapital“ die realen Vorteile umschreiben und das symbolische Kapital die psychologischen Vorteile (symbolisches Kapital ist ja bei Bourdieu: Renommee, Prestige, soziale Wertschätzung etc.). Dieses symbolische Kapital, das ja eindeutig psychologische Vorteile meint, wird aber bei ihm nicht quasi psychologisiert, sondern zielt doch eindeutig auf eine politische Herrschaftssoziologie. Und hier würde ich dann den Schlenk zu Marx und Max Weber machen. Marx meint ja eigentlich, dass dass das Sein (ökonomische Verhältnisse) das Bewusstsein bestimmt und also Klassenlage (u.a. Besitz an ökonomischem Kapital) das Bewusstsein/Verhalten (Klassenbewusstsein) bestimmt und sich somit eindeutig eine Arbeiteridentität mit einem Arbeiterklassenbewusstsein ausbildet: = Klassenlage bestimmt also die gleichen Interessen und somit Klassenbewusstsein/Klassenidentität. Sein grosser Gegenspiel ist ja dann in der Sozialstrukturanalyse Max Weber: Weber sagt ja eigentlich: Das Ständeprinzip durchkreuzt das ökonomische Klassenprinzip: Weber definiert Stand wie folgt:

      „Jede typische Komponente des Lebensschicksals von Menschen, bedingt durch eine positive oder negative soziale Einschätzung der Ehre.“

      Das ständische Prinzip (Ehre, Prestige, Renomee, soziale Wertschätzung, Lebensführung) kann also auch genauso wichtig bei der Zuteilung von Ressourcen, Partizipationschancen, Lebenschancen etc. sein wie das ökonomische Klassenprinzip: Es konstituieren sich gewisse Menschen mit einer einheitlichen Lebensführung oder eben mit gewissen ähnlichen Merkmalen zu einer relativ geschlossenen Gruppe, die schauen, dass sie andere Menschen oder Gruppen, die eben als anders eingestuft/konstituiert werden, davon ausgeschlossen werden. Wenn also z.B. bei uns in der Schweiz doch ein relativ hoher Prozensatz von Menschen mit wenig ökonomischem und kulturellem Kapital die SVP wählt, eine Partei, die Fremdenfeindlichkeit und Rassismus am nachhaltigsten betreibt, dann versprechen sich diese Menschen sicherlich nicht nur einen Nutzen an Prestige und Renommee, sondern auch andere Privilegien. Wenn Schweizer auf dem Arbeitsmarkt bevorzugt eingestellt werden im Vergleich zu Ausländern, dann haben sie hier tatsächlich einen materiellen Vorteil. Auch beim Wohnungsmarkt könnten sie Vorteile geniessen: Schweizer werden bevorzugt, wenn eine Wohnung ausgeschrieben wird. Politische Partizipation (Stimm- und Wahlrecht) soll den Schweizern vorbehalten bleiben etc.

      Hier hat mir z.B. das Buch von Norbert Elias: „Etablierte und Aussenseiter“ sehr viel geholfen, ein bisschen weg von der Marxschen Sozialstrukturanalyse zu kommen.

      Aber ich würde jedoch Identitätspolitik doch nicht ganz wegwischen wollen. Ich glaube, wenn es um das geht, was z.B. Michel Foucault das Sexualitäts- und Normalitätsdispositiv genannt hat, also, welche sexuellen Pratiken werden als normal oder pathologisch definiert oder eben wenn um die Geschlechter geht (männlich, weiblich, Transgender, Queergender etc.), dann könnte doch eher ein anderer Mechanismus eine Rolle spielen: Welche Verhaltensweisen gelten als normal und welche als abnormal oder eben pathologisch. Das scheint mir wirklich ein anderer Machtmechanismus zu sein. Hier haben mir die Analysen von Jürgen Link viel geholfen, wie er dies z.B. in seinem Buch „Versuch über den Normalismus“ umschreibt:

      „Links Normalismustheorie – wie er sie in seinem Buch Versuch über den Normalismus darlegt – fasst den Diskurs der Normalität als ein typisch modernes Dispositiv auf, das sich vor allem in den letzten Jahrzehnten (seit 1968) auf allen gesellschaftlichen Ebenen konsolidiert hat. Normalität zeigt sich in wissenschaftlichen Spezialdiskursen ebenso wie im „interdiskursiven“ Kontext, d. h. in Alltagspraktiken und -diskursen. Sie ist deutlich zu unterscheiden von Normativität, die Werte, Normen und Paradigmata präskriptiv konstitutiert, während Normalität funktioniert, indem mittels Statistik, Durchschnittsanlaysen und -abschätzungen etc. das „Normale“ erst im Nachhinein aus einer Gesamtschau des betreffenden Feldes konstituiert wird.

      Der Normalismus unterteilt sich weiterhin in Protonormalismus und flexiblen Normalismus. Während der Protonormalismus sich in vielerlei Hinsicht an Normativität anlehnt und um eine Einengung des Normalitätsfeldes (der Bereich dessen, was als normal gilt) bemüht ist, dominiert in der Jetztzeit der flexible Normalismus, der Normalitätsgrenzen dezentriert und zur Inklusion einer Vielfalt von Phänomenen in den Bereich des Normalen tendiert.

      Ein Beispiel aus der Psychiatrie bzw. Psychologie: „Der Protonormalismus behauptet, durch Wesensschau zu wissen, daß etwa Homosexualität oder auch dominante Gemütsarmut abnorm sind. Der flexible Normalismus verdatet zunächst ein Feld und stellt dabei etwa fest, daß sich zwischen 5 % und 10 % der Bevölkerung homosexuell verhalten, und daß dieser Anteil folglich normal ist.“ (S. 92)“

      http://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Link#Normalismus

      So, wünsche gute Zeit, muss nun wieder ein bisschen arbeiten!🙂

  6. susanna14 schreibt:

    Danke für die Komplimente.

    Ich finde Identitätspolitik zur Zeit total spannend, und zwar gerade weil ich denke, dass Gruppenidentitäten konstruiert sind (was paradoxerweise bei vielen Konstruktivisten nicht den Impuls auslöst, sie aufzuweichen oder aufzulösen, nach dem Motto: meine Identität ist zwar konstruiert, aber sie ist mir trotzdem wichtig und ich werde unter allen Umständen an ihr festhalten.“)

    Ich habe den Text, der m.E. aus einer Gruppe, die Reclaim Society nahesteht, nicht im einzelnen analysiert. Ich reagiere darauf eher mit einem bestimmten Gefühl: die Sätze fühlen sich an wie Stahlstangen. Aber das ist ja nun kein Argument gegen das, was sie schreiben, jedenfalls kein Argument, was Menschen überzeugen wird, die dem Reclaim Society nicht ohnehin schon kritisch gegenüberstehen.

    Andererseits finde ich es lohnender, bestimmte Praktiken zu kritisieren: Definitionsmacht, den erweiterten Gewaltbegriff, Selbstbezichtigungen aufgrund von Gruppenidentitäten, in die man hineingeboren wurde, Weigerung, die Erklärbärin zu spielen und die eigene Position zu begründen. Sag mir, ob ich etwas vergessen habe. Ach ja, die unreflektierte Übernahme von Theorien aus den USA, ohne zu überlegen, wie sie für Deutschland angepasst werden müssen. Die deutsche Situation kann m.E. nicht analysiert werden, ohne den Nationalismus miteinzubeziehen. Rassismus in den USA funktioniert (notgedrungen) ohne Nationalismus, jedenfalls wenn es um Konflikte innerhalb der USA geht. „Geht doch nach Hause!“ ist keine Lösung für ethnische Konflikte in den USA, und das wissen alle.

    (In einem neuen Text von Reclaim Society erklärten sie, dass für sie auch slawische und jüdische Menschen als PoC gelten. Ob die sich darüber freuen? Abgesehen davon, dass es mir beim Wort „slawische Menschen“ kalt über den Rücken läuft, für mich sind das Menschen aus Osteuropa. – Aber da zeigen sich die Probleme, wenn man die Welt in zwei Teile teilt „Weiße“ (böse) und PoC (gut). WIr waren da schon mal weiter.)

    Und dann ist es einfach so, dass ich hier im Netz mit Menschen zu tun, habe, die genau diese Strategien anwenden. Selbst Leute aus dem Fandom, die mir Rassismus vorwerfen, weil ich keine Kulturrelativistin bin, können mich immer noch verletzen – es ist eben doch in mir drin. Und dabei habe ich doch alle Argumente zur Hand, mit denen ich begründen bin, dass es keinen Rassismus bedeutet, wenn man keine Kulturrelativistin ist.

    Marx und Weber muss ich beide noch lesen (hast du einen Tipp, wie ich einsteigen kann?) Aber wenn ich lese, was du schreibst, denke ich daran, dass es im 19. Jahrhundert noch eine ganze Menge Überreste der alten feudalen Ordnung gab, an denen die Menschen festzuhalten versuchten, weil sie ihnen Sicherheit zu geben schienen. Es ist, glaube ich, auch eine Sehnsucht, die es heute noch gibt: die Sehnsucht nach einer Ordnung, in der es zwar Unterschiede gibt, in der aber jeder seinen Platz hat und versorgt ist. Diese Ordnung wird natürlich bedroht, wenn die unterste Schicht, die am wenigsten von dieser Ordnung profitiert, mit der zweituntersten Ordnung gleichgestellt sein willst.

    Und du hast natürlich recht: Weiße, auch arme Weiße, haben in den USA nicht nur psychologische, sondern auch materielle Vorteile gegenüber Schwarzen. (Und jetzt, wo sich diese auflösen und immer mehr Schwarze den Aufstieg in die Mittelschicht schaffen, wenden sie ihren Zorn gegen Schwarze und wählen Republikaner, um die alte Ordnung zu bewahren. – Meine Spekulation, völlig unwissenschaftlich.)

    Andererseits ist es möglicherweise so, dass sie materielle Vorteile davon hätten, wenn sie sich mit Schwarzen verbünden würden und Verbesserungen ihrer Situation erreichen würden. Dann wären sie hinterher möglicherweise nicht mehr den Schwarzen gegenüber privilegiert, aber es ginge ihnen insgesamt besser als vorher.

    Ich hoffe, es ist mir gelungen, mich verständlich zu machen.

    Ja, und danke für den Tip zu Jürgen Link. Ich bin seit zwei Wochen dabei, mich durch „Das Unbehagen der Geschlechter“ von Judith Butler durchzukämpfen – zwar nicht im Original, aber in der Übersetzung, und nicht in irgendeiner Zusammenfassung von jemandem, die einen verständlichen Stil schreibt. Aber vielleicht ist das dann ja eine Autorin, die du der Auseinandersetzung wert befindest.

    • Chomsky schreibt:

      @Susanna14

      Zu Marx und Weber und den Literaturtipps. Was soll ich sagen: Marx hat sicherlich ein paar gute Gedanken gehabt, aber vieles ist wohl einfach auch ein bisschen unterkomplex, wenn man es aus dem heutigen Stand der Sozialwissenschaft anschaut. Deshalb: Wenn Du nun ein Soziologiestudium machen würdest, dann würde ich Dir natürlich Marx unbedingt empfehlen, weil die soziologischen Klassiker schon viel weiterhelfen, um anderen theoretische Konzepte zu verstehen, insbesondere auch die Sozialstrukturanalyse. Aber ich glaube, Max Webers Analysen sind realistischer und weniger ideologisch befrachtet. Wahrscheinlich könnte Dich das berühmte Buch von Max Weber interessieren: „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Interessant ist ja hier, dass er ja quasi eine Umkehrung macht: Nicht das Sein (die materielle/ökonomische Basis) bestimmt das Bewusstsein (den Überbau wie Religion und politische Ordnung und Rechtsordnung), sondern religiöse Praktiken und religiöse Glaubensinhalte (asketischer Protestantismus) sind quasi prädisponierend für die Entstehung des Kapitalismus; also ich denke, das könnte Dir noch am ehsten gefallen.

      Aber sonst würde ich Dir eigentlich lieber meine Lieblinge ein bisschen näher bringen: Also meine Rangliste sieht ja momentan wie folgt aus:

      1. Pierre Bourdieu
      2. Michel Foucault
      3. Norbert Elias
      4. Anthony Giddens
      5. Lothar Böhnisch
      6. Erving Goffman

      Bei Bourdie wäre folgende einführende Literatur sehr aufschlussreiche: „Satz und Gegensatz. Über die Verantwortung der Intellektuellen.“ Oder Markus Schwingel: „Pierre Bourdieu zur Einführung“.

      Bei Foucault finde ich z.B. „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“ oder „Sexualität und Wahrheit. Der Wille zum Wissen“ gute einführende Texte. Aber auch alle Schriften, die das Konzept der „Gouvernementalität“ thematisieren.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Gouvernementalität

      Bei Norbert Elias wären z.B. folgende Bücher interessant: „Was ist Soziologie“, „Über den Prozess der Zivilisation“, „Die höfische Gesellschaft“ oder eben „Etablierete und Aussenseiter“ oder „Über die Deutschen“.

      Bei Anthony Giddens: „Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung“.

      Bei Lothar Böhnisch: „Die Entgrenzung der Männlichkeit“ (wäre doch gerade ein gutes Pendent zu Judith Butler), dann „Pädagogische Soziologie“ oder „Politische Soziologie“.

      Und bei Erving Goffman: „Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag“, „Stigma. Über Techniken beschädigter Identität“, „Asyle“.

      Mir gefallen übrigens diese Theoretiker sehr gut, weil sie, ausser bei Foucault und Goffman, immer versuchen, Handlungsebene und Strukturebene dialektisch aufeinander zu beziehen und somit versuchen, mikro, meso und makro zu einer Synthese zu verknüpfen, obwohl ich mir nicht so sicher bin, ob das schon der Weisheit letzter Schluss ist. Aber diese Problematik beschäftigt mich seit langem und wahrscheinlich müsste ich selbst einmal eine Theorie entwerfen.🙂

      Zu Judith Butler: Würde mich natürlich interessieren, wenn Du auch noch gerade Böhnisch lesen würdest (Die Entgrenzung der Männlichkeit), dann hättest Du quasi eine radikakonstruktivistische Variante und eine Variante, die sich eher auf eine psychoanalytisch rückgebundene Sozialisationsforschung abstützt. Hmmm, ich glaube, Böhnisch und Butler sind ev. zu einseitig. Butler vernächlässigt m.E. die intrapersonale Ebene (das Subjekt mit seinen biologischen und psychischen Antrieben) sowie die makrostrukurelle Ebene und Böhnisch unterschätzt ev. die Repräsentations- und Interaktionsebene (also die Macht des Performativen oder der Diskurse). Aber, würd mich natürlich interessieren, was Du dazu meinst.

  7. susanna14 schreibt:

    Lothar Böhnisch ist derjenige auf deiner Liste, von dem ich noch nie etwas gehört habe.🙂 Mit allen anderen verbinde ich etwas. Eine Alternative zu Butler wäre spannend; im Moment habe ich vor allem Lust auf Monique Wittig.

    Ja, vielen vielen Dank für deine Liste! Da ich gerade Butler lese, dachte ich, dass Foucault vielleicht ganz gut wäre, um Butler besser zu verstehen! Und ich werde auf jeden Fall zu deiner Liste zurückkehren, um die anderen Autoren kennenzulernen. Ich bin im Moment etwas deprimiert, weil die Ferien zuende gehen, und ich viel weniger geschafft habe, als ich eigentlich schaffen wollte.

    Und vielleicht schreibe ich über Butler, und versuche so über sie zu schreiben, dass ich vorsichtig bleibe. Sie ist ja nicht ganz so leicht zu verstehen, und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich ihr zustimme. Ich habe mich früher mal mit radikalkonstruktivistischen Ansätzen beschäftigt (von Glasersfeld etc.) und stehe ihnen eher misstrauisch gegenüber. Bei Butler habe ich die Argumentation noch nicht durchschaut. Ich lese sie zur Zeit „einfach so“, das heißt, ohne nach jedem Absatz Notizen zu machen, nur ein paar wenige eher intuitive Leseeindrücke. Die Notizen mache ich dann beim zweiten Lesen, wenn ich weiß, worauf sie hinaus will. Ich weiß noch nicht, was ich über meine Lektüre schreiben werde, und ob ich schon nach dem ersten Lesen etwas schreiben werde, oder erst, wenn ich ein zweites Mal durch bin und mehr verstanden habe.

  8. Chomsky schreibt:

    @Susanna14

    Noch ein kurzer Nachtrag zum Radikalkonstruktivismus: Hier müsste man unterscheiden, ob eine radikalkonstruktivistische Epistemologie oder eine radikalkonstruktivistische Ontologie gemeint ist. Glasersfeld betreibt quasi eine radikalkonstruktivistische Epistemologie: Unsere Wahnehmung liefert kein bewusstseinsunabhängiges Abbild der Realität, sondern das Abbild ist immer bereits eine Konstruktion. Ich denke, Butler betreibt keine radikalkonstruktivistische Epistemologie, sondern eine radikalkonstruktivistische Ontologie. Man könnte auch sagen, Butler betreibt quasi einen radikalen Nominalismus (gibt es realiter Universalien oder sind alle Universalien nur verstandesmässige Begriffsbildungen). Sie geht also davon aus, dass unsere Klassifizierungen und Unterscheidungen wie Körper, männlicher Körper, weiblicher Körper etc. immer schon gemacht oder konstruiert sind und konstruiert meint eben, vom Menschen hergestellt (quasi aktiv und willentlich). Die Unterscheidung oder Klassifizierung ist also nicht quasi naturbedingt offensichtlich, sondern wurde erst durch den Menschen hergestellt, konstruiert (somit eben eine verstandesmässige Begriffsbildung). Daraus leitet sie ja dann auch die Machtwirkungen ab, dass eine binäre Klassifikation eingeführt wurde und nicht eine Vielfalt und dass diese binäre Klassifikation sich eben zur Norm erhoben hat, also das Normalitätsdispositiv nach Foucault.

    Und Böhnisch unterscheidet sich von Butler in dem Sinne, dass er sich von der radikalkonstruktivistischen Ontologie abgrenzt, wenn es um die Geschlechterthematik geht, die Quintessenz von ihm lautet dann wie folgt:

    „Die Kritik an der radikalkonstruktivistischen Position bedeutet nicht, dass dieses Buch keine konstruktivistische Perspektive hat. Diese aber ist von jener dahingehend klar abgegrenzt, dass sie die vorsprachliche Eigenständigkeit ontogenetischer Strukturen und die Strukturkraft der Geschichte in soziogenetischen Prozessen unterstellt und in der Relation zu diesen die gesellschaftliche Wirkung sozialer Interaktionen – also als menschliche Praxis – sieht und bestimmt. Sie folgt damit einem durchaus tradierten konstruktivistischen Verständnis in der Soziologie, für das „die Sozialwelt nicht nur von uns gemeinsam, sozial, gesellschaftlich oder wie auch immer konstruiert (wird), sondern sie ist Konstruktion. Die Sozialwelt wird ‚als gegeben vorausgesetzt’ und sie ist dennoch ein Konstrukt. Indem soziale Akteure interagieren, wird eine Sozialwelt ebenso (ko)konstruiert, wie die Interaktion durch die Konstruktion der sozialen Welt bestimmt ist“ (Nicolaisen 1999, S. 102).“ (Böhnisch 2004: 17)

    Jo, wünsche noch erholsame Restferien, ist ja wirklich ein Jammer, dass diese schon fast vorbei sind!🙂

  9. susanna14 schreibt:

    Vielen Dank für die Hinweise! Da werde ich vielleicht doch etwas über meine Lektüreeindrücke schreiben… Ich werde das Wochenende über weg sein, und während dieser Zeit wahrscheinich „Gender Trouble“ zuende lesen. (allerdings auf deutsch.)
    Daher will ich warten, bis ich inhaltlich auf dich eingehe…

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